Graubünden

    Beautysalon stellt Influencer Steve Merson an den Pranger

    Luca Micheli
    Luca Micheli

    Chur,

    Steve Merson will für eine Kooperation mit einem Beautysalon Gratisbehandlungen. Jetzt nimmt die Inhaberin Stellung zur Anfrage des Influencers.

    Steve Merson
    Eine Kooperationsanfrage von Steve Merson bei einem Churer Beautysalon sorgt für Diskussionen. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Steve Merson fordert für eine Kooperation mit einem Beautysalon kostenlose Anti-Aging-Behandlungen.
    • Nun sorgt die Veröffentlichung der Anfrage durch die Inhaberin für Diskussionen.
    • Eine hohe Reichweite allein sei nicht entscheidend, eine Kooperation einzugehen, meint sie.
    • Merson wiederum betont, dass solche Anfragen mit direkten Gegenleistungen üblich seien.

    «Schweizer Influencer buchen keine Behandlung. Die bewerben sich direkt als Betriebsausgabe.» So lautet die Kritik in einem Instagram-Beitrag des Kosmetik- und Ästhetiksalons Gemini's in Chur GR. Konkret gerichtet ist sie an ihn: Steve Merson (33).

    Denn dieser will Gratis-Behandlungen im Salon, bietet dafür aber Beiträge auf Social Media an. Die Chefin des Salons findet Mersons Anfrage amüsant – und postet sie im Netz.

    Zwei eingeblendete Screenshots zeigen die Mailanfrage, die der Influencer für eine Kooperation dem Beautysalon geschickt hat. Merson verspricht «ehrliches Storytelling statt klassischer Werbung» und bietet eine Serie rund um Anti-Aging-Behandlungen und Selbstoptimierung.

    Auf Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat und Youtube erreicht Merson nach eigenen Angaben zusammen mehr als eine Million Follower. Dank seiner Reichweite und «starken Community-Bindung» könne sich der Salon als «authentischen Anbieter» positionieren. Sichtbarkeit und damit neue Kundenanfragen gewinnen, wirbt der 33-Jährige.

    Im Gegenzug fordert der Social-Media-Star kostenlose Faltenbehandlungen – etwa mittels Hyaluronspritzen und Microneedling – sowie weitere Anwendungen im Gesicht. Sogar sein Kameramann soll zur Reduktion von dessen Aknenarben eine entsprechende Behandlung erhalten.

    Anfrage bisher unbeantwortet

    Konditionen, die bei Inhaberin Lejla Bilalic für Stirnrunzeln sorgen. «Ich dachte, ich führe ein Kosmetikstudio. Anscheinend bin ich die Stiftung «Influencer in Not»», schreibt sie zur eingeblendeten Mail.

    Mersons Kooperationsvorschlag liess Bilalic bisher unbeantwortet, wie sie gegenüber Nau.ch verrät.

    Weil sie schwanger war, habe sie die Anfrage erst jetzt, Monate später, aufgegriffen – in Form eines Instagram-Beitrags. «Mein Reel war bewusst überspitzt», sagt die Kosmetikunternehmerin. «Besonders die zusätzlich gewünschte Behandlung für seinen Kameramann fand ich lustig.»

    Steve Merson
    Steve Merson gehört zu den erfolgreichsten Influencern der Schweiz. - SRF

    Bilalic ist sich bewusst, dass der Bekanntheitsgrad einen positiven Einfluss auf das Geschäft haben kann. Doch eine grosse Reichweite allein überzeuge sie noch nicht, eine Kooperation – wie nun mit Merson – einzugehen. Ob der Werbeaufwand zusätzlichen Umsatz generiere, garantiere niemand.

    Für die Unternehmerin gilt deshalb, mehrere Faktoren in Betracht zu ziehen: «Passt die Community zur Branche? Wo leben die Menschen, die erreicht werden? Interessieren sie sich für unsere Behandlungen? Werden aus den Aufrufen tatsächlich Anfragen und aus diesen Anfragen zahlende Kundinnen und Kunden?»

    «Wirkte wie standardisierter Text»

    Merson ist nicht der Erste, der Gratis-Behandlungen gegen Beiträge will. Anfragen von Influencern erhalte sie vorwiegend für Permanent-Make-up- sowie Tattooentfernungen. Zu einer solchen Kooperation zählen dann beispielsweise mehrere Lasersitzungen. Als Gegenleistung für einige Story-Posts, in denen die Firma beworben wird.

    Bilalic bevorzugt hierbei gezielt Beauty-Influencer, die die Interessen der Branche glaubwürdig vertreten.

    Ob sich Merson vor seiner Anfrage mit dem Leitbild des Beautysalons auseinandergesetzt hat, bezweifelt Bilalic allerdings: «Steves Anfrage wirkte auf mich eher wie ein standardisierter, möglicherweise KI-Text. Ob tatsächlich KI verwendet wurde, weiss ich nicht.»

