SRF: Peter Düggeli spricht über Tod seiner Ehefrau
«Sogar auf dem Sterbebett gab es lustige Momente»: Der Tod seiner Frau hat SRF-Journalist Peter Düggeli gelehrt, bewusster zu leben.

Das Wichtigste in Kürze
- SRF-Mann Peter Düggeli (56) spricht offen über den Tod seiner Frau Jolanda.
- Trotz seiner Trauer kann er lachen und das Leben mit seinen beiden Söhnen geniessen.
- Der Verlust hat ihn gelehrt, bewusster zu leben – auch wenn ihm seine Frau im Alltag sehr fehlt.
«Ich lebe schon sehr viel bewusster», sagt Peter Düggeli (56).
Denn so abgedroschen es klinge: «Es kann in 30 Sekunden alles zu Ende sein.» Der Tod seiner Frau Jolanda hat dem «Club»-Moderator vor Augen geführt, wie kostbar das Leben ist.
Im SRF-Podcast «Focus» spricht der frühere USA-Korrespondent mit Moderatorin Judith Wernli offen über den Verlust seiner Frau. Und über etwas, das viele nicht mit dem Sterben verbinden: gemeinsames Lachen.

Kennengelernt haben sich Düggeli und Jolanda im Unihockey-Umfeld. Düggeli war Nati-Trainer und holte 2008 mit seinem Team WM-Bronze in Prag.
Schon beim ersten Treffen gefiel ihm Jolandas Interesse an der Welt und der Politik. «Das hat mich von der ersten Sekunde an fasziniert.»
Schocknachricht
2015 zog die Familie mit den beiden damals zwei und vier Jahre alten Söhnen nach Washington (USA). Jolanda hatte ihren Mann ermutigt, die Stelle als USA-Korrespondent anzunehmen. Fünfeinhalb glückliche Jahre später kam Anfang Januar 2021 der Schock: Jolanda hatte 15 Metastasen im Kopf.
Während Düggeli beruflich mitten im politischen Geschehen rund um den Sturm aufs Kapitol steckte, lag seine Frau schwerkrank im Spital. Wegen Corona konnte die Familie kaum auf Unterstützung aus der Heimat zählen. Ein Zürcher Onkologe riet ihm, zurück in die Schweiz zu kommen. «Hals über Kopf» verliess die Familie Washington.

Was Düggeli in dieser Zeit besonders beeindruckte, war Jolandas Haltung. «Sie hat es einfach ertragen.» Sie habe sich nie beklagt und nie gefragt: «Warum ich?»
Als rationaler Mensch habe sie die Krankheit angenommen.
Lachen trotz des Abschieds
«Sogar auf dem Sterbebett gab es lustige Momente», erzählt Düggeli. Dass er trotz des bevorstehenden Abschieds lachen konnte, hätten manche offenbar nicht verstanden. Sie hätten wohl erwartet, dass er anders trauere.
Doch für ihn schliessen sich Trauer und Lebensfreude nicht aus. Der Schmerz komme in Wellen, manchmal nur für wenige Sekunden, dann aber mit voller Wucht.

Düggeli wünscht sich deshalb einen offeneren Umgang mit dem Tod. Viele Menschen hätten Hemmungen, Hinterbliebene darauf anzusprechen. Dabei könne man sie ganz normal fragen, wie es ihnen gehe – ohne übertriebenes Mitleid. Der Tod sei schliesslich Teil des Lebens.
Gemeinsames «Zähneputzen» fehlt
Besonders schmerzlich vermisst Düggeli die kleinen Momente mit Jolanda: das gemeinsame «Zähneputzen» und die Gespräche nach dem Abendessen. Und den Menschen, mit dem er selbstverständliche Entscheidungen teilen konnte.
Heute muss er vieles allein entscheiden. Von der Frage, ob der jüngere Sohn eine Zahnspange braucht, bis hin zum Abendessen.

Trotz Unterstützung durch Familie und Freunde sei er mit den Entscheidungen allein. «Und das bist du nicht, wenn du eine Frau wie Jolanda hast», so Düggeli im Podcast.
Seine beiden Söhne hätten ihm durch die schwere Zeit geholfen. Nach Jolandas Tod seien die drei zu einer «eingeschworenen Dreiergruppe» zusammengewachsen. Gleichzeitig habe er akzeptieren müssen, dass er die Mutter seiner Kinder nicht ersetzen könne. Man könne nicht allem gerecht werden.
«Unverbesserlicher Optimismus»
Heute sind seine Söhne Teenager. Trotz der grossen Freude am gemeinsamen Leben bleibt der Verlust spürbar. Düggeli hilft sein «unverbesserlicher Optimismus» – und die Gewissheit, dass das Leben weitergeht.
Der Tod seiner Frau hat seinen Blick auf das Leben verändert. Er lebe bewusster und schätze die gemeinsame Zeit mit seinen Söhnen umso mehr. Und auch nach vier Jahren darf die Trauer bleiben. Denn so schmerzhaft die Erinnerung sein kann, so schön ist es für Düggeli, an Jolanda zurückzudenken.











