Asap Rocky: Weisses Haus schickt Experten für Geiselnahmen

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Schweden,

Der Fall des Rappers Asap Rocky hat für US-Präsident Donald Trump offenbar immer noch hohe Priorität. Zum Prozess in Stockholm schickte er einen Experten für Geiselnahmen. Die Schweden wundern sich: «Scherzt er mit uns?»

A$AP Rocky ist auf der Gerichtszeichnung mit einem grünen Shirt abgebildet. Foto: Anna Harvard/TT NEWS AGENCY
A$AP Rocky ist auf der Gerichtszeichnung mit einem grünen Shirt abgebildet. Foto: Anna Harvard/TT NEWS AGENCY - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Fall des inhaftierten amerikanischen Rappers Asap Rocky hat die US-Regierung einen ranghohen Diplomaten nach Schweden geschickt.

«Ich bin auf Wunsch des Präsidenten hier, um die amerikanischen Bürger zu unterstützen», sagte Robert O'Brien der schwedischen Zeitung «Expressen» am Ende des ersten Verhandlungstages in Stockholm am Dienstag. Botschafter O'Brien ist Sondergesandter des US-Präsidenten für Geiselnahmen, wie es auf der Website des Aussenministeriums heisst.

Rakim Mayers, alias Asap Rocky, und zwei seiner Begleiter müssen sich zurzeit vor dem Stockholmer Bezirksgericht wegen Körperverletzung verantworten. Sie sollen einen 19-Jährigen brutal zusammengeschlagen haben. Die drei Amerikaner sprechen von Notwehr. US-Präsident Donald Trump hatte sich für die Freilassung des Rappers eingesetzt und dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven vorgeworfen, die afroamerikanische Gesellschaft in den USA im Stich zu lassen.

Eine Sprecherin des Aussenministeriums in Washington bestätigte, dass Robert O'Brien im Auftrag des Weissen Hauses in Stockholm sei, nannte aber keine Einzelheiten zu seiner Mission. Die Unterstützung im Ausland festgenommener US-Bürger sei «eine der wichtigsten Aufgaben des Aussenministeriums und der US-Botschaften im Ausland», erklärte sie.

Dass das Weisse Haus einen so hochrangigen Diplomaten nach Schweden geschickt hat, sorgt in dem skandinavischen Land für Verwunderung. In einem Kommentar auf der Website des Schwedischen Fernsehens SVT hiess es am Mittwoch: «Was treibt Donald Trump da? Scherzt er mit uns? Steckt dahinter die Absicht, dass O'Brien Rocky und seine Freunde aus der Körperverletzungsanklage herausverhandelt?» Donald Trump habe die Welt dazu gebracht, sich zumindest zu fragen, ob ein Verfahren wegen Körperverletzung vor dem Stockholmer Bezirksgericht tatsächlich eine Geiselnahme ist.

Merrick Tabor, Politikwissenschaftler an der Uni Stockholm, meint, Trump habe wahrscheinlich nicht wirklich Interesse an dem Schicksal von Asap Rocky. «Trump nutzt den Fall aus innenpolitischen Gründen.» In den letzten Monaten sei der amerikanische Präsident immer wieder Rassismusvorwürfen ausgesetzt gewesen. Dass er sich nun für den Musiker einsetze, sei ein Versuch, sein Image bei den Afroamerikanern zu verbessern. Dass er mit Robert O'Brien einen so hochkarätigen Diplomaten nach Stockholm geschickt habe, sei symbolisch. «Ich glaube, O’Brien versteht die Situation. Deshalb kommentiert er den Fall auch nicht.»

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven hatte die telefonische Bitte Trumps, auf den Prozess gegen den Rapper einzuwirken, brüsk abgelehnt. «Ich war sehr deutlich, dass das schwedische Justizsystem nicht verhandelbar ist - egal wer anruft oder twittert», sagte Löfven im Interview der Zeitung «Allehanda».

Doch die Konfrontation lässt die Schweden nicht kalt. Nach der scharfen Kritik Trumps an Löfvens «Handlungsunfähigkeit» brach die schwedische Botschafterin ihren Urlaub ab und reiste zurück nach Washington, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten erklärte sie das schwedische Rechtssystem und dass eine Freilassung auf Kaution rechtlich nicht vorgesehen ist. Löfven meint, dass das Treffen erfolgreich war und Kritiker dazu gebracht hat, ihre Meinung zu ändern.  

Politikwissenschaftler Tabor glaubt, die Empörung einiger Amerikaner über das schwedische Rechtssystem liege daran, dass einige nicht wüssten, dass die Systeme unterschiedlich seien. In Schweden könne die Untersuchungshaft während der Ermittlungen sehr viel länger dauern als in den USA. Ausserdem gebe es kein Kautionssystem, weil in Schweden die Ansicht herrsche, das bevorzuge reiche Menschen.

Das Verfahren gegen die drei Männer, die seit dem 3. Juli in Untersuchungshaft sitzen, wird am Donnerstag und Freitag fortgesetzt.

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