Freiburg: Sechs Ehrendoktorate – darunter für SRF-Journalistin
Die Universität Freiburg verleiht am Dies Academicus sechs Ehrendoktorate – unter anderem an SRF-Journalistin Susanne Brunner und Philosophin Lea Ypi.

Der belgische Professor Fabrizio Bucella erhält einen der sechs Ehrendoktorate am Dies Academicus der Universität Freiburg. In den sozialen Netzwerken und in Blogs erreicht er hunderttausende Menschen mit Quantenphysik und Mathematik dank verständlicher und packender Erzählweise. Eine weitere Auszeichnung geht an Professorin Lea Ypi von der London School of Economics.
Die gebürtige Albanerin gilt schon heute als eine der grossen Denkerinnen des 21. Jahrhunderts und befasst sich mit Themen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung. Das Ehrenpräsidium des Tages wird von Swiss Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold und dem ehemaligen Fribourg Gottéron-Präsidenten Hubert Waeber gemeinsam übernommen.
Die Fakultät für Erziehungs- und Bildungswissenschaften verleiht ihr Ehrendoktorat 2026 Fabrizio Bucella, einem begnadeten Wissenschaftsvermittler. Mit seinem spielerischen, aber auch pädagogischen Ansatz präsentiert er Wissenschaft auf unterhaltsame, ja sogar humorvolle Weise. Seine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen formalen Wissenschaften, Natur- und Geisteswissenschaften.
Seine Podcasts liefern didaktische Ideen und erreichen junge Menschen, die so auch ausserhalb ihrer Schulbildung mit Paradoxien und Fragestellungen rund um Physik und Mathematik in Kontakt kommen.
Politische Handlungsfähigkeit und globale Gerechtigkeit
Die Philosophische Fakultät verleiht Lea Ypi die Ehrendoktorwürde für ihre herausragenden Leistungen in der politischen Philosophie, der Zeitgeschichte und der Politikwissenschaft. In ihrem Werk verbindet Ypi, Ordentliche Professorin und Mitglied der British Academy, politische Philosophie, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft. Neben Freiheit und Gerechtigkeit befasst sie sich mit politischer Handlungsfähigkeit, globaler Gerechtigkeit, Migration, Parteien und Demokratie sowie mit Fragen der Verantwortung.
Diese Interessen prägen auch ihre zwei Bestseller, mit denen Ypi international bekannt wurde. Beide Bücher betten philosophische Fragen in autobiografische Erfahrungen ein. In «Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte» erzählt Ypi von ihrer Kindheit und Jugend im sozialistischen Albanien, in einer Familie, die beim Regime als politisch unzuverlässig galt.
1991 erlebte sie den Umbruch von der sozialistischen zur kapitalistischen Gesellschaft; innerhalb kürzester Zeit veränderten sich die Vorstellungen von Wahrheit und Freiheit grundlegend.
Das zweite Buch, «Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme», nimmt die Geschichte ihrer Grossmutter als Ausgangspunkt. Da die Quellen zur Geschichte der Frauen oft lückenhaft oder gar nicht vorhanden sind, greift sie auf literarische Fiktion zurück, um die Lücken dieser Biografie zu schliessen und zu zeigen, wie das Leben in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches und im jungen albanischen Staat ausgesehen haben könnte.
Journalistin und messianisch-jüdischer Theologe ausgezeichnet
Susanne Brunner bekommt das Ehrendoktorat honoris causa von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Ihre Stimme ist der SRF-Hörerschaft insbesondere durch die Auslandberichterstattung über den Nahen Osten bekannt.
Mit der Auszeichnung würdigt die Fakultät ihr jahrzehntelanges Engagement für einen professionellen, engagierten und mutigen Radiojournalismus sowie ihren besonderen Beitrag zur Verwirklichung der Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit.
Die Theologische Fakultät verleiht Mark S. Kinzer den Titel eines Doctor honoris causa. Sein Werk trägt zu einem besseren Verständnis der frühen Jesusbewegung und ihrer pluralen religiösen Identität bei. Kinzer wendet sich dezidiert gegen jede Form von Antijudaismus und bietet neue Impulse für das Selbstverständnis der katholischen Kirche und ihrer jüdischen Wurzeln auf der Basis des II. Vatikanischen Konzils.
Verhaltensökonomin und Modelleisenbahnbauer
Die international renommierte Forscherin Marie Claire Villeval bekommt die Ehrendoktorwürde von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Die emeritierte Forschungsdirektorin am CNRS (Centre national de la recherche scientifique / Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) hat unser Verständnis von individuellem und kollektivem Verhalten, Anreizen, sozialen Normen und Kooperation grundlegend erneuert.
Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und Medizinische Fakultät schliesslich verleiht den Zwillingsbrüdern Frederik und Gerrit Braun die Ehrendoktorwürde. Sie haben das Miniatur Wunderland in Hamburg gegründet und aufgebaut, die weltweit grösste Modelleisenbahnanlage. Ihre Leistung verbindet Modellbau, Informatik, Elektronik und Systemtechnik miteinander.
Mit der Auszeichnung würdigt die Fakultät zwei Persönlichkeiten, deren Arbeit die Verbindung von technischem Verständnis, interdisziplinärem Denken und praktischer Umsetzung veranschaulicht.
Der «Dies» 2026 würdigt ein unvergessliches Freiburger Sportjahr
Als die Themenwahl für den Dies Academicus 2026 auf den Sport fiel, war der HC Fribourg-Gottéron noch nicht Schweizer Meister, die Eishockey-WM erst in Planung und Audrey Werro noch nicht 800m-Europameisterin. Es ist daher besonders erfreulich, dass mit Swiss Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold und dem ehemaligen Fribourg Gottéron-Präsidenten Hubert Waeber gleich zwei Persönlichkeiten des Schweizer Sports für das Ehrenpräsidium des Tages gewonnen werden konnten.
Die Feier im Forum Fribourg mit den traditionellen akademischen Preisen wird dieses Mal durch eine Podiumsdiskussion ergänzt. An dieser nehmen aktuelle und ehemalige Athletinnen und Athleten teil, die in ganz unterschiedlichen Funktionen dem Sport verbunden geblieben sind.











