Möhlin AG: Familie erhält Starthilfe nach schwerem Verlust

In Möhlin AG unterstützt das Aargauer Rote Kreuz Familie S. nach der Geburt zum zweiten Mal. Ramona S. erzählt, was die Starthilfe Elternzeit bedeutet.

Möhlin AG
Ramona S. und ihre Familie werden seit der Geburt von Sohn Larik von der Freiwilligen Annette Hörner unterstützt. - zVg

Nach der Geburt beginnt für Familien eine besondere und intensive Zeit. Wenn zusätzliche Herausforderungen dazukommen, kann Unterstützung essenziell sein. Familie S. wird durch die Starthilfe Elternzeit des Aargauer Roten Kreuzes zum zweiten Mal begleitet und erzählt, was diese Hilfe für sie bedeutet.

Möhlin – Zur Familie von Ramona S. gehören ihr Mann Daniel, ihre eineinhalbjährige Tochter Finja, deren verstorbene Zwillingsschwester Aylin und ihr zwei Monate alter Sohn Larik. Seit der Geburt von Larik wird die Familie aus dem Fricktal erneut durch Starthilfe Elternzeit unterstützt. Schon während der ersten Schwangerschaft war klar, dass der Start ins Familienleben anders verlaufen würde als erwartet.

Frau S., Ihre erste Schwangerschaft kam überraschend.

Ja, wir haben gedacht, eine Schwangerschaft würde bei uns auf natürlichem Weg nicht funktionieren. Als wir beim Frauenarzt für die Überweisung in die Kinderwunschklinik waren, hiess es plötzlich: «Gratulation, Sie sind schwanger – ganz schön viel schwanger.» Ich war da in der neunten Woche mit eineiigen Zwillingen.

Wie hat sich die Schwangerschaft danach entwickelt?

Schnell wurde klar, dass es eine Risikoschwangerschaft ist, denn die Zwillinge teilten sich Fruchtblase und Plazenta. Es kam zu schweren Komplikationen und trotz einer Notoperation hat Aylin leider nicht überlebt. Finja ging es nicht gut und sie kam nach der Geburt sofort auf die Intensivstation der Neonatologie, der Abteilung für Neugeborene.

Ob sie es schaffen würde, war nicht klar. Das war extrem schwierig, hatte ich doch gerade zwei Kinder geboren und nun keines bei mir. Dementsprechend ging es mir psychisch sehr schlecht.

Wie sind Sie damals auf Starthilfe Elternzeit aufmerksam geworden?

Mein Mann konnte aufgrund einer Weiterbildung seinen Vaterschaftsurlaub nicht direkt einfordern. Die vergangenen Wochen und der Verlust von Aylin hatten uns stark mitgenommen. Die Hebamme organisierte deshalb die Starthilfe Elternzeit für uns.

Was hätte Ihnen ohne Unterstützung am meisten gefehlt?

Finja war ein Schreibaby, sie hat bis zu sechs Stunden am Stück durchgeweint und schläft auch jetzt noch nicht durch. Bis vor Kurzem ist sie noch alle zweieinhalb Stunden erwacht. Ich war fix und fertig.

Dank der Unterstützung der Freiwilligen der Starthilfe Elternzeit konnte ich mich mal hinlegen, haushalten oder mit meinem Mann zusammensitzen. Da war ja auch noch die Trauer um Aylin, die Raum brauchte.

Jetzt nach Ihrer zweiten Geburt werden Sie erneut begleitet.

Genau. Da Finja nach wie vor viel von mir braucht, haben wir noch während der Schwangerschaft bei Starthilfe Elternzeit angefragt, ob sie uns wieder «eine gute Fee» schicken könnten. Auch mein Mann, der Schicht arbeitet, schätzt die Unterstützung sehr.

Wenn er nach Hause kommt, kann er kurz durchatmen, bevor er in den Familienalltag eintaucht, und nach einer Nachtschicht findet er eher die nötige Ruhe, um zu schlafen. Auch der Austausch mit den Freiwilligen bedeutet ihm viel.

Was möchten Sie anderen Familien sagen, die sich noch nicht trauen, Hilfe anzunehmen?

Wenn einem Hilfe angeboten wird, sollte man sie annehmen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Starthilfe Elternzeit ist so eine wertvolle Unterstützung in der sensiblen Anfangszeit.

Das sollten möglichst viele Familien in schwierigen Situationen nutzen können.

Annette Hörner, Sie unterstützen die Familie S. als Freiwillige bei Starthilfe Elternzeit. Was motiviert Sie?

Meine Freizeit sinnvoll einsetzen zu können – ich finde das etwas sehr Wertvolles für junge Familien.

Besonders berührt mich, wie viel Vertrauen mir die Familien entgegenbringen und was von den Kindern und Familien zurückkommt. Diese Wertschätzung ist ein grosses Geschenk.

Starthilfe Elternzeit

Das Wochenbett ist die sensible Phase des Kennenlernens und Zusammenwachsens als Familie. Es braucht Zeit, sich an die neue Familienkonstellation zu gewöhnen. Die Mütter sind manchmal erschöpft oder finden sich im neuen Alltag noch nicht zurecht.

Freiwillige des Aargauer Roten Kreuzes begleiten und unterstützen Familien während der ersten Wochen nach der Geburt und verbessern damit das Wohlbefinden der ganzen Familie. Sie bieten Unterstützung bei Fragen und Unsicherheiten. Die Freiwilligen betreuen das Baby oder die Geschwister und entlasten damit die Eltern.

Sie haben auch mal Zeit für ein Gespräch oder einen Spaziergang.

Kommentare

User #5008 (nicht angemeldet)

Für die Komplikationen gibt es ja die Krankenkasse. Wieso der Rest unterstützt wird ist mir rätselhaft. Als alleinerziehender Vater habe ich noch nie Hilfe erhalten, im Gegenteil, nur Hürden. Bin bereit für die nächste Olympiade.

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