Wim Wenders

Nach Kinski-Kritik: Wim Wenders stellt Grundsatzfrage zum Filmerbe

Melsada Zec-Zejnic
Melsada Zec-Zejnic

Deutschland,

Eine Aussage von Wim Wenders beim Deutschen Filmpreis sorgt für Diskussionen. Der Regisseur sprach über die umstrittene Nacktszene mit Nastassja Kinski.

Wim Wenders
Wim Wenders sprach beim Deutschen Filmpreis über die Kontroverse um eine Szene aus seinem Film «Falsche Bewegung». (Archivbild) - keystone

Wim Wenders erhielt beim Deutschen Filmpreis in Berlin den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie, berichtet «NDR». Der 80-Jährige nutzte die Bühne für eine überraschende Beichte zu einer Szene aus seinem Film.

In «Falsche Bewegung» aus dem Jahr 1975 ist Nastassja Kinski als 13-Jährige mit nacktem Oberkörper zu sehen, wie «T-Online» schreibt. Die Schauspielerin möchte diese Szene aus dem Film entfernen lassen.

«Das würde ich heute nie mehr so machen», sagte Wim Wenders laut «Express» über die umstrittene Szene. Zugleich betonte er, seinem jüngeren Ich keine Vorwürfe machen zu wollen, da der Film aus einer anderen Zeit stamme.

«Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?»

Wenders nutzte die Bühne für eine grundsätzliche Frage, wie «NDR» berichtet, «wie geht man mit Filmerbe um». Er fragte, ob man eine Szene schneiden dürfe, wenn sie einer Schauspielerin wehtue.

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Wim Wenders räumte ein, die umstrittene Szene heute nicht mehr so drehen zu würden. (Archivbild) - keystone

«Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?», stellte der Regisseur die Frage vor rund 1.900 geladenen Gästen laut «Zeit». Er sei mit dieser Frage ziemlich allein und fügte hinzu: «Und ich bin auch ratlos».

Wenders sprach davon, dass er sich mit der Schauspielerin «die ich sehr verehrt habe und verehre» auseinandersetze, berichtet «Zeit». Zugleich warnte er vor nachträglichen Änderungen an Kunstwerken Jahrzehnte nach ihrer Entstehung.

Wim Wenders würde die Szene heute anders drehen

Wim Wenders machte laut «Tag24» deutlich, dass er die umstrittene Szene nicht nachträglich aus dem Film entfernen möchte. Über die Zukunft des Films wolle er nicht allein entscheiden, sondern die Diskussion auch der Deutschen Filmakademie überlassen.

Wenders räumte laut «Tagesspiegel» ein, dass er die umstrittene Szene heute nicht mehr so drehen würde. Zugleich sprach er sich für eine Diskussion über den Umgang mit dem Film innerhalb der Deutschen Filmakademie aus.

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Nastassja Kinski (rechts vorne) als 15-Jährige im «Tatort» «Reifezeugnis» von 1977. - keystone

Fast zehn Minuten sprach der Regisseur über sein Werk und den Streit mit Nastassja Kinski. «Tag24» kritisiert die damalige Darstellung der 13-jährigen Schauspielerin und bezeichnet sie aus heutiger Sicht als problematisch.

Entfernung der Szene könnte vor Gericht landen

Die Szene aus dem Film zeigt das Mädchen vor einem erwachsenen Mann ihren Oberkörper entblössend, schildert «Tag24». In dieser Szene wird sie zudem geschlagen.

Die Schauspielerin sagte kürzlich der «Süddeutschen Zeitung»: «Mit 13 merkte ich bereits, dass das nicht in Ordnung war.» Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, die umstrittene Szene aus dem Film entfernen zu lassen, berichtet «Zeit».

Sollte eine Schauspielerin die Entfernung einer belastenden Filmszene verlangen können?

Der Anwalt der Schauspielerin, Christian Schertz, droht mit rechtlichen Schritten, falls die Szene nicht entfernt wird. Nach Angaben von Nastassja Kinski läuft das entsprechende Ultimatum für Wim Wenders noch in dieser Woche ab, berichtet die «Rundschau».

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Kommentare

User #5085 (nicht angemeldet)

Die Revolution frisst ihre Kinder. Gerade Deutsche Film- und Erinnerungskultur zensierte und entfernte alles Missliebige.

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