Bundesrat

Bundesrat: Obligatorischer Orientierungstag für Schweizerinnen

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Mehr Personal und einen höheren Frauenanteil erhofft sich der Bundesrat, wenn auch Schweizerinnen am Orientierungstag teilnehmen müssen.

Medienkonferenz mit Verteidigungsminister Martin Pfister zum obligatorischen Orientierungstag für Schweizerinnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Orientierungstag soll auch für Schweizerinnen obligatorisch werden.
  • Sie sollen die Chancen und Möglichkeiten in Armee und Zivilschutz aufgezeigt erhalten.
  • Der Bundesrat schickt die entsprechenden Gesetzesänderungen in die Vernehmlassung.

Der Orientierungstag für Stellungspflichtige soll auch für Schweizerinnen obligatorisch werden. Der Bundesrat wolle jungen Frauen «einen vertieften Einblick in die Möglichkeiten und Chancen in der Armee und im Zivilschutz ermöglichen». Dies fördere einerseits die Chancengleichheit, schreibt der Bundesrat in seiner Mitteilung weiter. «Viele Frauen wissen nicht, dass der Militärdienst oder Schutzdienst für sie eine interessante Option und berufliche Perspektiven bietet», sagt Verteidigungsminister Martin Pfister.

Frauen Schweizer Armee
Nur ein sehr kleiner Teil der Schweizerinnen leistet Militärdienst. - VBS/DDPS / Alex Kühni

Andererseits hofft der Bundesrat auch, dass sich dank vertiefter Informationen mehr Frauen für einen freiwilligen Dienst entscheiden. So sollen diese zu einem höheren Frauenanteil in Armee und Zivilschutz beitragen. Daran, sowie an genügend Personalbestand in Armee und Zivilschutz bestehe ein öffentliches Interesse. Deshalb sei der Eingriff in die persönliche Freiheit der Schweizerinnen gerechtfertigt.

Bundesrat Pfister zog auch einen Vergleich zu seiner eigenen Familie. Zwei seiner drei Töchter hätten es sich überlegt, freiwillig Militärdienst zu leisten. «Aber sie sind dann letztlich nie an den Orientierungstag gegangen. Das wäre jetzt eben diese Hürde, die wir heute zu überschreiten versuchen.»

Pfister: Kein Bezug zu Service Citoyen

Den Vorwurf, der Bundesrat präsentiere hier einen «Last-Minute-Gegenvorschlag» zur Service-Citoyen-Initiative lässt Pfister nicht gelten. Der obligatorische Orientierungstag sei schon länger aufgegleist.

Glaubst du, dass Frauen in der Armee eine wichtige Rolle spielen?

«Aber es gibt einen Bezug zur Initiative. Diesen Bezug könnte man auch herstellen, wenn diese Vorlage nicht in die Vernehmlassung gehen würde», so Pfister. Auf diese Verbindungen müsse man hinweisen.  

Stimmvolk entscheidet

Der Bundesrat schickt die dazu nötigen Gesetzesänderungen in die Vernehmlassung. Es muss aber auch die Bundesverfassung geändert werden.

Frau Armee Orientierungstag
Eine junge Frau probiert eine 39 Kilogramm schwere Ausrüstung an, beim Orientierungstag zum Militärdienst exklusiv für Frauen, am 15. März 2025, in der Mannschaftskaserne der Schweizer Armee - keystone

Neu soll es in Artikel 59 Absatz 2 heissen: «Für Schweizerinnen ist der Militärdienst freiwillig. Sie müssen an einer Orientierungsveranstaltung teilnehmen.»

Wegen der Verfassungsänderung kommt der obligatorische Orientierungstag für Frauen so oder so zwingend vors Volk. Sollten Volk und Stände Ja sagen, geht der Bundesrat davon aus, dass der obligatorische Orientierungstag ab 2030 eingeführt werden kann.

Viel Information, kein Geld

Am Orientierungstag sollen die potenziellen Soldatinnen und Zivilschützerinnen zunächst über den Ablauf der Rekrutierung informiert werden. Weiter würden die verschiedenen Funktionen der Armee und des Zivilschutzes aufgezeigt sowie die Zuteilungskriterien. Auch weiterführende Karrieremöglichkeiten sowie die generellen Rechte und Pflichten im Rahmen des Militär- und Schutzdienstes sollen thematisiert werden.

Orientierungstag  Frauen
Eine junge Frau erhält von einer Soldatin Informationen zum Militärdienst, beim Orientierungstag exklusiv für Frauen, am 15. März 2025, in der Mannschaftskaserne der Schweizer Armee in Bern. - keystone

Für den Orientierungstag wird kein Sold und auch kein Erwerbsersatz bezahlt. Betriebe müssen den Teilnehmenden aber frei geben.

Aktuell nehmen jährlich rund 1200 Frauen freiwillig an einem Orientierungstag teil. Angesichts der verschlechterten sicherheitspolitische Bedrohungslage habe die personelle Situation in Armee und Zivilschutz eine neue Dimension, so der Bundesrat.

Kommentare

User #2728 (nicht angemeldet)

So so. Das ist also der Plan. Frauen sollen 1 Tag ein bisschen zuhören und haben die Dienstpflicht erfüllt. Männer dürfen 245 Diensttage leisten mit Option auf mehr je nach Bedarf. Damit wird man die Bestandesprobleme von Zivilschutz und Armee nicht lösen. Anstatt ständig irgendwelche Pflästerlipolitik zu betreiben, wäre es an der Zeit für eine nachhaltige Lösung. Mein Ja für den Service Citoyen ist sicher - eine nachhaltige Lösung für die Bestandesprobleme und für alle gleich.

User #4595 (nicht angemeldet)

Für dieses Land und diese Politik gibts nichts zu verteidigen.

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