Warum selbst Amira Aly auf Betrüger reinfällt

    Chris Oeuvray
    Chris Oeuvray

    Region Zug,

    Viele Menschen denken insgeheim: «Mir würde das nie passieren.» Bis es passiert – und man selbst ein Betrugsopfer wird. Eine Kolumne von Chris Oeuvray.

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    Amira Aly spricht über einen Kreditkartenbetrug, auf den sie hereingefallen ist. - Instagram@amiraaly

    Das Wichtigste in Kürze

    • Chris Oeuvray ist psychologische Beraterin und Expertin für Narzissmus.
    • Auf Nau.ch schreibt Oeuvray regelmässig Kolumnen.
    • Heute schreibt sie über Betrugsfälle – und den Angriff auf unsere Emotionen.

    Moderatorin Amira Aly machte kürzlich öffentlich, dass sie beinahe Opfer einer perfiden Kreditkarten-Betrugsmasche geworden wäre.

    Eine täuschend echte SMS, ein angeblicher Bankmitarbeiter am Telefon und plötzlich ging es um fast 9500 Euro. Besonders ehrlich war dabei ein Satz von ihr: «Ich habe alles geglaubt, was der gesagt hat.»

    Wurdest du schon einmal Opfer von einem Kreditkartenbetrug?

    Genau das überrascht viele Menschen. Wie kann jemand, der intelligent, medienerfahren und reflektiert ist, auf so etwas hereinfallen? Die Antwort ist unbequem: Betrüger greifen nicht die Intelligenz an. Sie greifen unsere Emotionen an.

    Und genau deshalb trifft es oft sogar besonders kluge Menschen.

    Amira Aly
    Amira Aly ist die Ex-Frau von Oliver Pocher. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder. - Getty Images

    Trigger: Angst

    Angst ist einer der stärksten Mechanismen überhaupt. Sobald unser Gehirn Gefahr wahrnimmt, schaltet es auf schnellen Schutzmodus um. Logisches Denken wird dabei schwächer.

    Genau das passierte auch im Fall von Amira Aly. Mitten in der Nacht kam die Nachricht, dass fast 9500 Euro von ihrem Konto verschwinden könnten. Dazu der Druck: «Rufen Sie sofort an.» Die Täter erzeugten Stress, Zeitdruck und Kontrollverlust.

    Ein typisches Praxisbeispiel sieht so aus: Eine Frau sitzt abends auf dem Sofa und bekommt eine Nachricht ihrer «Bank». Ihr Konto sei gehackt worden. Wenn sie jetzt nichts tue, werde ihr Geld gesperrt. Sie spürt sofort Panik. Das Herz rast. Und genau in diesem Zustand ruft sie die Nummer an.

    Nicht zurückrufen

    Nicht weil sie dumm ist, sondern weil Angst Menschen handlungsfähig machen soll.

    Das Problem ist nur: Unter Angst treffen wir oft keine guten Entscheidungen mehr. Deshalb gilt bei Angst immer dieselbe Regel: niemals sofort reagieren. Nicht klicken. Nicht zurückrufen. Nicht diskutieren.

    Sobald Druck entsteht, sollte man bewusst langsamer werden. Handy weglegen. Tief durchatmen. Die echte Nummer der Bank selbst heraussuchen. Eine zweite Person einbeziehen. Genau das unterbrechen Betrüger nämlich gezielt: ruhiges Denken.

    Trigger: Sehnsucht

    Viele Betrugsmaschen funktionieren nicht über Angst, sondern über Hoffnung. Menschen sehnen sich nach Liebe, Anerkennung, Geld, Heilung oder einer zweiten Chance. Und genau dort setzen Täter an.

    Eine Frau lernt online einen charmanten Mann kennen. Er schreibt aufmerksam, interessiert und liebevoll. Nach Wochen entsteht Nähe. Irgendwann erzählt er von einem Problem. Sein Konto sei gesperrt. Er brauche kurzfristig Hilfe. Die Frau überweist Geld.

