Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind zumeist als Unterhaltungskünstler im Fernsehen zu sehen. In einem neuen Interview schlagen sie nun jedoch ernste Töne an und erklären: «Es ist nicht die Zeit, nicht politisch zu sein.»
Joko Winterscheidt (l.) und Klaas Heufer-Umlauf im November 2021 in der Sendung «Wetten, dass..?».
Joko Winterscheidt (l.) und Klaas Heufer-Umlauf im November 2021 in der Sendung «Wetten, dass..?». - imago images/Future Image

Mit ihren Unterhaltungssendungen begeistern Joko Winterscheidt (42) und Klaas Heufer-Umlauf (38) regelmässig das TV-Publikum. Dass sie auch ernste Töne anschlagen können, bewiesen sie bereits mehrmals in ihrer gewonnenen Sendezeit bei ProSieben mit dem Titel «15 Minuten Live». In einem neuen Interview mit dem «Spiegel» schlägt das Duo nun erneut ernste Töne an.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf erreichen «als Spassbolde vom Dienst» sonst unerreichbare Zielgruppen

«Es ist nicht die Zeit, nicht politisch zu sein», antwortet der 42-jährige Joko Winterscheidt auf die Frage, was ihn und Klaas Heufer-Umlauf 2015 dazu bewog, sich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise zum ersten Mal politisch zu äussern. Beide Moderatoren hätten «das Gefühl» gehabt, «dass wir als die Spassbolde vom Dienst Leute erreichen, die sonst nicht erreicht werden». Winterscheidt wundere sich zudem, warum «so wenig andere aus der Branche den Mund auf» machten. «Kostet nichts, ausser vielleicht ein paar wenige Leute zu verlieren, auf die man sowieso keinen Wert legen sollte.»

Die veränderte Nutzung der in der abendfüllenden Show «Joko & Klaas gegen ProSieben» gewonnenen 15 Minuten PrimeTime-Sendezeit erklärt der gebürtige Mönchengladbacher damit, dass «sich da all diese dringlichen Themen» vorgeschoben hätten. Am Anfang sei es «um dieses Anarcho-Ding» gegangen, «darum, die geilste Zeitverschwendung zu finden». Später seien er und Klaas schlichtweg «einer inneren Notwendigkeit» gefolgt.

Moderatoren-Duo setzt auf «Re-Emotionalisierung»

Co-Moderator Heufer-Umlauf betont, es gehe bei vielen der Beiträge des Formats, wie dem, der das Elend im griechischen Flüchtlingslager Moria thematisierte, um «Re-Emotionalisierung». «Es geht darum, einen Zugang zu schaffen», sagt der 38-Jährige. «Manchmal scheinen Katastrophen so schwer zu bewältigen, dass man einen Verdrängungsmechanismus entwickelt.» Das Versachlichen von schrecklichen Dingen passiere automatisch, man bringe damit «eine Ebene zwischen uns und den Schrecken». Er und Winterscheidt wollten «zurückführen an das, was menschlich in uns ist. Um das Gefühl, das ich hätte, wenn ich persönlich involviert wäre.»

Mit Aktivismus habe das alles allerdings nichts zu tun. «Wir sagen ja ausser beim Impfen nicht, was die Leute tun sollen», erläutert der TV-Star aus Oldenburg weiter. Man fordere dazu «auf, darüber nachzudenken, in welcher Welt» ein jeder leben wolle. Es seien schlicht zwei verschiedene Dinge, «Europa-Hoodies zu tragen» und «wirklich zu wissen, für welche Werte Europa wieder stehen sollte, und dafür zu kämpfen». «Unsere Generation muss das erst lernen.»

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