Drei junge Menschen versuchen, im modernen Südkorea ihren Platz zu finden. Kino aus Asien mit einem Star aus der Serie «Walking Dead».
Ein Abend auf dem Land: Jongsu (Yoo Ah-in), Haemie Jeon Jong-seo) und Ben (Steve Yeun). Foto: Capelight Pictures/Arte/dpa
Ein Abend auf dem Land: Jongsu (Yoo Ah-in), Haemie Jeon Jong-seo) und Ben (Steve Yeun). Foto: Capelight Pictures/Arte/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Manchmal, da gibt es in einem Film diesen besonderen Moment, der Jahre im Gedächtnis bleiben wird.

Das südkoreanische Drama «Burning» - am Montag ab 22.05 Uhr auf Arte zu sehen - hat genau nach der Hälfte solch einen Augenblick: als Hauptfigur Haemi im untergehenden Sonnenlicht vor dem Häuschen ihres Freundes Jongsu steht, so nah an der Grenze zu Nordkorea, dass schon die geplärrten Ansagen der Propaganda-Lautsprecher herüberdringen.

Haemi hebt die Arme und beginnt, nackt im Gegenlicht zu tanzen, nur ihre dunkle Silhouette bewegt sich. Ausbruch und Sehnsucht stecken in ihren Bewegungen, all die Energie Anfang Zwanzig, die sich ihren Weg bahnen muss und die doch schon ahnt, dass gesellschaftliche Zwänge die eigenen Träume möglicherweise zerstören.

Eine Frau, zwei Männer

Doch nicht nur der etwas ungelenke Jongsu betrachtet diesen Tanz, sondern auch Ben, sein Widersacher im Kampf um Haemi: reicher, besser aussehend und deutlich selbstbewusster. Dieser Tanz ist ein stiller Höhepunkt in einem ungewöhnlichen Film über unseren Wunsch zu gefallen, über den Umgang mit dem Begehren und der Wut.

Zu Beginn von Lee Chang-Dongs auf vielen Festivals ausgezeichnetem Film irrt Jongsu als Lieferjunge durch die Strassen Seouls, wo er schliesslich vor einer Ladenzeile an einem Mädchen vorbeikommt, das Lose an Passanten verkauft. Sie stellt sich ihm als seine Grundschulfreundin Haemi vor und die beiden verbringen ein mühsames Date miteinander, an dessen Ende sie ihn aber bittet, ihre Katze zu füttern, während sie durch Afrika reist.

Ein «Gatsby» aus Südkorea

Der erfolglose Jungautor willigt ein und verbringt in ihrer Abwesenheit einige Zeit in Haemis Wohnung. Als er sie schliesslich nach Wochen am Flughafen abholt, ist da plötzlich ein anderer Mann: Ben, von «Walking Dead»-Star Steven Yeun herausragend zwischen charmant und sinister angelegt. Er ist ein reicher, westlich angehauchter Erbe mit edlem Apartment und dickem Porsche, ein «Gatsby» aus Südkorea, wie Jongsu trocken kommentiert.

Die entstehende Dreiecksbeziehung ist angemessen unangenehm und gerät spätestens dann aus dem Gleichgewicht, als nach dem Besuch in Jongsus heruntergekommenem Haus im Niemandsland Haemi plötzlich verschwindet.

Bis kurz vor ihrem konventionellen Ende widersteht die langsam erzählte Geschichte vielen eingeübten Sehgewohnheiten. Eine grosse Stärke des Films ist es, dass er vieles im Ungefähren lässt: Ist Haemi wirklich eine alte Freundin? Und gibt es ihre Katze wirklich?

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