Schweiz: Zahl der Veganer nimmt um 60 Prozent zu
In der Schweiz ernähren sich neu 58'000 Menschen vegan, das sind 0,8 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Vegetarier ging dagegen leicht zurück.

Es gab eine Verlagerung von den Vegetariern zu den Veganern. Die Anzahl Veganer hat um 60 % zugenommen und die Anzahl Vegetarier leicht abgenommen.
Swissveg analysiert jährlich die Trends zur vegetarischen und veganen Ernährung anhand der grössten Konsumentenumfrage der Schweiz. Bei dieser MACH-Umfrage wurden 30'375 in der Schweiz lebende Personen ab 14 Jahren befragt.
Im folgenden Text beziehen sich die Zahlen in Klammern auf das Vorjahr (2025).
Derzeit ernähren sich 4,9 % (5 %) ohne Fleisch (inkl. Fisch). Davon ernähren sich 16 % vegan. Insgesamt ist dies ein Anteil von 0,8 % (0,5 %) von der Gesamtbevölkerung, die sich vegan ernähren.
Dies ist eine bemerkenswerte Zunahme um 60 % bei den Veganern.
Umgerechnet in Anzahl Personen (über 14 Jahre) bedeutet dies, dass in der Schweiz 374'000 Menschen nie Fleisch oder Fisch essen. Und 58'000 Menschen ernähren sich vegan.
Innerhalb der letzten 5 Jahre schwankte der Anteil der Vegetarier (inkl. Veganer) immer um die 5 %. Das bedeutet, dass jede zwanzigste Person (ab 14 Jahre) kein Fleisch konsumiert.
2015 war der Anteil noch unter 3 %.
Von 2016 bis 2021 gab es im Schnitt eine jährliche Zunahme von über 10 %. Nach «Corona» von 2021 bis 2026 hat sich der Anteil derjenigen, die kein Fleisch konsumieren, konsolidiert.
Geschlechterverteilung: Die Männer holen auf
Bemerkenswert ist auch der unterschiedliche Verlauf bei Männern und Frauen: Während es bei den Männern einen starken Anstieg unter den Vegetariern um 0,7 % auf 4,0 % gab, sank dieser bei den Frauen um 0,7 % auf 6,0 %. Und der Anstieg bei den Veganern ist fast ausschliesslich auf die Männer zurückzuführen: Von 2025 auf 2026 nahm der Anteil an Veganern unter den Männern von 0,3 % auf 0,7 % zu, während er bei den Frauen nur um 0,1 % (von 0,7 auf 0,8 %) zunahm.
Altersverteilung
Nach wie vor liegen die Jüngeren bei der Anzahl der Vegetarier und Veganer vorn. Doch auch hier ist eine Verlagerung von der vegetarischen zur veganen Ernährung zu verzeichnen.
Seit 2021 blieb bisher die Anzahl Veganer bei den jungen Befragten praktisch konstant. Dieses Jahr gab es jedoch einen grösseren Anstieg um 0,4 % auf 1,6 %. Damit leben unter den Jungen doppelt so viele Veganer, wie im Durchschnitt der Bevölkerung.
Rund 50 % der Veganer sind jung und haben keine Kinder. In der Allgemeinbevölkerung trifft dies nur auf 18,6 % zu.
Andererseits ist die flexitarische Ernährung, welche in der Umfrage als bewusst reduzierter Fleischkonsum definiert wurde, bei den Jungen mit 17,8 % weniger beliebt als bei der Gesamtbevölkerung mit 22,4 %.
Bildungsgrad: Veganismus verbreitet sich an Hochschulen
Schon in früheren Jahren zeigte es sich, dass vegan lebende Menschen öfters einen Hochschulabschluss haben als der Bevölkerungsdurchschnitt. In diesem Jahr hat sich der Unterschied zur Allgemeinbevölkerung stark vergrössert.
Während der Anteil an Hochschulabsolventen in der Gesamtbevölkerung innerhalb eines Jahres um 0,5 % zugenommen hat, hat sich dieser in der Gruppe der vegan Lebenden um 6,4 % erhöht.
Interessanterweise hat sich der Anteil unter den Vegetariern in derselben Zeit um 2,5 % reduziert.
Damit hat sich der Abstand der Veganer zu den anderen Ernährungsgruppen weiter vergrössert.
Noch deutlicher sieht man den Trend, wenn man das Jahr 2024 mit dem Jahr 2026 vergleicht: 2024 war der Unterschied der Anzahl Hochschulabsolventen zwischen den Veganern und den Omnivoren noch bei 18,2 %. Heute liegt er bei über 30 %.
