Kanton Bern: Ernährungsinitiative bedroht Betriebe – Regierung sagt Nein
Der Regierungsrat lehnt die Ernährungsinitiative ab. Im Kanton Bern wären wegen der wichtigen Tierhaltung in Hügel- und Berggebieten viele Betriebe bedroht.

Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» verlangt Massnahmen zur Erhöhung der inländischen Lebensmittelproduktion und zur Sicherung der Trinkwasserressourcen. Die Landwirtschaft soll auf die Produktion und den Konsum von pflanzlichen statt tierischen Lebensmitteln ausgerichtet werden. Zudem fordert die Initiative Massnahmen zum Erhalt der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit.
Kanton Bern wäre stark betroffen
Die Auswirkungen bei einer Annahme der Initiative wären im Kanton Bern besonders stark spürbar. Denn die Landwirtschaft hat hier eine überdurchschnittliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Vor allem in Hügel-, Berg- und Alpgebieten ist die Tierhaltung wichtig, weil sich die landwirtschaftlichen Flächen dort nicht für den Ackerbau eignen.
Kühe, Schafe und Ziegen fressen das dort wachsende Gras und machen es so in Form von Milch und Fleisch für die menschliche Ernährung nutzbar. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die Kulturlandschaft zu erhalten. Weil die Initiative eine stärkere Ausrichtung der Landwirtschaft auf pflanzliche Lebensmittel sowie eine markante Erhöhung des Selbstversorgungsgrads verlangt, wären viele Landwirtschaftsbetriebe in ihrer Existenz bedroht oder sie müssten ihre Produktion komplett neu ausrichten.
Anliegen der Initiative werden teilweise berücksichtigt
Der Regierungsrat unterstützt grundsätzlich die Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2030 (AP30+), die der Bundesrat voraussichtlich im Herbst 2026 in die Vernehmlassung geben wird. Damit werden die Wertschöpfung in der Land- und Ernährungswirtschaft gestärkt und die landwirtschaftlichen Betriebe administrativ entlastet. Gleichzeitig soll die Vorlage die Ernährungssicherheit erhöhen und den ökologischen Fussabdruck der Branche reduzieren – zentrale Anliegen der Initiative –, dies jedoch mit erreichbaren Zielen und einem realistischen Zeitrahmen.










