Ein Album mit sehr unterschiedlichen Sängern - bei dennoch homogenem Sound: Das Duo-Projekt Lost Horizons hat einiges gewagt. Kein Wunder, dahinter steckt ein bewährter Indiepop-Maestro.
Melancholie durchzieht «In Quiet Moments» von Lost Horizons. Foto: Bella Union/Pias/dpa
Melancholie durchzieht «In Quiet Moments» von Lost Horizons. Foto: Bella Union/Pias/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Er war eine der prägenden Figuren im Postpunk und Art-Pop der 1980er, ist seit langem als Label-Betreiber erfolgreich und nicht zuletzt immer noch ein ambitionierter Musiker.

In dieser Funktion hat Simon Raymonde nun mit seinem Duo-Projekt Lost Horizons eine Art «Opus magnum» vorgelegt.

Da der Bassist und Keyboarder der legendären Cocteau Twins und Chef der Indie-Plattenfirma Bella Union selbst kein begnadeter Frontmann ist, suchten sich Raymonde und sein Lost-Horizons-Partner, der Schlagzeuger Richie Thomas, illustre Gastsänger zusammen. Angesichts der guten Vernetzung aus vier Jahrzehnten im Business und seines exquisiten Geschmacks fiel es dem 58-jährigen Briten nicht schwer, erstklassige Mitstreiter für das Album «In Quiet Moments» zu gewinnen.

Raymonde, 1962 in Lewisham bei London geboren, wurde bekannt mit den verschroben-kunstvollen Liedern der Cocteau Twins, denen er zusammen mit Robin Guthrie und Elizabeth Frazer von 1983 bis 1997 angehörte. Der Sound dieses Trios ist bei Lost Horizons ebenso herauszuhören wie das Künstler-Portfolio von Bella Union, das hier mehrere Sänger zur Verfügung stellt.

16 Stücke sind auf «In Quiet Moments» zu hören, meist tatsächlich passgenau für ruhige Momente. Ein bisschen kürzer als 73 Minuten hätte das Album durchaus sein dürfen, nicht jeder Song ist ein Volltreffer. Aber das Konzept, hier mit unterschiedlichen Stimmen eine überwiegend melancholische Grundstimmung zu bedienen, geht insgesamt auf.

Die Höhepunkte der Platte liegen in der Mitte und der zweiten Hälfte: «Cordelia» mit dem monumentalen Bariton von John Grant, der Titelsong «In Quiet Moments» (Ural Thomas), «Circle» (C. Duncan), die Soul-Balladen «Unravelling In Slow Motion» (mit Ren Harvieu, einer der grossen Entdeckungen) und «Blue Soul» (Laura Groves), Rosie Blairs Vokalakrobatik auf «Flutter». Stärker noch als auf dem Lost-Horizons-Vorgänger «Ojalá» (2017) ergibt sich hier eine Vielfalt und Bandbreite an Stimmen, hinter die Mastermind Simon Raymonde fast ein wenig zurücktritt.

«Das Wichtigste ist, sein eigenes Ding zu machen - und Spass zu haben», sagt der Indiepop-Veteran etwas überraschend zu den oft schwermütig-romantischen Liedern. «Vielleicht geht es beim nächsten Album um Rebellion. Aber die Strasse ist lang und gewunden.» Die Artpop-Fans sind gespannt.