Goldach plant nachhaltige Wärmeversorgung
Goldach stimmt am 8. März 2026 über den «Energieverbund Goldach» ab. Geplant ist eine erneuerbare Wärmeversorgung mit Energie aus dem Bodensee.

Wie die Gemeinde Goldach mitteilt, wurden im Vorfeld des Vorprojekts Liegenschaften mit einem Jahresenergiebedarf von über 150’000 Kilowattstunden gezielt kontaktiert, um das Interesse und den tatsächlichen Verbrauch zu ermitteln.
Die Abklärungen zeigen, dass das Potenzial für Fernwärmekunden im Versorgungsgebiet nördlich der Bahnlinie bei rund 40 Gigawattstunden pro Jahr liegt. Davon können realistisch 17 bis 23 Gigawattstunden durch den Energieverbund erschlossen werden – je nach Anschlussgrad und baulichen Entwicklungen im Gebiet.
Bereits heute konnte mehr als 40 Prozent der Energiemenge, die für einen wirtschaftlichen Betrieb des Energieverbunds notwendig ist, identifiziert werden. Diese stammt von interessierten Eigentümern im Versorgungsgebiet sowie von Gemeindeliegenschaften. Damit übernimmt die politische Gemeinde Goldach eine wichtige Vorreiterrolle und bildet die erste solide Kundenbasis.
Grosskunden als wichtige Säulen des Projekts
Für die Fernkälte besteht bereits eine Absichtserklärung mit dem Grosskunden Amcor. Dadurch ist der wirtschaftliche Betrieb des Fernkältenetzes im Industriegebiet Riet gesichert. Mit weiteren Interessenten finden Gespräche statt.
Für die Fernwärme wurden umfassende Vorabklärungen durchgeführt und die ersten Gespräche mit grösseren Liegenschaften verliefen sehr positiv.
Bisher wurde bewusst auf weitergehende Vereinbarungen verzichtet. Solange das Projekt politisch noch nicht beschlossen ist, sollen keine Verpflichtungen eingegangen werden.
Nach einem positiven Volksentscheid wird die Kundenakquise intensiviert und bis Anfang 2027 werden gezielt verbindliche Vorverträge abgeschlossen. Eine Anmeldung für den Anschluss an den Energieverbund ist bereits heute online möglich.
Etappenweiser Ausbau mit klarer Strategie
Der Netzausbau erfolgt schrittweise und orientiert sich sowohl an der tatsächlichen Nachfrage als auch an Synergien mit anderen Tiefbauprojekten, beispielsweise mit Werkleitungs- oder Strassensanierungen. Ausgangspunkt ist die Energiezentrale im Rietli.
Von dort aus wird das Netz über die Thannstrasse in Richtung Kreisel St.Gallerstrasse und Schulstrasse erweitert. In einem weiteren Schritt werden die Liegenschaften rund um das Schulhaus Wartegg bis zum Bahnhof erschlossen.
Bevor mit dem Ausbau begonnen wird, muss ein minimaler Anschlussgrad von rund 25 Prozent im ersten Perimeter erreicht sein. So wird sichergestellt, dass jeder Ausbauschritt wirtschaftlich tragfähig ist und das Projekt nachhaltig weiterentwickelt werden kann.
Fernwärme ist eine attraktive Alternative für Goldach
Ein Grossteil der Liegenschaften im Versorgungsgebiet wird noch immer mit Öl oder Gas beheizt. In dicht bebauten Gebieten sind alternative Lösungen wie Wärmepumpen oft mit Platz- und Lärmproblemen verbunden.
Fernwärme bietet hier klare Vorteile: Sie ist platzsparend, einfach zu integrieren und die Gesamtkosten sind mit denen anderer erneuerbarer Systeme vergleichbar. Ausserdem ist die Fernwärmeversorgung redundant aufgebaut und bietet damit eine hohe Versorgungssicherheit.
Die durchgeführte Sensitivitätsanalyse hat ergeben, dass der Wärmegestehungskosten je nach Entwicklungsszenario zwischen 15,8 und 24 Rappen pro Kilowattstunde liegt. Bei einer durchschnittlichen Gesamtentwicklung beträgt der Wärmegestehungspreis rund 20 Rappen pro Kilowattstunde.
Ein Vergleich mit anderen Fernwärmeverbünden zeigt, dass dieser Preis wettbewerbsfähig ist. Das transparente Tarifmodell setzt sich aus drei Komponenten zusammen: einem Anschlussbeitrag, einem Grundpreis und einem verbrauchsabhängigen Tarif pro Kilowattstunde. Diese Komponenten ermöglichen eine hohe Transparenz sowie eine nachvollziehbare und individuelle Kostenstruktur.
Das System finanziert sich selbst
Der «Energieverbund Goldach» ist ein finanziell selbsttragendes System, das von den Technischen Betrieben Goldach betrieben wird. Die Finanzierung erfolgt über Anschlussbeiträge und laufende Gebühren.
Zusätzlich reduzieren kantonale Förderbeiträge in Höhe von 4,8 Millionen Franken den Nettoinvestitionsaufwand auf 31,31 Millionen Franken. Für den Aufbau und den Betrieb des Energieverbunds werden keine Steuergelder eingesetzt.
Jetzt handeln und in die Zukunft investieren
Am 8. März 2026 stimmt die Bevölkerung über die Realisierung des «Energieverbunds Goldach» ab. Der Gemeinderat und die Technischen Betriebe Goldach empfehlen den Stimmbürgern, dem Kredit über 36,11 Millionen Franken für den Bau des Energieverbunds zuzustimmen.
Die Zeit ist reif: Attraktive Fördergelder von Bund und Kanton sind derzeit verfügbar und der kommunale Wärmerichtplan sieht den schrittweisen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen vor.
Zudem stärkt das Projekt die Versorgungssicherheit, da wir weniger abhängig von Öl- und Gasimporten aus dem Ausland sind und die Energie direkt aus dem Bodensee beziehen können – regional und nachhaltig. Mit dem Energieverbund schafft Goldach eine lokale, erneuerbare und wirtschaftlich sinnvolle Lösung – für uns und für kommende Generationen.