    Von aussen wirkt das absurd. Von innen fühlt es sich emotional echt an.

    Die Sehnsucht nach Verbindung macht blind für Warnsignale. Menschen glauben dann nicht mehr nur Fakten. Sie glauben das Gefühl.

    Genau deshalb sollte man misstrauisch werden, sobald etwas zu perfekt wirkt. Wenn jemand sehr schnell Nähe aufbaut, extrem verständnisvoll erscheint oder plötzlich Rettung, Liebe oder Reichtum verspricht, lohnt sich ein innerer Stopp.

    Der wichtigste Satz lautet dann: «Ich entscheide nichts, solange ich emotional aufgewühlt bin.» Und dann unbedingt einen Realitätscheck bei Freunden einfordern und gut zuhören, was sie sagen! Das verändert alles.

    Chris Oeuvray
    Chris Oeuvray ist Narzissmus-Expertin und schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen. - zvg

    Trigger: Autorität und Sicherheit

    Menschen vertrauen Autoritäten automatisch. Genau deshalb geben sich Betrüger häufig als Bankmitarbeiter, Polizisten, Ärzte oder Behörden aus.

    Sie sprechen ruhig. Sie benutzen Fachbegriffe. Sie wirken kompetent. Und plötzlich fühlt man sich klein und unsicher.

    Im Fall von Amira Aly erklärten die Täter ihr angeblich technische Zusammenhänge, sprachen von Hackerangriffen und Sicherheitsfonds und wirkten dadurch glaubwürdig.

    Ein typisches Beispiel: Ein Mann erhält einen Anruf von einem angeblichen Microsoft-Mitarbeiter. Dieser erklärt ihm ruhig, dass sein Computer gehackt worden sei. Gleichzeitig verwendet er Fachbegriffe, die der Mann nicht versteht. Aus Unsicherheit überlässt er dem Fremden den Zugriff auf seinen Computer.

    Es geht nicht um Dummheit

    Auch hier geht es nicht um Dummheit. Es geht um ein menschliches Grundmuster: Wer Sicherheit ausstrahlt, bekommt Vertrauen.

    Deshalb hilft ein einfacher Grundsatz: Echte Behörden oder Banken setzen Menschen nicht unter Druck.

    Wer Druck macht, droht oder schnelle Entscheidungen verlangt, verliert automatisch an Glaubwürdigkeit.

    Was grundsätzlich hilft, um bei sich zu bleiben

    Betrüger haben eines gemeinsam: Sie wollen Menschen aus ihrer inneren Stabilität bringen. Denn wer ruhig bleibt, denkt klarer.

    Deshalb ist Selbstvertrauen nicht nur emotional wichtig, sondern auch praktisch. Menschen, die gelernt haben, ihren eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen, sagen häufiger: «Moment. Ich prüfe das zuerst.» Genau diese kurze Unterbrechung verhindert den Schaden.

    Hilfreich ist ausserdem, wichtige Entscheidungen niemals unter Stress zu treffen. Wer Angst, Euphorie oder Druck spürt, sollte grundsätzlich langsamer werden. Eine Nacht darüber schlafen. Andere Menschen fragen. Fakten prüfen.

    Denn Betrug beginnt selten mit fehlender Intelligenz. Er beginnt meistens mit einem emotionalen Trigger.

    Chris Oeuvray
    Nau.ch-Kolumnistin Chris Oeuvray. - zVg

    Zur Person

    Chris Oeuvray ist Expertin für Narzissmus, psychologische Beraterin und Autorin («Du genügst», weitere Bücher auf ch-oeuvray.ch/buecher) aus Zug.

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    Kommentare

    User #4961 (nicht angemeldet)

    Volle Kanne rein gepumpt

    User #5783 (nicht angemeldet)

    Fortschritt ist Rückschritt und nun macht er unser Leben zur Hölle. Walle, walle ... wessen Geist ist rief. 🧙‍♂️

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