Expertin: Hormus-Blockade beeinflusst Handel trotz Öffnung Monate
Das voraussichtliche Ende des Iran-Kriegs hat die weltweiten Märkte in Euphorie versetzt. Eine Rohstoffexpertin warnt dennoch vor übereilter Hochstimmung.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Krieg im Iran gilt als beendet, ein Abkommen soll unterzeichnet werden.
- Die Aussicht auf die Öffnung der Strasse von Hormus hat die Märkte in Euphorie versetzt.
- Eine Ökonomin und Rohstoffexpertin mahnt dennoch zur Zurückhaltung.
Die Nachricht, dass zwischen den Kriegsparteien im Iran-Krieg eine Einigung erzielt wurde, hat die Märkte am Montag in Euphorie versetzt.
Die in die Höhe geschossenen Ölpreise fielen schon kurz nach Bekanntwerden des Abkommens deutlich. Auch an den Börsen in Japan, China und Südkorea zogen die Kurse nach der Öffnung am Morgen sofort an.
Für zusätzlichen Optimismus sorgte eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump. Die strategisch wichtige Strasse von Hormus soll in Kürze wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden.
Trump verkündete die Nachricht auf seiner Plattform Truth Social – und sparte dabei nicht mit Eigenlob: «Viele Präsidenten haben versucht, Frieden mit dem Iran zu schliessen, und alle sind vor mir gescheitert.»
Der mögliche Wendepunkt in dem seit Februar andauernden Krieg könnte weitreichende Folgen für den Welthandel haben. Doch die Ökonomin und Rohstoffexpertin Cornelia Meyer mahnt in der SRF-«Tagesschau» am Montagabend zur Zurückhaltung.
Rohstoffexpertin: «Wird nicht so schnell gehen»
«Es wird nicht so schnell gehen», bremst die Expertin.
Bevor wieder Normalität einkehren könne, müsse die Strasse von Hormus zunächst von Minen geräumt werden. Erst danach könnten die wichtigen Handelsrouten schrittweise wieder in Betrieb genommen werden.
Nach Einschätzung der Expertin dürfte es bis gegen Ende Jahr dauern, bis sich die Lage vollständig beruhigt hat. Dennoch dürfte die Wiedereröffnung einer der bedeutendsten Öltransportrouten der Welt die Märkte kurz- und mittelfristig spürbar entlasten.
Auch die Konjunktur könnte profitieren. Das zumindest erwartet die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz dürfte für das ganze Jahr bis zu 0,8 Prozentpunkte grösser ausfallen, heisst es gegenüber SRF.
Wird die Strasse von Hormus tatsächlich geöffnet, wäre auch der bevorstehende Kerosin-Mangel vom Tisch.
Der Bund hatte Anfang Juni noch gewarnt, dass die Flugpetrol-Versorgung voraussichtlich nur bis Ende Juni 2026 gesichert sei. Danach hätte die Schweiz unter Umständen ihre Pflichtlager anzapfen müssen.
Viele Länder könnten sich Öl nicht mehr leisten
Ganz ausgestanden ist die Krise allerdings noch nicht. Bis die Schifffahrtsroute vollständig geräumt ist und die Lieferketten wieder reibungslos funktionieren, wird es Zeit brauchen.
Besonders schwierig bleibt die Lage für Länder mit geringer Kaufkraft. «Viele Länder können sich das Öl nicht mehr leisten», gibt Meyer zu bedenken.
Auch bei den Düngemittelpreisen sei noch offen, wie rasch sich die Märkte erholen werden. Die angespannte Lage dürfte demnach noch anhalten – wenn auch mit deutlich weniger Druck.

















