Derzeit muss sich die FDP Bern-West mit Sparvorschlägen der Stadt Bern auseinandersetzen. Laut der Partei leiden vor allem Angebote für die ärmere Bevölkerung.
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Teilen sich das Präsidium der Sektion Bern-West: Thomas Verasani und Yvonne Thomet. - z.V.g.

Die Zahlungen an das Mütterzentrum Bern West-Bethlehem oder die Unterstützung für die örtliche Ludothek sollten gestrichen werden - dies sind Folgen des Sparangebots der Stadt Bern, mit welchen sich die FDP Bern-West derweil auseinandersetzt.

Thomas Verasani ist Co-Präsident der Sektion Bern-West und seit 2012 Mitglied der FDP. Im Interview mit Nau spricht er über die Anliegen seiner Partei und welche Alternativen er zu den jetzigen Kürzungen vorschlagen würde.

Nau.ch: Wofür setzt sich Ihre Partei im Allgemeinen ein?

Wir setzen uns ein für ein fittes Bern mit zeitgemässen Bildungs- und Freizeitangeboten, Wirtschaftspolitik und Gemeindestrukturen ein. So engagierten wir uns beispielsweise für das neue Hallenbad in Bern.

Auch setzen wir uns für ein freies Bern mit Wahlfreiheit in einer offenen Gesellschaft, im Wohnungswesen und für alle Verkehrsteilnehmenden ein und sind besorgt um ein sicheres Bern mit Sicherheit für alle sozialen Schichten. Die Mitglieder der FDP beteiligten sich zum Beispiel an Mitwirkungsgeschäften wie dem Hochwasserschutz Aare Bern.

Die FDP hat sich ebenso stark gemacht für Betreuungsgutscheine für die Betreuung in Kitas oder Tagesschulen.

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Der Vorstand der FDP Sektion Bern-West. - z.V.g.

Nau.ch: Welche Anlässe stehen in nächster Zeit auf dem Programm?

In den Sektionen Bern-West ist dieses Jahr am 22. Dezember ein Jahresrückblick geplant. Einmal pro Monat gibt es in der Regel den Austausch «Offenes Bier» in einem Restaurant.

Im Mai machen wir einen Maibummel und besichtigen jeweils im Westen der Stadt in Form von einer Wanderung die Punkte, die in nächster Zeit stark von Veränderungen und Weiterentwicklungen im Quartier betroffen sind.

Zum Beispiel besichtigen wir Standorte von neuen Wohnbau-Projekten, Verkehrsführungen oder Ähnlichem.

Letzten September hatten wir bereits zum vierten Mal eine Standaktion am Bümpliz Märit, an welchem wir gebrannte Mandeln produziert und verteilt haben. Den Stand riecht man jeweils schon am Morgen früh im ganzen Quartier.

Nau.ch: Welche Themen beschäftigen Ihre Partei aktuell?

Es gibt diverse Themen, die uns über eine sehr lange Zeit begleiten. Um ein paar zu nennen, sind dies Beispielsweise der Standort der BLS-Werkstätte, die Schulwegsicherung Riedbach oder die Finanzierung der sozialen Infrastruktur.

Gewisse Themen sind nicht so einfach zu lösen, wie man dies gerne hätte. Das letzte und dieses Jahr haben uns die «Sparvorschläge» der Stadt Bern zusätzlich beschäftigt. Die Stadt Bern hat darüber nachgedacht, z. B. den Friedhof zu schliessen.

Die Zahlungen an das Mütterzentrum Bern West-Bethlehem sollten eingestellt werden oder die Unterstützung für die Ludothek sollte gestrichen werden.

Solche Ankündigungen lösen eine grosse Unruhe im Stadtteil aus. Hier würden wir uns wünschen, die Stadt würde mit mehr Fingerspitzengefühl handeln.

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Standaktion in blau. - z.V.g.

Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, wenn Zahlungen an Angebote, die nicht genutzt werden oder keinen Mehrwert bringen, gestrichen werden; die Gesellschaft entwickelt sich schliesslich weiter.

Bei diesen Aktionen handelt es sich jedoch um kostengünstige Unterstützung, welche der Stadt mittel- und langfristig viel Geld sparen. Das Stadt-Budget – welches ins Minus rutscht – entwickelt sich nicht positiver, wenn man bei den Ärmsten spart.

Die Gelder für diese einfachen, aber sehr hilfreichen Angebote sind nicht nur gut investiert, die Geldsumme ist auch sehr gering. Dieses Geld ist ein wichtiger Beitrag für die entsprechenden Organisationen und das Minimum an Wertschätzung und Respekt, das eine Stadt erbringen kann.

In solchen Themen würde ich mir etwas Ruhe wünschen. Ich denke, es wäre seitens Stadt intelligenter, Besucherzahlen und Kostenstrukturen zu erheben und diese als Diskussionsgrundlage zu nutzen, bevor man «Sparvorschläge» ins Rennen schickt.

Was ist die Stadt Bern eigentlich bereit, pro Tag für welche Anzahl an Personen auszugeben? Diese Rundumschläge, die dann doch wieder zurückgezogen werden, schaffen unnötigerweise eine Unruhe.

Nau.ch: Was gefällt Ihnen an der Region besonders?

Der Westen bietet viel Grünfläche! Schnell ist man im Wald oder in einem Park. Im Westen der Stadt kann man sich einfach wohlfühlen.

Trotzdem ist man in kurzer Zeit im Zentrum. Die verkehrstechnische Erschliessung ist grossartig.

Nau.ch: Wie steht es um den Nachwuchs in Ihrer Partei? Wie motivieren Sie den Nachwuchs für die Politik?

Die Jugend ist politisch sehr interessiert. Es freut mich, wenn sich junge Menschen für die Politik begeistern und sich in der Partei beteiligen.

Eine aktive Akquise betreiben wir nicht; das könnte in der Politik auch kontraproduktiv sein. Bei der FDP findet man ein breites Spektrum von Meinungen und kann sich so mit Gleichgesinnten austauschen. Viele Jungen schätzen den konstruktiven Austausch auf Augenhöhe.

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An der Standaktion im September verkaufen die Parteimitglieder frisch gebrannte Mandeln. Thomas Verasani (links) behält den Vorgang im Auge. - z.V.g.

Die jungen Politikinteressierten schliessen sich daher dem Jungfreisinn an. Sie können vergünstigt Mitglied in der Sektion werden und erhalten die bestmögliche Unterstützung. Später treten diese der FDP bei. Wir besuchen, wenn es die Zeit zulässt, gegenseitig die Anlässe.

Nau.ch: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Partei?

Ich bin schon länger Mitglied in der Partei und habe die vielen Veränderungen miterlebt; zum Beispiel 2009, als sich der Freisinn mit den Radikalen und Liberalen zusammenschloss.

Für mich war klar, dass damit die Meinungsvielfalt innerhalb der Partei geöffnet wurde. Ich habe diese Fusion unterstützt, weil ich finde, dass sie die Partei bereichert.

Die Meinungsbildung und die Ideen entstehen im Austausch; nicht an einer Versammlung oder während Vorträgen. Daher: Möglichst viel Zeit für den Austausch unter den Mitgliedern, aber auch mit (politisch) Interessierten.

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