In den nächsten Tagen starten im Ostern Berns die Bauarbeiten, welche die Pannenstreifen der Autobahn A6 bei Staus benutzbar machen. Auch wird der Lärmschutz ausgebaut. Im Herbst 2023 sollen Automobilistinnen und Automobilisten die Pannenstreifen bei Staus befahren können.

Wie Vertreter des Bundesamts für Strassen (Astra) am Dienstag an einem Medientreffen vor Ort bekanntgaben, hat ein Anwohner, welcher das Projekt bis vor Bundesverwaltungsgericht bekämpfte, seine Opposition nicht bis ans Bundesgericht weitergezogen. Deshalb können die Bauarbeiten beginnen.

Bevor die Pannenstreifen bei Staus für den Verkehr freigegeben werden, braucht es verschiedene Bauarbeiten: Es müssen insgesamt 44 Masten über die Fahrbahn gezogen werden - für die zahlreichen Signale und Sensoren, welche die sogenannte Pannenstreifen-Umnutzung (PUN) erst möglich machen.

Auch braucht es neuen Nothaltebuchten, damit Pannenfahrzeuge bei freigegebenen Pannenstreifen anhalten können. Die Pannenstreifen selber müssen ebenfalls baulich angepasst werden. Aus Platzgründen können die Pannenstreifen zwischen Wankdorf und Ostring nur in Fahrtrichtung Thun angepasst werden, zwischen Ostring und Muri dagegen in beide Richtungen.

In der Schweiz gibt es laut der Astra-Internetseite bisher drei Autobahnteilstücke, auf welchen Automobilistinnen und Automobilisten bei Staus auf den Pannenstreifen ausweichen dürfen: zwei in der Region Lausanne, eines in der Region Winterthur. Jenes bei Bern wird also das vierte sein.

Auf solchen Autobahnabschnitten zeigen elektronische Signale über der Fahrbahn mit einem grünen Pfeil an, welche Fahrbahnen genutzt werden können - unter Umständen eben auch der Pannenstreifen.

Erscheint über dem Pannenstreifen ein grüner Pfeil, dürfen die Verkehrsteilnehmerinnen und -nehmer die ausgezogene Randlinie zum Pannenstreifen überqueren. Denn gemäss Signalisationsverordnung gehen Lichtsignale den Markierungen vor.

Die PUN ist eine von mehreren Massnahmen des Astra gegen die Verkehrsüberlastung auf dem Nationalstrassennetz. PUN verflüssige den Verkehr, erhöhe die Sicherheit und senke die Umweltbelastung, sagt das Astra.

Anfang 2012 gab die damalige Verkehrsministerin Doris Leuthard bekannt, im Kampf gegen Staus auf den Autobahnen würden bis ins Jahr 2020 auf 125 Autobahnkilometern die Pannenstreifen bei Staus für den Verkehr freigegeben. Ein Pilotprojekt bei Lausanne habe gute Resultate ergeben.

Auf der A6 bei Muri sollte die PUN ursprünglich schon 2015 bereit stehen, doch zog sich das Verfahren - wie andernorts - in die Länge.

Der Bund investiert 145 Millionen Franken in die Anpassung und Erneuerung der A6 zwischen Bern-Wankdorf und Muri. 15 Millionen Franken fliessen in die PUN. 30 Millionen kostet die Erneuerung der Lärmschutzwände und 100 Millionen Franken werden in die Erneuerung der Autobahn gesteckt.

Denn das Astra will die A6 in diesem Raum fit machen bis zur Inbetriebnahme des geplanten Bypasses Bern-Ost, wie der Chef der Astra-Filiale Thun, David Wetter, am Dienstag in Bern vor den Medien sagte.

Nötig ist beispielsweise die Verstärkung der heute statisch ungenügenden Brücke über den Berner Freudenbergplatz. Auch baut das Astra bei diesem Platz neue, überkragende Lärmschutzwände, welche ein stabileres Fundament benötigen. Und beim Muriger Thorackerquartier wird eine neue Lärmschutzwand erstellt.

Nicht zuletzt wird ein neuer, lärmarmer Fahrbahnbelag eingebaut, welcher zu Beginn die Lärmentwicklung um die Hälfte reduziert. Mit der Zeit reduziert sich die Wirkung solcher lärmarmer Beläge.

Die Hauptarbeiten beginnen am 5. Juli. Bereits ab dem 28. Juni wird schrittweise eine neue Verkehrsführung eingerichtet. Dazu werden zum Teil einzelne Fahrspuren abgesperrt.

Die A6 wird aber während der Bauarbeiten grundsätzlich vierspurig befahrbar sein, aber mit reduzierter Spurbreite. Teilweise wird Höchstgeschwindigkeit 60 gelten. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni wird wegen der Demontage eines alten Signalträgers der Anschluss Muri gesperrt.

http://www.pannenstreifen-a6.ch

Autobahn
Blick auf die A6. - dpa/AFP/Archiv

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