Tod

Tunng und der Tod: Sensible Songs über ein Tabu-Thema

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Grossbritannien,

Der Tod ist für viele ein Tabu-Thema. Wenn die Folkpop-Band Tunng dazu nun ein ganzes Album vorlegt, ist man zunächst skeptisch. Bis man hört, was die Briten aus ihrem gewagten Projekt gemacht haben.

Tunng haben ein ganzes Album über den Tod aufgenommen. Foto: Lilias Buchanan/dpa
Tunng haben ein ganzes Album über den Tod aufgenommen. Foto: Lilias Buchanan/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Sollte man sich das antun in diesen ohnehin tristen Wochen - ein fast 60-minütiges Album über den Tod? Im Falle von «Dead Club» (Full Time Hobby), dem neuen Werk der britischen Folktronica-Truppe Tunng, zahlt sich die vermeintliche Zumutung aus.

Die ersten drei Songtitel ««Eating The Dead», «Death Is The New Sex» und «SDC» (für «Swedish Death Cleaning») klingen makaber. Und man fragt sich schon ein bisschen, ob man darauf wirklich einsteigen muss. Doch dann umgarnen unweigerlich diese für Tunng typischen hübschen Melodien, zarte Piano- und Gitarrenklänge sowie sanfte, mehrstimmige Gesänge den Hörer, so dass er sich auf das schwierige Thema gern einlässt. Der Lohn ist eine Platte, die sich zum Glück weit entfernt hält von öder Trauerkloss-Musik.

Tunng, vor gut 15 Jahre als Projekt von Mike Lindsay und Sam Genders gegründet, haben seit ihrem Debütalbum «Mother's Daughter And Other Songs» (2005) einen originellen Stilmix aus Folk, Pop und Elektronik entwickelt. In den vergangenen Monaten widmete sich jedes Bandmitglied dem Tabu in vielen Facetten. Lindsay bilanziert: «Es ist nicht nur eine Platte, es ist eine Diskussion, eine Podcast-Serie, es ist Dichtung, Kurzgeschichten, eine Untersuchung.»

Das hört sich akademischer an, als die zwölf von Spoken-Word-Passagen unterbrochenen oder ergänzten, rund ums Klavier arrangierten Lieder tatsächlich klingen. «Dead Club» ist das bisher ambitionierteste und überraschenderweise auch zugänglichste Tunng-Album. Über die Inhalte hatten die sechs Bandmitglieder - Genders, Lindsay, Becky Jacobs, Ashley Bates, Phil Winter, Martin Smith - zuvor lange diskutiert.

Dass sie eine verhältnismässig grosse Band mit vielen verschiedenen Meinungen und Perspektiven sind, erwies sich dabei als hilfreich: «Wenn all diese Dinge zusammenkommen, wird es erst zu Tunng», sagt Genders. «Und weil der Tod als Gegenstand auf viele verschiedene Weisen so kraftvoll für die Menschen ist, haben wir auch darüber gesprochen, welche Themen in so einer Diskussion auftauchen könnten - und dass wir sensibel damit umgehen müssen.»

Dies ist den Engländern wirklich geglückt. «Dead Club» ist eine Platte voller Melancholie, Feingefühl und Wärme.

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