    Bilalic interessiert bei einer möglichen Zusammenarbeit die «persönliche Idee» dahinter. Auch im Hinblick auf die Frage, warum man sich gezielt für ihre Firma entscheidet. Ob eine Kooperation zustande kommt, hänge schliesslich von der Zielgruppe, den vereinbarten Leistungen und der gegenseitigen Wertschätzung ab.

    Inhaberin erhält gemischte Reaktionen

    Die öffentliche Reaktion auf die Anfrage soll nicht als persönliche Kritik an Merson verstanden werden, betont die Unternehmerin. «Beim Reel ging es mir nicht darum, Steve als Person blosszustellen oder persönlich anzugreifen. Ich wollte die Art und Weise der Kooperationsanfrage humorvoll aufgreifen.»

    Da die Mailanfrage mit seinem öffentlichen Künstlernamen erfolgt sei, verzichtete Bilalic bewusst auf eine Anonymisierung. Sie stellt klar: «Eine namentliche Erwähnung ist nicht mit einer persönlichen Kritik gleichzusetzen.»

    Ist es ok, so eine Influencer-Anfrage im Netz zu posten?

    Nach der Veröffentlichung des Beitrags schlug Bilalic teils kalter Wind entgegen.

    Einige Influencer hätten sich bei ihr gemeldet. Insbesondere Social-Media-Persönlichkeiten aus Deutschland hätten ihren Unmut an Bilalics «arrogantem» und «unangenehmen» Umgang mit Mersons Anfrage geäussert.

    Zeitgleich habe sie Mails und Anrufe von Schweizer Unternehmern erhalten, die ihre Zustimmung kundgaben. Auch Privatpersonen verschiedener Generationen hätten sich mit positiven Rückmeldungen an Bilalic gewandt.

    «Manche finden meinen Auftritt überheblich, andere begrüssen es, dass jemand das Thema offen anspricht. Dass mein Ton nicht bei allen gut ankommt, verstehe ich.» Ob sich unter ihren Kritikern auch Fans von Steve Merson befinden, kann die Unternehmerin nicht beurteilen.

    Der Influencer selbst meldete sich nach Bilalics Beitrag mit der Frage, warum sie die Mailanfrage erst Monate später thematisiert habe. Die junge Mutter erklärte daraufhin auf Instagram, dass sie zu jenem Zeitpunkt hochschwanger mit Zwillingen gewesen sei und ihre Prioritäten deshalb anders gesetzt hatte.

    Mersons Anfrage liess Bilalic bis heute unbeantwortet. Die Inhaberin betont, dass sie dem Influencer weder eine Zu- noch eine Absage erteilt habe.

    Steve Merson hat kein Interesse mehr

    Gegenüber Nau.ch betont Merson, dass es sich um eine gezielte Anfrage eines sogenannten Barter Deals handelt. Bei diesem Modell werden Dienstleistungen direkt gegen andere Leistungen ausgetauscht – ohne den Einsatz von Geldleistungen. Solche «unverbindlichen» Anfragen seien nichts Ungewöhnliches, meint der Influencer.

    Dass der Kosmetik- und Ästhetiksalon die Anfrage öffentlich gemacht hatte, stört den Zürcher Shootingstar nicht. «Was ich allerdings widersprüchlich finde, ist, dass einerseits der Wert meiner Reichweite infrage gestellt wird, andererseits mein Name und meine Geschäftskorrespondenz öffentlich genutzt werden.»

    Steve Merson
    Nau.ch traf Steve Merson kürzlich zum Interview. - Nau.ch

    Merson fordert einen respektvollen Umgang mit solchen Korrespondenzen. Und verweist dabei auf den vertraulichen Umgang mit personenbezogenen Daten, die der Beautysalon auf seiner Website anpreist. Die Veröffentlichung seiner Anfrage kann er deshalb nicht nachvollziehen.

    Nach der öffentlichen Diskussion um seine Anfrage zieht Merson nun Konsequenzen: Eine Zusammenarbeit mit Bilalics Salon kommt für ihn vorerst nicht mehr infrage. Der Umgang mit seiner Korrespondenz habe das Vertrauen offenbar beeinträchtigt, so dass er von einer möglichen Kooperation Abstand nimmt.

    Kommentare

    User #2829 (nicht angemeldet)

    Eine Anfrage dieser Art von einem Influencer ist nie privat sondern geschäftlich. Auch müsste der Influencer solche "Gratis-Leistungen", die eigentlich ein Honorar sind, versteuern. Daher Tipp an das zuständige Steueramt. Prüfen wie viele solcher Honorare hat der Influencer bezogen, eventuell Pauschale abrechnen.

    User #5053 (nicht angemeldet)

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