Anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers, werden im Kunstmuseum – auch unveröffentlichte – Fotografien und Porträts Ernst Scheideggers ausgestellt.
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Das Kunstmuseum der italienischen Schweiz in Lugano zeigt bisher unveröffentlichte Aufnahmen Ernst Scheideggers aus dem Verzascatal. - sda - Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich

Cuno Amiet, Fernand Léger, Alberto Giacometti: Sie alle hat der wohl bedeutendste Schweizer Fotograf des 20. Jahrhunderts mit seiner Kamera einst festgehalten. Jetzt widmet das Kunstmuseum Lugano Ernst Scheidegger eine Hommage.

Es ist ein untypisches Bild: Steile schneebedeckte Hänge, eine Kirche, die fast verschwindet im Winterkleid. Kein Mensch, kein Tier weit und breit. Das Verzascatal. Berühmt geworden ist Ernst Scheidegger aber nicht wegen seiner Landschaftsfotografie, sondern für seine zahlreichen Künstlerporträts.

Kunsthaus Zürich stellt Portäts als Leihgaben

Viele von ihnen entstanden ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahren im Auftrag von Zeitschriften wie «Du». Darunter Max Bill, wie er mit einer Leiter seine Skulptur erklimmt, oder sein enger Freund Alberto Giacometti.

Manchen Aufnahmen stellt das Kuratorenteam Tobia Bezzola und Taisse Grandi Venturi Werke der porträtierten Künstler gegenüber. Die meisten von ihnen sind Leihgaben aus dem Kunsthaus Zürich. Durch diesen Kniff entstehe eine Art Dialog zwischen dem Fotografen Scheidegger und den von ihm dargestellten Künstlern, erklärte Grandi Venturi an der Medienkonferenz in Lugano.

«Auge in Auge»: Sieben unveröffentlichte Fotografien

Die Schau, die im Herbst anlässlich des 100. Geburtstags des Fotografen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv bereits im Kunsthaus Zürich zu sehen war, heisst deshalb in Lugano «Faccia a faccia» – «Auge in Auge».

Neben den bisher unveröffentlichten sieben Fotografien aus dem Verzascatal falle die Bildauswahl auch sonst etwas anders aus als in Zürich, sagte Direktor und Co-Kurator Bezzola. Insgesamt ist die Ausstellung mit 100 Aufnahmen auch umfassender als in der Limmatstadt. Die meisten stammen aus den Jahren 1945 bis 1955.

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Journalist Arnold Hottinger (links) spricht mit Ernst Scheidegger im Landesmuseum in Zürich, 2013. (Archivbild) - keystone

Bereits in dieser frühen Schaffensphase zeigt sich Scheideggers Interesse am Menschen. Der Fotograf, der für die Agentur «Magnum» fotografierte, dokumentierte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Erschöpfung und den Lebenshunger der Europäer. Sichtbar wird dies in «Marsch der Heilsarmee», einem Bild, das einen älteren Mann fast ohne Zähne und mit zweifelndem Blick zeigt.

Ernst Scheidegger gilt als äusserst facettenreiche Persönlichkeit. Neben dem Fotografieren war er auch als Grafiker und Filmemacher tätig, später wurde er Galerist und Verleger.

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