Mit Schokolade zur Meister-Sinfonie

    Oliver Borner
    Oliver Borner

    March-Höfe,

    Um eine Sinfonie für das Eidgenössische Musikfest 2021 in Interlaken komponieren zu lassen, verkauft das Blasorchester Siebnen seit ein paar Wochen Schokolade.

    Schokolade BOS
    Das Blasorchester Siebnen produzierte für eine Sinfonie eigene Schokoladensorten. - zVg

    Auf den ersten Blick haben Schokolade und Blasmusik nicht viel gemeinsam. Im Falle des Blasorchesters Siebnen trifft dies allerdings nicht zu. Das Orchester verkauft sein ein paar Wochen Schokoladentafeln, um eine Sinfonie komponieren zu lassen. Was dahinter steckt und wie die Idee ankommt, erzählt Präsident Roman Hutzmann im Interview.

    Nau.ch: Herr Hutzmann, ihr Orchester verkauft Schokolade, um eine Sinfonie für das eidgenössische Musikfest 2021 komponieren zu lassen. Wie kam es zu dieser Idee?

    Roman Hutzmann: «Eigentlich ist die Idee nicht neu. Wir haben sie aus dem Kanton Jura kopiert. Dort hat ein Orchester vor mehreren Jahren bereits die gleiche Idee in die Tat umgesetzt. Da unser Dirigent selbst auch aus dem Jura stammt, wurde die Idee durch ihn zu uns transportiert.»

    Nau.ch: Wie lief der Entwicklungsprozess der Schokolade ab?

    Roman Hutzmann: «Wir mussten zunächst entscheiden, wo wir unsere Schokolade budgetgerecht produzieren wollen. Dabei hätten wir gerne auf einen lokalen Produzenten wie Felchlin gesetzt, nur produziert dieser direkt keine Tafeln. Wir haben uns dann schweizweit umgesehen und uns schliesslich für Camille Bloch entschieden.

    Roman Hutzmann
    Roman Hutzmann ist Präsident des Blasorchesters Siebnen. - zVg

    Mit ihrer Unterstützung kreierten wir zwei Sorten von Schokoladen, die auf den hauseigenen Produkten Torino und Ragusa basieren. Die Verpackungen dazu haben wir selbst designt. Darauf danken wir jedem Käufer und jeder Käuferin für die Unterstützung.»

    Nau.ch: Wie kommt die Idee bei den Leuten an?

    Roman Hutzmann: «Wir hatten bisher eigentlich nur positive Rückmeldungen. Es läuft ähnlich wie bei einem Crowdfunding, nur dass wir bei einer Zahlung auch gleich ein Produkt liefern können.»

    Nau.ch: Die Sinfonie wird vom spanischen Komponist José Suñer Oriola geschrieben. Wieso fiel die Wahl auf ihn?

    Roman Hutzmann: «Das liegt zunächst daran, dass er in seinem Bereich mit zu den besten Komponisten der Welt gehört. Wir pflegen allerdings zudem eine spezielle Verbindung zu diesem Komponisten. Wir spielten bereits 2016, als wir am eidgenössischen Musikfest in Montreux sensationell den Schweizermeistertitel holten, ein Stück von Oriola. Nach dem Sieg kam der Kontakt zum Komponisten zustande und riss dann nie wirklich ab.

    Orchester BOS
    Das Orchester bei einem Auftritt in Brüssel 2018. Links im Vordergrund José Suñer Oriola. - Elia Lechner

    Zudem feiert unser Dirigent Blaise Héritier sein zehnjähriges Jubiläum bei uns im Orchester. Wir wollen ihm durch die Sinfonie von Oriola ein besonderes Geschenk machen.»

    Nau.ch: Die Schokolade soll die ganze Sinfonie finanzieren. Wie viel Geld braucht das Orchester und warum ist dies nicht mittels Sponsoren oder Förderungen möglich?

    Roman Hutzmann: «Beim Kauf einer Schokolade wird eine Sekunde der Sinfonie finanziert. Bei einer Laufzeit von etwa einer halben Stunde ergibt das einen Betrag von circa 20'000 Schweizer Franken. Wir müssen also etwa 2'000 Schokoladentafeln verkaufen, um unser Ziel zu erreichen.

    BOS Orchester
    Das Blasorchester 2018 bei einem Autritt in Brüssel. - Elia Lechner

    Die Schwierigkeit über die Finanzierung durch Sponsoren hat zwei grosse Gründe. Erstens könnten wir Sponsoren keine grosse Gegenleistung anbieten – nicht einmal ein ‹richtiges› Konzert mit der entsprechenden regionalen Ausstrahlung. Zweitens ist es schwierig, von der Kulturförderung Geld für die Komposition eines ausländischen Künstlers zu erhalten. Würde eine Schweizerin oder Schweizer komponieren, würden wir wohl Gelder von der Förderung erhalten.»

    Nau.ch: Wie sehen die Richtlinien für die Sinfonie aus?

    Roman Hutzmann: «Die Komposition muss rund 30 Minuten lang sein und genau unserer Besetzung entsprechen. In Sachen Themen und Aufbau geniesst Oriola aber grundsätzlich freie Hand.

    Ein regionaler Bezug war für uns wichtig. So war Oriola bereits mehrere Male in der Schweiz und hat sich besonders von der Region Einsiedeln inspirieren lassen. Daher lautet der Arbeitstitel der Sinfonie auch ‹Einsiedeln's Trees›.»

    Nau.ch: Bis wann soll die Sinfonie fertig sein?

    Roman Hutzmann: «Wenn alles gut läuft, sollte sie bis Ende November fertig sein. Oriola hatte dank der Corona-Pause sehr viel Zeit, um sich mit unserem Projekt auseinanderzusetzen. Wir sind also zuversichtlich, dass er den Termin einhalten kann. Bis dann wollen wir auch das Geld zusammenhaben.»

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