Die Addams Family gruselt wieder. Diesmal verbreitet sie ihre Düsternis nicht nur rund um ihre schaurige Familienvilla. Mit ihrem Roadtrip wollen die Addams vor allem selbst einem Grusel beikommen: der Pubertät.
Morticia Addams (l) und Gomez Addams mit Familie unterwegs. Foto: -/Metro Goldwyn Mayer Pictures/dpa
Morticia Addams (l) und Gomez Addams mit Familie unterwegs. Foto: -/Metro Goldwyn Mayer Pictures/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Pubertät ist für viele Familien eine Zerreissprobe - das gilt auch für die düster-unheimliche Addams-Sippe.

Die melancholische Wednesday hadert mit ihrer Familie und will am liebsten alle(s) hinter sich lassen; ihr tollpatschiger Bruder Pugsley fühlt sich zu Mädchen hingezogen, doch erntet nur Hohn und Spott. Was tun gute Eltern in so einer Situation? Sie unternehmen einen Familien-Roadtrip im Wohnmobil, um sich mal so richtig viel Zeit füreinander zu nehmen! Ob das gut gehen kann?

Die Antwort gibt der Animationsfilm «Die Addams Family 2», der am Donnerstag (18. November) in die deutschen Kinos kommt - und damit fast drei Wochen nach Halloween, also eigentlich etwas spät. Doch das Timing des Films hierzulande (in den USA lief der Film bereits im Oktober) ist nicht das grösste Problem der Produktion, sondern die unentschiedene Storyline. Anders als im ersten Teil vor zwei Jahren, in dem die gelungene Hauptstory das Miteinander von «Monstern» und «Normalos» war, versuchen die Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan diesmal zu viel in die Fortsetzung zu packen.

Neben der pubertären Familienwirrnisse gibt es viele Stränge, die sich leicht verheddern: Wednesday hat erfolgreich mit der Übertragung der Persönlichkeit eines hyper-intelligenten Oktopus auf ihren simplen Onkel Fester experimentiert, weshalb sich Fester nach und nach verwandelt. Gleichzeitig will der skrupellose Wissenschaftler Cyrus Strange wegen dieses gelungenen Experiments Wednesday mit einer fiesen Lüge auf seine Seite ziehen. Pugsley wiederum scheitert grandios mit Onkel Festers Flirt-Tipps. Vetter It jettet als Pop-Megastar durch die Welt. Und Oma Addams veranstaltet in der gruseligen Familienvilla eine Mega-Sause für das Partyvolk. Weniger Masse und dafür Konzentration auf das Wesentliche wären hier vermutlich besser gewesen.

Diese Schwäche in der Drehbuchvorlage zumindest fällt erwachsenen Zuschauern bei der Animations-Wiederauflage des über 80 Jahre alten Addams-Family-Stoffes auf. Kinder hingegen dürften sicher wieder ihren Spass haben an den weiterhin sehr komischen und abstrusen Figuren, an derben Spässen und rasanten Verfolgungsjagden quer durch Amerika. Und auch Erwachsene können sich an witzigen Sprüchen und Szenerien erfreuen. Running Gags wie ein immer wieder durch die Addams vermasselter Heiratsantrag, die Sprengung des «gar nicht mal so grossen» Grand Canyon oder der Check-in der Addams im «AlaMotel» statt im historischen «Alamo» sorgen immer wieder für Lacher. Auch das eiskalte Händchen als Familien-Chauffeur, das genauso unter Sekundenschlaf leidet wie echte Menschen, ist eine nette Idee.

Zudem sind die Figuren wieder sehr plastisch animiert und liebevoll-schräg gezeichnet. Auch die heissblütige Liebe des ungleichen Ehepaars Morticia und Gomez Addams wird schön zelebriert. Wenn man also über die Schwächen in der Storyführung hinwegsehen kann, hat man mit den Addams und dem Nachwuchs im Grundschulalter durchaus eineinhalb vergnügliche Kinostunden.

- Die Addams Family 2, USA 2021, 93 Min., FSK ab 6 Jahren, von Conrad Vernon und Greg Tiernan, mit den deutschen Stimmen von Luisa Wietzorek, Oliver Szerkus, Katrin Fröhlich, Alexander Doerin.

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