Alpen-Verkehr: Mehr Lärm, Dreck & Stau wegen LKWs befürchtet
Die gesetzlichen Vorgaben wurden auch 2025 nicht erreicht – doch nun drohe gar eine massive Verschlechterung bei den Verlagerungszielen, warnt Pro Alps.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Verlagerungsziel – von der Strasse auf die Schiene – wurde auch 2025 nicht erreicht.
- Die NGO Pro Alps befürchtet eine weitere Verschlechterung der Situation.
- Es drohten Zehntausende mehr LKWs auf Schweizer Strassen.
Die gesetzliche Vorgabe wäre eigentlich klar: Maximal 650'000 Lastwagen dürften jährlich die Schweizer Alpen queren.
Doch auch 2025 blieb das Theorie: «Mit den Zahlen von 2025 kommen wir sehr nahe an 1 Millionen LKW-Fahrten durch die Alpen pro Jahr. Das ist ein Rückschritt zu Zuständen wie vor 10 Jahren», sagt Nara Valsangiacomo, Präsidentin von Pro Alps (ehemals Alpeninitiative).
960'000 LKWs sind zwar etwa gleich viel wie im Vorjahr. Aber nun ist auch noch der Marktanteil der Bahn im alpenquerenden Güterverkehr rückläufig. Das Verdikt ist deshalb klar: «Die im Jahr 2025 beobachtete Entwicklung des alpenquerenden Güterverkehrs ist aus verlagerungspolitischer Sicht als dramatisch zu bezeichnen.»

Das sagen nicht etwa die Alpenschützer, sondern das Bundesamt für Verkehr in seinem Bericht. Gleichwohl betont Valsangiacomo: «Es ist eine Erfolgsgeschichte, denn wir haben einen Anteil von rund 70 Prozent auf der Schiene. Aber wir verlieren hier.»
Es drohen zehntausende LKWs mehr
Der Schienenanteil ist letztes Jahr auf 68,6 Prozent gefallen. Nun aber, betont Pro Alps, wurde per Ende 2025 auch noch die Rola, die «Rollende Landstrasse» eingestellt: Das Transport-System, bei dem ganze Lastwagen per Zug durch die Alpen transportiert werden.
Das werde zu einer massiven Rückverlagerung von zehntausenden Lastwagen auf die Strasse führen. Was wiederum bedeute: «Noch mehr Lärm, Dreck und Stau.»

Das Fazit von Nara Valsangiacomo lautet deshalb: «Es fahren immer mehr LKWs durch die Alpen und unsere Instrumente zur Verlagerung werden geschwächt.» Dazu zählt sie auch den Entscheid des Nationalrats vom vergangenen Montag. Dieser habe es verpasst, die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) in ihrer Verlagerungswirkung zu stärken.
Grundsätzliche Unterstützung im Parlament
Am kommenden Montag ist im Nationalrat die finanzielle Förderung des Kombinierten Verkehrs (KV) durch die Schweiz traktandiert. Der Vorstoss hat gute Chancen, die ablehnenden SVP-Vertreter sind in der Minderheit.
Doch genau das sei der Punkt, klagt Nara Valsangiacomo: «Es gibt eine grundsätzliche Unterstützung der Verlagerung, aber sie läuft nicht gut. Es gibt aktuell einen Kahlschlag. Wir brauchen einen Impuls, denn wir sehen, dass die Zahlen zurückgehen.»
Denn sonst, so die Befürchtung bei Pro Alps, bleibe es nicht bei Zehntausenden zusätzlichen LKWs auf Schweizer Strassen. Sondern Hunderttausenden zusätzlichen Transitlastwagen durch die Schweizer Alpen.












