St. Gallen: Budget 2027 rechnet mit sechs Millionen Franken Defizit
Die Stadt St. Gallen budgetiert für 2027 ein Defizit von sechs Millionen Franken. Ohne das Entlastungsprogramm «Alliance» wären es 27 Millionen gewesen.

Diese Verbesserung gegenüber der vorjährigen Finanzplanung 2027 (CHF -27 Mio.) ergibt sich aus Entlastungsmassnahmen und verbesserten Fiskalerträgen. Bis 2029 sollen aus dem Entlastungsprogramm «Alliance» wiederkehrende Entlastungen von CHF 17 Mio. resultieren.
Im Weiteren sind CHF 126 Mio. Nettoinvestitionen für die Weiterentwicklung der Stadt geplant.
Der Stadtrat sah sich in den vergangenen zwei Jahren mit Blick auf die Finanzplanung vor grosse Herausforderungen gestellt. Mit Defiziten von bis zu CHF 35 Mio. in der Finanzplanung entschied er sich, ein neues Entlastungsprogramm zu lancieren. Ende April 2026 stellte der Stadtrat «Alliance» vor, mit welchem per 2029 ein ausgeglichenes Budget erreicht werden soll.
Das geschnürte Massnahmenpaket sieht wiederkehrende Entlastungen der Erfolgsrechnung von CHF 5 Mio. im Budgetjahr 2027 und CHF 17 Mio. im Finanzplanjahr 2029 vor. Dabei ist auch ein Stellenabbau von 46 Vollzeitäquivalenten vorgesehen. Die erwarteten Entlastungen aus den insgesamt 70 stadtweiten beziehungsweise direktionsspezifischen Massnahmen sind vollständig in das vorliegende Budget 2027 und in die Finanzpläne 2028–2030 eingeflossen.
Das Stadtparlament wird diese Massnahmen an seiner Sitzung vom 3. November 2026 beraten.
Starker Aufwandanstieg in wenig beeinflussbaren Bereichen
Der Budgetentwurf weist bei einem betrieblichen Ertrag von CHF 614 Mio. und einem betrieblichen Aufwand von CHF 649 Mio. ein negatives Betriebsergebnis von CHF 35 Mio. aus. Nach Abzug des positiven Finanzergebnisses von CHF 29 Mio. weist das operative Ergebnis ein Defizit von CHF 6 Mio. auf.
Der budgetierte Fiskalertrag liegt mit CHF 402 Mio. rund 3 % über dem bisherigen Rekordjahr 2025. Stärker als der betriebliche Ertrag steigt jedoch trotz Alliance-Massnahmen im Budgetentwurf der betriebliche Aufwand: Ein starker Anstieg gegenüber der Rechnung 2025 wird mit über CHF 11 Mio. im Bereich «Bildung» verzeichnet. Der Bereich «Pflege» wiederum veranschlagt rund CHF 2 Mio. Mehraufwand.
Diese Entwicklungen sind zu einem grossen Teil nicht oder nur sehr begrenzt durch die Stadt beeinflussbar. Das Ausgabenwachstum im Bildungsbereich erfolgt in erster Linie aufgrund gesetzlicher Anforderungen und steigender Schülerzahlen sowie des erhöhten Bedarfs an Tagesbetreuungseinheiten und der höheren Abschreibungen getätigter Investitionen. Das Ausgabenwachstum im Pflegebereich erfolgt bei der Restkostenfinanzierung der stationären Langzeitpflege und der ambulanten Pflege, welche die Stadt zu tragen hat und welche sich der direkten Steuerung durch die Stadt entzieht.
Hohe Investitionen mit tiefer Selbstfinanzierung
Die Stadt St. Gallen plant im Jahr 2027 mit Bruttoinvestitionen in der Höhe von CHF 137 Mio. und Nettoinvestitionen von CHF 126 Mio. Inbegriffen ist die Erhöhung des Darlehens an die St. Galler Stadtwerke um CHF 41 Mio. Die übrigen Nettoinvestitionen von CHF 85 Mio. werden vornehmlich in den Bereichen «Freizeit», «Verkehr» und «Bildung» getätigt. Um ein realistischeres Investitionsbudget präsentieren zu können, wurde ein Realisierungsfaktor von 80 % zum Ziel gesetzt und einkalkuliert. Der Selbstfinanzierungsgrad dieser hohen Nettoinvestitionen beträgt lediglich 31 %, weil die Selbstfinanzierung für das Budgetjahr tiefe CHF 40 Mio. beträgt.
