Viel wurde schon über die schwierigen Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten geschrieben. Das Erste erzählt davon im Film «Geliefert». In der Hauptrolle: Bjarne Mädel, der seine Sache ganz hervorragend macht.
Benny (Nick J. Schuck, l) ist wütend, da sein Vater Volker (Bjarne Mädel) ihn vor seinen Freunden blamiert hat. Foto: Jürgen Olczyk/ARTE/BR/TV60 Filmproduktion/ARD /dpa
Benny (Nick J. Schuck, l) ist wütend, da sein Vater Volker (Bjarne Mädel) ihn vor seinen Freunden blamiert hat. Foto: Jürgen Olczyk/ARTE/BR/TV60 Filmproduktion/ARD /dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein paar Klicks, und schon ist die begehrte Ware im Internet bestellt, vom Sofa aus.

Schöne, bequeme Welt - allerdings nicht für die, die das Bestellte liefern müssen.

Unter welchem Druck Paketboten stehen, zeigt der Film «Geliefert» am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten. Bjarne Mädel spielt den alleinerziehenden Volker aus dem Raum Regensburg, der beim Paketdienst knechtet und trotzdem kaum über die Runden kommt. Dabei möchte er seinem Sohn so gern ein halbwegs normales Leben bieten. Von einem illegalen Nebenjob erhofft sich Volker das dringend benötigte Geld, doch plötzlich wird alles nur noch schlimmer.

«Geliefert» von Jan Fehse ist ein einfühlsames und berührendes Drama mit hervorragenden Dialogen und viel Wortwitz. Es offenbart die Schattenseiten des Wohlstandes und zeigt eine Welt, in der 60 Euro nicht einfach mal so locker ausgegeben werden, etwa für ein Abendessen mit Freunden. Für Volker ist das viel Geld - ein Batzen auf dem Weg zu den 350 Euro, mit denen er seinem Sohn Benny gern die Schul-Abschlussfahrt ermöglichen würde.

Mädel erweist sich wieder einmal als grossartiger Charakterdarsteller. Sein Volker ist einer, der gewohnt ist, zu kämpfen und den Dingen gern mit Humor begegnet, der aber auch schon viele Rückschläge einstecken musste. Dass er nun am Ende seiner Nerven und seiner Kräfte ist, sagt viel darüber aus, wie schlimm seine Situation ist. 12, 13 Stunden schuften am Tag und trotzdem kaum Geld für Miete, Essen, Lebensunterhalt.

«Geliefert» zeigt diese Realität ungeschönt: Wenn Volker sich mal wieder mit einem schweren Paket Treppe um Treppe nach oben müht und der ganze Körper schmerzt. Wenn der Lieferwagen so vollgestopft ist mit Paketen, dass keine Zeit bleibt, eine Pause zu machen, geschweige denn, auf die Toilette zu gehen. Und wenn sein Chef die Fahrer auf ihren Touren immer im Blick hat und zynisch anmerkt: «Die Stasi wäre stolz auf uns gewesen.» Ist es da verwerflich, sich auf einen illegalen Zweitjob einzulassen? Eine Frage, die auch Volker so umtreibt, dass sich seine gute Freundin Lena (Anne Schäfer) bald grosse Sorgen um ihn macht.

Mädel kennt sich mit der Branche aus. Als Student jobbte er als Paketbote. «Eine ziemliche Buckelei und ein anstrengender Job», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Die Sachen, die man bestellt und dann nicht selber schleppen muss, die gehen dann eben auf irgendeinen anderen Rücken. Ich finde gut, dass einem das bewusst gemacht wird.»

Doch in «Geliefert» geht es nicht nur ums Schuften. Der Film hat auch eine starke emotionale Ebene, vor allem in der Beziehung zwischen Volker und seinem Sohn, glänzend gespielt von Nick Julius Schuck. Einzige Verbindung ist der Fussballverein SpVgg Lappersdorf: Volker trainiert, Benny spielt. Ansonsten herrscht Schweigen, findet der Pubertierende seinen Vater doch nur peinlich. Eine schwierige Lage, die der Film schildert, ohne zu moralisieren. Stattdessen überzeugt er mit einem Gespür für leise Töne und sogar Optimismus. Denn eigentlich haben Volker und Benny verborgen unter all dem Ärger und Stress eine grosse Sehnsucht: Nach Anerkennung und nach Liebe.

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