Stau

Alpen-Verkehr: Mehr Lärm, Dreck & Stau wegen LKWs befürchtet

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Die gesetzlichen Vorgaben wurden auch 2025 nicht erreicht – doch nun drohe gar eine massive Verschlechterung bei den Verlagerungszielen, warnt Pro Alps.

Transitverkehr Lastwagen Gotthardtunnel
Der Transitverkehr mit Lastwagen und Reiseverkehr staut sich auf der Autobahn A2 vor dem Gotthardtunnel in Richtung Süden, am 28. Juni 2024. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verlagerungsziel – von der Strasse auf die Schiene – wurde auch 2025 nicht erreicht.
  • Die NGO Pro Alps befürchtet eine weitere Verschlechterung der Situation.
  • Es drohten Zehntausende mehr LKWs auf Schweizer Strassen.

Die gesetzliche Vorgabe wäre eigentlich klar: Maximal 650'000 Lastwagen dürften jährlich die Schweizer Alpen queren.

Doch auch 2025 blieb das Theorie: «Mit den Zahlen von 2025 kommen wir sehr nahe an 1 Millionen LKW-Fahrten durch die Alpen pro Jahr. Das ist ein Rückschritt zu Zuständen wie vor 10 Jahren», sagt Nara Valsangiacomo, Präsidentin von Pro Alps (ehemals Alpeninitiative).

960'000 LKWs sind zwar etwa gleich viel wie im Vorjahr. Aber nun ist auch noch der Marktanteil der Bahn im alpenquerenden Güterverkehr rückläufig. Das Verdikt ist deshalb klar: «Die im Jahr 2025 beobachtete Entwicklung des alpenquerenden Güterverkehrs ist aus verlagerungspolitischer Sicht als dramatisch zu bezeichnen.»

Nara Valsangiacomo Pro Alps
Nara Valsangiacomo ist Präsidentin von Pro Alps (vormals Alpeninitiative). - Screenshot proalps.ch

Das sagen nicht etwa die Alpenschützer, sondern das Bundesamt für Verkehr in seinem Bericht. Gleichwohl betont Valsangiacomo: «Es ist eine Erfolgsgeschichte, denn wir haben einen Anteil von rund 70 Prozent auf der Schiene. Aber wir verlieren hier.»

Es drohen zehntausende LKWs mehr

Der Schienenanteil ist letztes Jahr auf 68,6 Prozent gefallen. Nun aber, betont Pro Alps, wurde per Ende 2025 auch noch die Rola, die «Rollende Landstrasse» eingestellt: Das Transport-System, bei dem ganze Lastwagen per Zug durch die Alpen transportiert werden.

Das werde zu einer massiven Rückverlagerung von zehntausenden Lastwagen auf die Strasse führen. Was wiederum bedeute: «Noch mehr Lärm, Dreck und Stau.»

Rollende Landstrasse Rola
Eine Rollende Landstrasse (Rola) ist 2008 unterwegs auf der Strecke zwischen Deutschland und Italien in der Nähe von Gelterkinden BL. - keystone

Das Fazit von Nara Valsangiacomo lautet deshalb: «Es fahren immer mehr LKWs durch die Alpen und unsere Instrumente zur Verlagerung werden geschwächt.» Dazu zählt sie auch den Entscheid des Nationalrats vom vergangenen Montag. Dieser habe es verpasst, die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) in ihrer Verlagerungswirkung zu stärken.

Grundsätzliche Unterstützung im Parlament

Am kommenden Montag ist im Nationalrat die finanzielle Förderung des Kombinierten Verkehrs (KV) durch die Schweiz traktandiert. Der Vorstoss hat gute Chancen, die ablehnenden SVP-Vertreter sind in der Minderheit.

Doch genau das sei der Punkt, klagt Nara Valsangiacomo: «Es gibt eine grundsätzliche Unterstützung der Verlagerung, aber sie läuft nicht gut. Es gibt aktuell einen Kahlschlag. Wir brauchen einen Impuls, denn wir sehen, dass die Zahlen zurückgehen.»

Denn sonst, so die Befürchtung bei Pro Alps, bleibe es nicht bei Zehntausenden zusätzlichen LKWs auf Schweizer Strassen. Sondern Hunderttausenden zusätzlichen Transitlastwagen durch die Schweizer Alpen.

Kommentare

User #5173 (nicht angemeldet)

Seit über 30 Jahren wird die Alpeninitiative von den cH-Politikern mit Füssen getreten. Dies ist eine Schande für die Politiker. Aber die leben gut mit diesem und einigen weiteren Makel in ihrem Revier. Die Politik lacht über das Volk, weil eben dieses Volk nur am runden Wirtstisch wichtig tut und poltert. Ansonsten sagen genau diese Polteris zu allem JA was von Bern kommt. Und wer ist nun dümmer ?

User #2977 (nicht angemeldet)

Die SP glaubt, LKWs passen nicht mehr in die Zeit. Denn heute bestellt man ja online!

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