Regionale Unterschiede
Die Zunahme bei den Veganern um über 60 % stammt ausschliesslich aus der Deutschschweiz. Damit ernähren sich nun 0,9 % in der Deutschschweiz vegan und nach wie vor nur 0,4 % in der Romandie und 0,3 % in der italienischen Schweiz.
Bei den Vegetariern sieht es jedoch anders aus: Hier sank der Anteil in der Deutschschweiz von 5,7 % auf 4,9 % während er in der Romandie um 0,6 % von 1,5 % auf 2,1 % anstieg und in der italienischen Schweiz um 0,9 % von 1,6 % auf 2,5 % anstieg. Wobei es in der Romandie im letzten Jahr einen Ausrutscher nach unten gab (2025: 1,5 %; 2024: 2,3 %).
Die neuesten Zahlen machen den Vorsprung der Vegetarier in der Deutschschweiz etwas kleiner, vegrössern ihn aber bei den Veganern.
Der Trend zum Konsum von Alternativprodukten hält an
Vor allem für die Wirtschaft ist nicht nur interessant, wie viele Menschen ganz auf Fleisch und/oder andere tierische Produkte verzichten, sondern auch, wie gross der Bevölkerungsanteil ist, den man mit Alternativen zu tierischen Produkten erreicht.
Hier ist der Trend eindeutig: Von Jahr zu Jahr geben mehr Menschen an, dass sie Alternativprodukte konsumieren.
Den grössten Zuwachs an Konsumenten gab es bei den Fleischalternativen (2,7 %) obwohl diese Produkte schon bisher den grössten Konsumentenkreis ansprachen. Neu sind es nun 57,7 %, die zumindest ab und zu Fleischalternativen konsumieren. Umgerechnet sind dies ein Potenzial von 4,4 Millionen Käufern in diesem Bereich.
Fast alle Vegetarier (96,2 %) und Veganer (98 %) konsumieren Fleischalternativen. Dennoch machen über 60 % der potenziellen Konsumenten die Omnivoren aus und rund 30 % die Flexitarier.
Vegetarier und Veganer machen zwar nur rund 10 % der Käufer der Fleischalternativen aus, da sie jedoch deutlich häufiger Fleischalternativen einkaufen, sind sie wesentlich mehr am Umsatz dieser Produkte beteiligt. So konsumieren 75,3 % der Veganer mehrmals wöchentlich solche Produkte. Dies trifft aber nur auf 2,2 % der Omnivoren zu.
Auch die Kuhmilchalternativen erreichen mit über 3 Millionen bzw. rund 40 % potenziellen Konsumenten einen grossen Anteil der gesamten Bevölkerung. Rund 83 % der Vegetarier gaben an, dass sie Milchalternativen konsumieren. Es ist also nicht so, dass Vegetarier sich hauptsächlich von Kuhmilch ernähren, auch wenn sie nicht ganz darauf verzichten.
Sowohl die Flexitarier (55 %) als auch die Omnivoren (32 %) sind deutlich weniger offen für Milchalternativen.
Die Auswahl an guten Käsealternativen ist in den Supermärkten deutlich kleiner als bei den Milchalternativen. Ausserdem liegen die meisten noch im höheren Preissegment. Dies zeigt sich auch in der Anzahl der Personen, die solche Produkte konsumieren.
Nur 18,4 % der Gesamtbevölkerung konsumieren Käsealternativen. Jedoch zeigt auch hier der Trend nach oben.
Obwohl alle Ernährungsgruppen heute eher Käsealternativen konsumieren als früher, ist die hohe Zunahme unter den Veganern besonders bemerkenswert – von 67 % auf rund 86 %.
Die Zahlen zeigen: Langsam aber sicher kommen die pflanzlichen Produkte in der Mitte der Gesellschaft an.
Vegis mögen es Bio und Fair
83 % der Veganer achten darauf biologisch produzierte Lebensmittel zu kaufen. Bei den Vegetariern sind es 78,6 %. Bei den Omnivoren achten hingegen nur 48,1 % darauf, biologische Nahrungsmittel zu kaufen.
Ähnlich sieht es bei Produkten aus fairem Handel aus: Darauf achten 86,1 % der Veganer aber nur 61 % der Omnivoren.
Rund 70 % der Veganer, Vegetarier und Flexitarier achten auf anerkannte Labels wie Max Havelaar oder Demeter (nach dem V-Label wurde nicht direkt gefragt). Dagegen trifft dies nur auf weniger als 50 % bei den Omnivoren zu.










