Kanton Thurgau: Forschungspreis für Arboner Robotik-Forscher
Maximilian Stölzle aus Arbon TG erhält den Forschungspreis Walter Enggist 2026 für seine Arbeit zu weicher Robotik.

Die Preise werden am 16. September 2026 in Frauenfeld verliehen.
Auf die Ausschreibung des Forschungspreises Anfang Jahr ging erneut eine Reihe von sehr guten und thematisch vielfältigen Arbeiten ein. Die unabhängige Beurteilungskommission unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener hat entschieden, den diesjährigen Forschungspreis an Dr. Maximilian Stölzle zu verleihen. Der in Arbon aufgewachsene Wissenschaftler ist Postdoktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Stölzle beschäftigt sich in seiner Forschung mit weicher Robotik. Klassische Roboter sind präzise und leistungsfähig, bestehen aber meist aus starren Bauteilen. Weiche Robotik verfolgt einen anderen Ansatz: Solche Roboter können Kräfte abfedern, sich an ihre Umgebung anpassen und empfindliche Objekte vorsichtiger berühren.
Die zentrale Herausforderung ist jedoch, dass weiche Roboter bisher oft weniger präzise und zuverlässig zu steuern sind als starre Roboter. Stölzles Dissertation mit dem Titel «Safe yet precise soft robots: Incorporating physics into learned models for control» enthält Methoden, um weiche Roboter besser zu modellieren und zu regeln. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von weichen Robotern, die nicht nur sicher, sondern auch präzise einsetzbar sind.
«Maximilian Stölzles Arbeit verbindet das Thema weiche Robotik mit dem Aspekt der künstlichen Intelligenz. Damit ist sie hochaktuell und von grosser Relevanz», sagt Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener. Dem Preisträger gelinge es auf hervorragende Weise, die Resultate seiner Arbeit verständlich darzustellen und die Leserschaft mitzunehmen. Mit dem Preis würdigt die Beurteilungskommission zudem eine beeindruckende Karriere eines jungen Thurgauer Wissenschaftlers: Stölzle hat an der Kantonsschule Romanshorn die Matura absolviert, an der ETH Zürich Maschinenbau studiert und an der Delft University of Technology promoviert, ehe ihn sein Weg an das Massachusetts Institute of Technology führte.
«Den Forschungspreis Walter Enggist zu erhalten, bedeutet für mich eine besondere Anerkennung dafür, dass Forschung an sicheren, menschennahen Robotern gesellschaftlich relevant ist. Der Preis bestärkt mich darin, diese Arbeit weiterzuführen und Grundlagenforschung mit realen Anwendungen zu verbinden», sagt Maximilian Stölzle. Das Preisgeld will der Wissenschaftler für ein neues Forschungsprojekt zum Co-Design von weichen Robotern und Greifern einsetzen, etwa für Anwendungen wie die schonende automatisierte Obsternte.
Depressive Symptome in der Schwangerschaft erforscht
Der Nachwuchsforschungspreis der Thurgauischen Stiftung für Wissenschaft und Forschung geht dieses Jahr an Dr. Gianna Zorzini. Sie wird für ihre Dissertation mit dem Titel «(Epi-)genetics of estrogen receptor genes and perinatal depressive symptoms» ausgezeichnet, in der sie (epi-)genetische Marker der Östrogensensitivität im Zusammenhang mit depressiven Symptomen während der Schwangerschaft und im Wochenbett untersucht.
Der Forschungspreis Walter Enggist sowie der Nachwuchsforschungspreis der Thurgauischen Stiftung für Wissenschaft und Forschung werden im Rahmen einer öffentlichen Feier verliehen. Diese findet am Mittwoch, 16. September 2026, im Singsaal im Hauptgebäude der Kantonsschule Frauenfeld statt und beginnt um 19 Uhr. Um eine Anmeldung unter forschungspreis.tg.ch wird gebeten.
Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft
Das Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft wurde 2012 ins Leben gerufen. Das Netzwerk vereinigt inzwischen 21 wissenschaftlich arbeitende Institutionen im Kanton Thurgau. Es macht ihre Arbeit im Thurgau sichtbar, indem es zum Beispiel im monatlichen Newsletter darüber berichtet.
Im Jahr 2019 vergab das Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft erstmals den Forschungspreis Walter Enggist. Der Preis wird mit Mitteln finanziert, die das Amt für Archäologie und die Kantonsbibliothek Thurgau – beides Mitglieder des Kompetenzbündels Thurgau Wissenschaft – aus der Erbschaft des im Jahr 2016 verstorbenen Frauenfelders Walter Enggist zur Verfügung stellen.
Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Die Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung wurde 1999 durch den Regierungsrat gegründet. Sie ist Trägerin von vier Thurgauer An-Instituten an den Konstanzer Hochschulen. Seit 2019 vergibt die Stiftung einen Nachwuchsforschungspreis, mit dem hervorragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses im Kanton Thurgau prämiert werden.










