Bettina Balmer: Warum die Ernährungsinitiative ein Nein verdient
FDP-Nationalrätin Bettina Balmer erklärt in ihrer Kolumne, warum sie die Ernährungsinitiative für unrealistisch und nicht umsetzbar hält.

Das Wichtigste in Kürze
- Bettina Balmer (60) ist FDP-Nationalrätin aus Zürich.
- Auf Nau.ch schreibt Balmer regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt sie über die Ernährungsinitiative.
Am 27. September 2026 stimmen wir über die Ernährungsinitiative ab. Die Diskussion über diese Initiative mit dem netten Titel «für eine sichere Ernährung» wird weniger intensiv geführt als bei der Neutralitätsinitiative, welche gleichentags zur Abstimmung gelangt.
Gemäss aktuellen Hochrechnungen scheint ein Nein bei der Ernährungsinitiative ein klarer Fall zu sein. Aber gerade weil kaum über diese Initiative gesprochen wird und weil alle davon ausgehen, dass sie sowieso abgelehnt wird, wäre es wichtig, dieser Initiative trotzdem etwas Aufmerksamkeit zu schenken.
Nicht umsetzbar
Warum ist es richtig, dass diese Initiative abgelehnt werden muss? Die kurze Antwort lautet: Sie ist nicht umsetzbar, schon gar nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist.
Und um was geht es bei der Volksinitiative für eine sichere Ernährung überhaupt? Als Ärztin werde ich auf der Kindernotfallstation immer wieder mit Ernährungsfragen konfrontiert. Das hat mich motiviert, in meiner heutigen Kolumne über die Ernährungsinitiative zu schreiben.

Es ist klar: Gesunde Ernährung ist wichtig, Junkfood ist ungesund. Eine ausgewogene Nahrung beinhaltet reichlich Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, sogenannte gesunde Fette (vor allem ungesättigte Fettsäuren), ausreichend Flüssigkeit und einen moderaten Genuss von tierischen Produkten und Zucker.
Krankheiten im Fokus
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung hat vorbeugenden Charakter gegenüber allen möglichen Krankheiten.
Man denke beispielsweise an die Zuckerkrankheit, welche auch in der Schweiz als Volkskrankheit gilt und von welcher rund eine halbe Million Menschen in unserer Bevölkerung betroffen sind. All dies ist wichtig, aber all dies hat nichts mit der Ernährungsinitiative zu tun.
Die Ernährungsinitiative will die Selbstversorgung der Schweiz im Nahrungsmittelbereich stärken. Sie bezweckt auch, dass mehr pflanzliche Lebensmittel produziert werden und das Trinkwasser sauber bleibt. Dagegen ist im Grundsatz nichts einzuwenden.
Im Gegenteil, ich finde es richtig und auch wichtig, dass der Bund die Ernährungssicherheit stärkt und in der Weiterentwicklung der Agrarpolitik Massnahmen zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks berücksichtigt.
Aber: Die Ernährungsinitiative fordert, dass mindestens 70 Prozent der in der Schweiz konsumierten Lebensmittel in der Schweiz produziert werden müssen und dass dieses Ziel innerhalb von zehn Jahren erreicht wird. Diese Forderungen sind unrealistisch.
Staat müsste eingreifen
Der Staat müsste dafür massiv in die Produktion von Nahrungsmitteln und die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung eingreifen – für eine freisinnig-liberale Politikerin ist ein derart massiver staatlicher Eingriff ein absoluter Albtraum und grundfalsch.
Da sich die Forderungen der Initianten aber selbst mit solchen drastischen Lenkungsmassnahmen kaum realisieren lassen würden, hatte die Initiative im ganzen Parlament nicht den Hauch einer Chance – sie wurde sowohl im National- als auch im Ständerat einstimmig von sämtlichen Parteien abgelehnt.

Die Empfehlung bei der Volksinitiative «für eine sichere Ernährung in der Schweiz» ist also ein eindeutiges Nein.
Schreiben auch Sie Nein auf Ihren Abstimmungszettel und helfen Sie mit, dass die Volksinitiative «für eine sichere Ernährung» nicht nur in den Umfragen, sondern auch an der Urne klar abgelehnt wird.
Zur Autorin
Dr. med. Bettina Balmer arbeitet auf einer interdisziplinären, universitären Notfallstation. Sie sitzt für die FDP Kanton Zürich im Nationalrat und ist Teil der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur.








