Vom Dach des vordersten Gebäudes am Europaplatz wird ab 6. Juli gemorst.
Zürich
Stadt Zürich. - Keystone

Es wird ab 6. Juli gemorst. Lichtzeichen verbreiten die Worte «ALWAYS A WAY». Die Installation mit dem doppeldeutigen Titel – immer weg / immer ein Weg – stammt von der österreichischen Künstlerin Brigitte Kowanz und wird ab heute aufgebaut.

Kurz-lang / kurz-lang-kurz-kurz…: Die um 1840 entwickelte Morsetelegrafie hat durch technische Entwicklungen wie Fernschreiber, Fax und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation stark an Bedeutung eingebüsst. In der Schule haben die meisten wohl einige Buchstaben aus dem Morsecode gelernt. Ab 6. Juli kann man überprüfen, wie viele Morsezeichen man noch erkennt.

Einmal pro Stunde vermitteln blinkende Lichtzeichen eine Botschaft, die in die Stadt gesendet wird. Die Morsezeichen sind zudem permanent als Markierung auf einem LED-Band sichtbar. Was die codierten Zeichen mitteilen, verrät der Titel des Kunstwerks: «ALWAYS A WAY» von Brigitte Kowanz. Sie macht seit Jahrzehnten Lichtkunst und hat schon öfter mit dem Morsealphabet gearbeitet.

«ALWAYS A WAY»

Was die Wortfolge bedeuten mag, erschliesst sich aus dem Konzept und der Umgebung, in der das Werk steht. Die Mitteilung, die uns vom Dach des vordersten Gebäudes entgegenleuchtet, ist eine doppelte: «ALWAYS A WAY». Wir sind physisch da, auf dem Europaplatz – und doch immer gleichzeitig woanders, weil wir uns permanent über Technologie mit andern Orten und Inhalten vernetzen. Diesem kritischen Gedankenanstoss hält die sprichwörtliche Hoffnung, dass da immer ein Weg sei, die Waage.

Drei Stahlstützen tragen die «Sendestation», die aus LED-Bändern besteht, die formal streng zu Dreiecken angeordnet sind. Installiert zwischen den Bahngleisen und der Sihlpost als Drehscheibe der Kommunikation erscheint die Verwendung der Morsesprache besonders legitimiert.

Die Telegrafenleitungen wurden traditionellerweise entlang der Bahngleise verlegt. Die Stahlstützen auf dem Gebäudedach und die daran befestigten LED-Bänder nehmen nun das Geflecht von Stützen und Oberleitungen entlang der Bahntrassees auf. Für die Arbeit ist von zentraler Bedeutung, dass die Morsesprache ihre Informationen mit den minimalen Zeichen «lang-kurz» eines binären Codes weitergibt, wie es die digitalen Sprachen auch tun.

Vom 30. Juni bis 5. Juli wird das Kunstwerk installiert

Dafür werden die einzelnen Elemente zuerst auf dem Europaplatz zusammengebaut und anschliessend mit einem Kran auf das Dach der Europaallee 4 gehoben.

«ALWAYS A WAY» ist Teil eines kuratorischen Masterplans nach einem Konzept von Evtixia Bibassis und Patrick Huber, den die SBB und die Stadt Zürich in der Europaallee gemeinsam umsetzen. Seit 2010 befassten sich während der Bauphase verschiedene temporäre Kunstprojekte mit dem neuen Stadtquartier – unter anderem mit Werken von Kerim Seiler, Michael Günzburger und Ingo Giezendanner mit der Rapperin Big Zis.

Die erste permanente Installation auf dem Europaplatz hört man seit vergangenem September: «Harmonic Gate» von Sam Auinger und Bruce Odland schärft mit Klangsteinen, die auch als Sitzgelegenheiten dienen, das Ohr für die Geräuschkulisse der Stadt. Weitere künstlerische Interventionen sind geplant.

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SBB