Der Chriesisturm feiert 400 Jahre Zuger Kirsch
Der Zuger Chriesisturm eröffnet am 22. Juni um 12 Uhr offiziell die Chriesiernte im Kanton. Damit wird auch das 400-Jahr-Jubiläum des Zuger Kirsch gefeiert.

Wie die Stadt Zug mitteilt, eröffnet der Zuger Chriesisturm am 22. Juni um Punkt 12 Uhr offiziell die Chriesiernte im Kanton Zug.
Mit langen Leitern bepackt liefern sich Zweierteams spannende Rennläufe durch die engen Gassen der Zuger Altstadt. Die Damen tragen in ihren Rennläufen Hutten am Rücken und die Schüler bewältigen die Rennstrecke in Stafetten.
Am diesjährigen Anlass wird auch das 400-Jahr-Jubiläum des Zuger Kirschwassers gefeiert.
Chriesigloggä läutet den Chrieisturm ein
Eine wachsende Zahl von Zuschauern aus der Region Zug und weit darüber hinaus verfolgt jedes Jahr gegen Ende Juni den Zuger Chriesisturm. Mit diesem zeitgenössisch neu interpretierten Brauch läutet der Chriesikanton Zug jeweils die Kirschenernte ein.
In diesem Jahr wird der Chriesisturm die Massen am 22. Juni in seinen Bann ziehen. Um Punkt 12 Uhr läutet wie vor über 300 Jahren die Chriesigloggä der Pfarrkirche St. Michael. Damit wird der Chriesisturm lanciert.
Fünf Zweierteams rennen bei der Liebfrauenkapelle am südlichen Eingang zur Altstadt los. Die Rennroute führt über die Schwanengasse und den Fischmarkt zum Landsgemeindeplatz, dann hoch zum Zytturm und über die obere Altstadtgasse wieder zur Liebfrauenkapelle zurück.
400 Jahre Zuger Kirsch nach dem Rennen
Im Anschluss an die Rennläufe treffen sich die Läufer mit ihrem Anhang und dem Publikum auf dem Landsgemeindeplatz zu einem fröhlichen Volksfest bei Chriesiwurst und Kirschtorte.
Heuer wird auch das 400-Jahr-Jubiläums des Zuger Kirschwasser gefeiert, das 1626 in der Stadt Zug erstmals urkundlich erwähnt wurde. Auf dem Platz findet gleichzeitig der traditionsreiche Zuger Chriesimärt statt. Es werden Tafelkirschen angeboten und an verschiedenen Ständen können auch Kirschen-Produkte der Region erworben werden. Die Zuger Bäuerinnen bieten zudem feinen Chriesikuchen an.
Da die Chriesi heuer schon früher reif sind, werden erste Zuger Kirschen auf dem Landsgemeindeplatz schon ab Montag, 15. Juni 2026, jeweils nachmittags ab 15 Uhr, zum Kauf angeboten.
«Zuger Kirschrakete» als Favorit
Gemeinsam mit Kantonsratspräsident Stefan Moos, der bereits zum fünften Mal am Chriesisturm mitläuft, trägt mit Anna Bieri, Vizepräsidentin des Kantonsrats, eine Frau die Leiter. Sie fordern die «Zuger Kirschrakete» heraus.
Philipp Beck und Michael Strickler haben das Rennen in den vergangenen zwei Jahren dominiert und streben auch heuer den Sieg an. Doch auch die ambitionierten Sportler Simon Lipp und Fabian Hess, die für die Raiffeisenbank ins Rennen steigen, sowie Joshua Moss und Christopher Tipper Huesca, für die Partners Group am Start, zeigen Ambitionen.
Als Repräsentanten der Special Olympics, die mit den National Summer Games Ende Mai in Zug für Furore sorgten, gehen Daniel Borter und Walter Frei an den Start.
Zuger Zünfte in eigener Kategorie
Im traditionsreichen Rennen der Zuger Zünfte, die in einer eigenen Kategorie starten, liegt der Fokus auf der Bäckerzunft mit Benjamin Leupi und Pascal Steiger, das im Vorjahr das Rennen siegreich beendete.
Ihnen werden die Bauleute mit Kaspar Theiler und Manuel Lenz, die Schreiner mit Samuel Annen und Andreas Stadlin sowie die Fischer mit Etienne Schumpf und Lorenz Müller die Titelverteidigung streitig machen.
Spannende Läufe bei den Damen
Im ersten Feld der Damen wird Jael Manetsch, das EVZ-Sturmtalent beweisen, dass ihr Sieg im vergangenen Jahr kein Zufall war. Eveline Meister, von der Freiwilligen Feuerwehr Zug, wird versuchen, ihr das Rennen schwer zu machen, ebenso wie Yvonne Schelbert, Vertreterin der Zuger Bäuerinnen, Claudia Bliggenstorfer aus der Zuger Gastronomie und Lara Odermatt von Bildxzug.
Im zweiten Lauf der Damen will EVZ-Torhüterin Yara Keller zeigen, dass sie nicht nur nervenstark, sondern auch schnell auf den Beinen ist. Mindestens ebenso flink werden Ursula Steiner, Vertreterin der Zuger Bäuerinnen, Maya Scheiwiller von der Jungen Wirtschaftskammer und Bettina Kunz von Zug Tourismus unterwegs sein.
Gespannt sein darf man auf den Auftritt von Edith Sidler-Betschart. Die Vertreterin von Special Olympics ist seit ihrer Jugend erblindet. Damit sie sich besser orientieren kann, wird sie begleitet von Sarah Müller.
Der Kindersturm in zwei Stafettenläufen
Das Rennfeld bei den Schülern wird gestellt von den 5. Primarklasse des Schulhauses Guthirt der Lehrerinnen Giulia Vulpetti und Irina Hilfiker. Erstmals werden die Stafetten der Jüngsten ebenfalls in zwei Läufen zu sehen sein.
Gute Chriesiernte steht bevor
Für die Zuger Landwirte kündigt sich im laufenden Jahr eine gute Ernte an.
Zwar seien in der nasskalten Regenperiode Anfang Juni bei einigen Sorten Früchte geplatzt, stellt die Kirschbrennerlegende Herrmann Röllin aus Notikon bei Baar fest. Glücklicherweise würden aber die verschiedenen Sorten aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif. So falle dieser Ausfall nicht so sehr ins Gewicht.
Älteste Chriesitraditionen der Schweiz
Im Kanton Zug werden die schweizweit ältesten Chriesitraditionen gefeiert. Nicht zuletzt deshalb gehört der «Kirschenanbau im Kanton Zug» zu den «Lebendigen Traditionen der Schweiz» im Rahmen des Weltkulturerbes der Unesco.
Der Brauch des Stadtzuger Chriesisturms erinnert daran, dass im 18. Jahrhundert das Läuten der Chriesigloggä die Kirschenernte eröffnete. Mobilisiert durch den Glockenschall, rannten die Bürger mit Leitern bewehrt durch die Stadttore hinaus auf die Allmend. Wer dort seine Leiter als erster an einem Baum anlehnen konnte, durfte dessen Früchte für sich beanspruchen.
Das Läuten der Chriesigloggä ist in der Stadt Zug für 1711 erstmals belegt. In der Nachbargemeinde Baar datiert die erste urkundliche Erwähnung der dortigen Chriesigloggä 1731. Im Aegerital ist die Chriesigloggä für 1758 erstmals nachgewiesen. Die Glocken von Unterägeri und Oberägeri werden am Samstag, 11. Juli 2026, anlässlich des Aegerer Chriesitages, läuten.










