Rund 500 Anhänger der internationalen anarchistischen Bewegung werden am kommenden Wochenende in St-Imier BE erwartet. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Im bernjurassischen Städtchen wurde im September 1872 die Antiautoritäre Internationale ins Leben gerufen.
Berner Jura
Berner Jura. - Symbolbild
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das 150-Jahr-Jubiläum sollte ursprünglich in diesem Sommer gefeiert werden.

Wegen der Pandemie finden die Feiern nun erst 2023 statt. Das nun bevorstehende «Anarchistische Wochenende» dient unter anderem der Vorbereitung des Jubiläums.

Das Treffen von 1872 war eine Folge eines Richtungsstreits in der Arbeiterbewegung. Karl Marx und seine Anhänger strebten eine zentrale Führung an, anders als der russische Revolutionär Michail Bakunin. Mit 14 Gleichgesinnten aus Europa und den USA gründete Bakunin in St-Imier die Antiautoritäre Internationale.

Der Berner Jura mit seiner gebeutelten Uhrenindustrie war damals offen für die Theorien des Anarchismus. Das meiste geriet im Lauf der Zeit in Vergessenheit. Bis heute erhalten blieb immerhin das Gebäude, in dem einst der Kongress stattfand - und seit 2017 gibt es sogar eine Rue Bakounine in dem 5000-Seelen-Ort.

Von den Ideen des Russen - gegen den Privatbesitz, gegen den Staat, für die individuelle Freiheit aller - blieb allerdings auch an der Rue Bakounine wenig über. «Es ist eine Sackgasse, flankiert von Einfamilienhäusern und Privatgärten», schrieben kürzlich die Berner Tamedia-Zeitungen. «Bakunin würde sich in seinem Grab in Bern umdrehen, wenn er das vernähme.»

2012 zog das 140-Jahr-Jubiläum der anarchistischen Geburtsstunde rund 4000 Menschen nach St-Imier. Entgegen mancher Befürchtungen blieb es im beschaulichen Städtchen damals ausgesprochen friedlich.

So soll es auch am kommenden Wochenende sein. Workshops und Diskussionen stehen auf dem Programm, anarchistische Chöre werden auf dem Marktplatz zu hören sein, und im selbstverwalteten Kulturzentrum Espace Noir wird reger Betrieb mit Filmvorführungen und Konzerten herrschen. Alkoholfreie Getränke und Mahlzeiten werden dabei «zu freien Preisen» angeboten.

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