Die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan sorgt derzeit für heftige Diskussionen. SEM-Direktor Mario Gattiker nimmt im Video-Interview mit Nau.ch Stellung.
SEM-Direktor Mario Gattiker äussert sich zur Situation in Afghanistan. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen der Afghanistan-Krise soll die Schweiz 10'000 Flüchtlinge aufnehmen, fordert die SP.
  • Aus der Sicht von SEM-Direktor Mario Gattiker ist das kein realistisches Ziel.
  • Es brauche jetzt keine Alleingänge, sagt der Schweizer Asylchef zu Nau.ch.

Wie viele afghanische Flüchtlinge soll die Schweiz aufnehmen? Diese Frage beschäftigt die Schweiz, seit die Taliban die Macht im Land übernommen haben.

Der Bund will vorerst «nur» die 230 Angehörigen der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in die Schweiz holen. Mehr Geflüchtete aus Afghanistan will die Landesregierung im Moment noch nicht aufnehmen.

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Blick auf die afghanisch-iranische Grenze in Herat im Jahr 2010.
Taliban Afghanistan Flüchtlinge Pakistan
Menschen laufen am 18. August 2021 durch den Sicherheitsbereich an der afghanisch-pakistanischen Grenze in Chaman.
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Kämpfer der Taliban patrouillieren mit einem Auto am 17. August 2021 durch Kandahar.
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Menschen versammeln sich am 17. August 2021 vor dem internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul, um vor den Taliban aus Afghanistan zu fliehen.
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Kämpfer der Taliban patrouillieren am 18. August 2021 durch Kabul.

Anders sieht es die SP: Sie fordert die Aufnahme von 10'000 Geflüchteten aus Afghanistan. Der Bundesrat könne einen Unterschied machen, indem er es wenigstens versucht, Leute zu retten, meint die linke Partei.

SEM-Direktor Mario Gattiker gibt der SP einen Korb

Eine Forderung, von der nicht nur andere Parteien nichts halten, sondern auch SEM-Direktor Mario Gattiker: «Das ist einfach nicht realistisch», sagt er im Video-Interview mit Nau.ch.

Mario Gattiker
Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, hält die Flüchtlings-Forderung der SP nicht als realistisch. - sda - KEYSTONE/PETER KLAUNZER

«Selbst wenn man das möchte, ist es zurzeit gar nicht möglich, so viele Menschen aus Afghanistan zu evakuieren.» Prioritär sei klar die Hilfe vor Ort: «Es gibt humanitäre Bedürfnisse von 500'000 Menschen, die intern in Afghanistan vertrieben worden sind. Dort muss der Fokus liegen», meint Gattiker.

Mario Gattiker: «Mehr liegt nicht drin»

Zudem sei es von oberster Priorität, diejenigen Personen in die Schweiz zu holen, die auch legal ausreisen können. Damit meint Gattiker die 230 Menschen, die vom Bund eine Anstellung haben.

«Mehr liegt einfach nicht drin», stellt der Asylchef klar. Vor allem nicht für gefährdete Personen, die von den Taliban verfolgt werden. «Wir können zurzeit sicher nicht mit den Behörden vor Ort verhandeln. Und genau das wäre ja für eine Evakuation der gefährdeten Personen die Voraussetzung», erklärt Gattiker.

Soll die Schweiz Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen?

Es brauche jetzt weder von der Schweiz, noch von anderen Ländern irgendwelche Alleingänge: «Der Hochkommissar für Flüchtlinge von den Vereinten Nationen erhebt die Bedürfnisse, welchen Menschen am dringendsten geholfen werden muss. Wenn eine solche Anfrage kommt, werden wir das prüfen.»

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