Wie die Gemeinde St. Margrethen berichtet, wird ab dem Jahr 2022 aufgrund der steigenden Kohle-, CO2- und Rohölpreise der Strompreis für Verbraucher angepasst.
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Zahlreiche Stromleitungen stehen in der Landschaft. (Symbolbild) - dpa

Der Gemeinderat hat die Strompreise 2022 für St. Margrethen erlassen. Zehn Prozent höhere Netznutzungsgebühren der Vorlieferanten, höhere Investitionen ins kommunale Netz und die Absatzrückgänge aufgrund der Coronapandemie und neuer PV-Anlagen führen in allen Kundenkategorien zu einer spürbaren Verteuerung.

Die Festlegung der Stromtarife erfolgt jährlich gemäss den Vorgaben der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom). Die Energiepreise unterliegen zum einem Marktverhältnissen und zum andern limitiert die ElCom die maximale Gewinnmarge für gebundene Kunden, die ihren Energielieferanten nicht frei wählen können (z.B. Haushalte).

Es gilt das Kostendeckungsprinzip

Bei der Netznutzung gilt das Kostendeckungsprinzip. Das Netzentgelt muss die Aufwendungen für den Erhalt der netzrelevanten Infrastruktur sicherstellen. Ein Gewinn darf mit dem Netz nicht erwirtschaftet werden.

Mit jährlichen Nachkalkulationen wird geprüft und von der ElCom kontrolliert, ob im jeweiligen Stromnetz (Mittelspannung bzw. Niederspannung) zu hohe oder zu tiefe Einnahmen tarifiert wurden. Überdeckungen oder Unterdeckungen müssen in den Tariffestlegungen für die Folgejahre berücksichtigt bzw. innert dreier Jahre ausgeglichen werden.

Gründe für die Preiserhöhungen

Die Stromenergie wird aufgrund der massiv steigenden Kohle-, CO2- und Rohölpreise, welche den Energiemarktpreis beeinflussen, rund zehn Prozent teurer. Im Hochspannungsbereich hat Swissgrid die Netzpreise um zehn Prozent angehoben.

Dies bewog die Vorlieferanten Axpo AG und SAK AG, ihre Netznutzungsgebühren durchschnittlich um zehn Prozent zu erhöhen. Die Nachkalkulation für das Jahr 2020 hat ergeben, dass das Mittelspannungsnetz (20-kV-Netz) kostendeckend über die Tarife finanziert werden konnte.

Im Niederspannungsnetz war das leider das zweite Jahr in Folge nicht der Fall. Es besteht eine Unterdeckung, die mit höheren Netznutzungstarifen abgebaut werden muss.

Alte Leitungen und mehr Photovoltaik

Viele Trafostationen und Leitungen mussten in den letzten Jahren altersbedingt ersetzt werden. Dies führte zu höheren Abschreibungen, die sich im Netzentgelt niederschlagen.

Diese Unterdeckung wurde verstärkt durch Geschäftsschliessungen während der Pandemie und den Zubau von Photovoltaikanlagen (Eigenverbrauch ist befreit vom Netzentgelt). Aufgrund dieser Effekte resultiert 2022 ein Preisanstieg im Netz bei den Haushaltskunden von rund 12 Prozent und bei den Gewerbe- und Industriekunden von sieben bis 15 Prozent.

Preisanstieg in Vergleichsgruppen

Ein Vierpersonen-Haushalt (Vergleichsgruppe H4) mit einem Verbrauch von rund 4 500 kWh wird im Jahr 2022 10,5 Prozent mehr für seinen Strom bezahlen müssen. Ein Kleingewerbebetrieb (C2) mit einem Verbrauch von 30'000 kWh muss mit einer Erhöhung um 14,5 Prozent rechnen.

Bei einem Industriebetrieb (C4) mit 500'000 kWh Bezug sind es 8,92 Prozent. Je nach Bezugsverhalten sind die Preisanstiege aber unterschiedlich.

Weitere Tarife

Der Zuschlag für Naturstrom basic wird von 0,76 Rappen pro kWh auf 0,72 Rappen gesenkt. Die Kosten für Ablesungen bei Abonnentenwechsel werden von 40 Franken auf 30 Franken pro Mutation reduziert.

Der Rückliefertarif für Strom aus Photovoltaikanlagen wird leicht von acht auf neun Rappen pro kWh erhöht. Die Energie wird mit sechs Rappen pro kWh und der ökologische Mehrwert (HKN) mit drei Rappen pro kWh vergütet.

Die Wasser- und Abwasserpreise bleiben 2022 unverändert.

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