Mehr Vorfälle mit Herdenschutzhunden in Graubünden
Das Bündner Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit hat diesen Sommer 32 Meldungen über Zwischenfälle und aggressives Verhalten von Herdenschutzhunden gegenüber Menschen erhalten. Das sind etwa zehn mehr als im Durchschnitt anderer Jahre, wie der kantonale Kantonstierarzt, Giochen Bearth, gegenüber Keystone-SDA erklärt.

«In 80 Prozent dieser 32 Fälle kam es zu Bissen, häufig an Beinen oder Armen, mit Schürfwunden oder tieferen Hautverletzungen», sagt Bearth und fügt hinzu, dass keine Fälle mit schweren Verletzungen registriert wurden.
Der Kantonstierarzt zeigt sich wegen der Zunahme der Konflikte nicht beunruhigt und setzt sie in Relation zu dem, was im Verlauf des gesamten Jahres in Graubünden geschieht. «Im Durchschnitt registrieren wir im Kantonsgebiet einen Hundebiss pro Tag. Das sind also über 350 Bisse im Jahr. Die Vorfälle mit Herdenschutzhunden machen somit weniger als 10 Prozent der Fälle im gesamten Kanton aus», erklärt Bearth.
Verschiedene Faktoren für aggressives Verhalten
Die Fälle wurden hauptsächlich in touristischen Gebieten verzeichnet, in denen sich Wanderwege befinden – wie etwa auf der Greina-Hochebene, am Oberalppass, im Prättigau und im Münstertal.
Laut dem Kantonstierarzt können verschiedene Faktoren zu aggressivem Verhalten bei Schutzhunden führen. In diesem Sommer nicht zuletzt auch die Hitzewelle. «Wir haben festgestellt, dass die Hunde aufgrund der langen und anstrengenden Einsätze extrem müde waren. Wegen fehlender, ausreichender Ruhephasen reagierten sie empfindlicher auf die Anwesenheit von Menschen. Die Tage sind für sie lang, und es sind ständig Menschen unterwegs. Die Hunde müssen erkennen können, wann sie die Herde schützen müssen und wann sie sich angemessen zu verhalten haben. Das ist eine enorme Herausforderung», sagt Bearth, der die Entwicklung der Konflikte aus den genannten Gründen als nicht besorgniserregend einstuft.
Drei mögliche Massnahmen
Doch was passiert, wenn eine Begegnung zwischen Herdenschutzhunden und Wanderern schlecht ausgeht? «Massnahmen werden immer auf der Grundlage der spezifischen Situation getroffen. Sie werden nach einer Analyse der Lage, der Beurteilung vor Ort und Rücksprache mit den Alpverantwortlichen sowie je nach Fall mit externen Beratern festgelegt», schickt der Kantonstierarzt voraus.
Als erste Massnahme wird ein Hund nur noch innerhalb einer Umzäunung und nicht mehr ausserhalb eingesetzt. Viele Konflikte liessen sich zudem durch eine korrekte Platzierung der Zäune, eine klare Signalisation von Umleitungen und die Abgrenzung stark frequentierter Wanderwege durch Zäune vermeiden. Als dritter Schritt wird ein Herdenschutzhund vorübergehend von der Herde entfernt. Eine Massnahme, die laut Bearth eine sorgfältige Abwägung von Vor- und Nachteilen erfordert: «Es ist eine drastische Massnahme, die Einschränkungen beim Schutz von Ziegen und Schafen mit sich bringen kann, die aber ergriffen werden muss, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.»