Damit liegt diese Kennzahl deutlich unter dem Zielwert von 90 %. Ohne steigende Verschuldung kann die Stadt somit die budgetierten Investitionen nicht stemmen.
Steigende Verschuldung im Finanzplan 2028–2030
In der Erfolgsrechnung zeigen sich hohe Defizite zwischen CHF 27 und 33 Mio. auf Stufe Betriebsergebnis. Damit liegen die operativen Ergebnisse trotz veranschlagtem Wachstum im Fiskalertrag bis ins Jahr 2029 immer noch im defizitären Bereich. Diese Wachstumsprognosen sind mit hoher Unsicherheit verbunden.
Erst im Jahr 2030 kann eine schwarze Null erreicht werden. Es wird weiterhin nötig sein, die Lasten zu reduzieren und eine bessere Abgeltung der Zentrums- und Zusatzlasten zu erreichen. Im Rahmen der Aufträge von Seiten Kanton und Stadt werden die drei Zusatzlastenaufwände «Kultur», «Polizei» und «öffentlicher Verkehr» vertieft analysiert.
Gleichzeitig ist die Investitionsplanung mit Nettoinvestitionen zwischen CHF 90 und 100 Mio. pro Jahr mit Blick auf die Selbstfinanzierung weiterhin auf einem hohen Niveau. In den Investitionen enthalten sind die Erhöhungen des Darlehens an die St. Galler Stadtwerke zur Finanzierung der Investitionen in die Fernwärme und ins Elektrizitätsnetz in der Höhe von zwischen CHF 24 und 32 Mio. pro Jahr. Mit diesem Finanzplan würde sich die Nettoschuld pro Einwohnerin und Einwohner von CHF 4'843 Ende 2025 (einem der höchsten Werte aller Gemeinden des Kantons St. Gallen) bis Ende 2030 auf rund CHF 8'200 erhöhen.
Fazit
Die Kosten steigen hauptsächlich in zwei Bereichen (Bildung und Pflege); der Anstieg in Millionenhöhe ist von der Stadt nur begrenzt beeinflussbar. Sie kann diese zusätzlichen Mehrbelastungen nur dank steigender Einnahmen und konsequenter Umsetzung der Alliance-Massnahmen stemmen. Für die laufende Legislatur hat sich der Stadtrat zum Ziel gesetzt, dass die Stadt St. Gallen ab dem Budget 2029 ohne Steuerfusserhöhung auf operativer Stufe der Erfolgsrechnung mindestens einen ausgeglichenen Haushalt aufweist.
Mit den Alliance-Massnahmen, welche dem Parlament zusammen mit diesem Budget und Finanzplan vorgelegt werden, kann das geplante Defizit dank wiederkehrenden Entlastungen im Jahr 2029 um CHF 17 Mio. vermindert werden. Zur Erreichung des Legislaturziels fehlen aber immer noch CHF 2 Mio. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Massnahmenpaket in seiner Gesamtheit umzusetzen, um die Chance zu wahren, das gesteckte Ziel zu erreichen und damit in der Stadt St. Gallen einen gewissen finanziellen Handlungsspielraum zu schaffen.
Der Budgetentwurf 2027 und der Integrierte Aufgaben- und Finanzplan (IAFP) für die Jahre 2028–2030 zeigen ein strukturelles Defizit, welches durch das Entlastungsprogramm «Alliance» im Vergleich zum letztjährigen IAFP zwar substanziell reduziert, aber nicht vollständig beseitigt werden kann. Das Defizit macht deutlich, dass die Stadt ihre ungedeckten Zentrums- und Zusatzlasten von jährlich CHF 36 Mio. netto schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus eigener Kraft zu stemmen vermag. Diese sind ein wesentlicher Grund für den vergleichsweise hohen Steuerfuss.










