Autoverkäufer und Holzfäller verantworteten Brandschutz
Der Brandschutz in Crans-Montana steht massiv in der Kritik. Statt rund 500 gesetzlich vorgesehenen Kontrollen wurden jährlich nur 120 durchgeführt.

Das Wichtigste in Kürze
- Der frühere Sicherheitschef verfügte über keine klassische Brandschutz-Ausbildung.
- Nach einem IT-Zwischenfall gingen wichtige Kontrolldaten verloren.
- Statt rund 500 Kontrollen pro Jahr wurden nur 119 durchgeführt.
Nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» mit 41 Toten gerät der kommunale Brandschutz in die Kritik. Im Zentrum stehen zwei frühere Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde.
Der bis Anfang 2024 zuständige Leiter Simeon J. erklärte bei seiner Einvernahme am Montag, er habe ursprünglich eine Ausbildung als Holzfäller absolviert.

Im Anschluss habe er zwölf Jahre als Lokführer gearbeitet. Wie die «Sonntagszeitung» berichtet, habe er eine umfassende brandschutztechnische Ausbildung erst nachträglich in Kursen erworben. Ein formelles Pflichtenheft für seine Tätigkeit habe es nicht gegeben.
Zu seinem Aufgabenbereich gehörten laut Protokoll nicht nur Baugesuche und Kontrollen, sondern auch Feuerwerksbewilligungen sowie Unterhaltsarbeiten. So war der Sicherheitsverantwortliche auch für das Mähen von Wiesen zuständig. Mehrfach habe er intern auf fehlende personelle Ressourcen hingewiesen.
Daten gehen wegen IT-Kollaps verloren
Erschwerend kam ein Informatikproblem hinzu. Das damals verwendete Verwaltungssystem wurde nach einem Sicherheitsvorfall gesperrt.
Dabei gingen zahlreiche gespeicherte Dokumente und Fotos verloren. Zurück blieb lediglich eine unvollständige Excel-Datei mit Textvermerken.
Der neue Sicherheitschef Christoph B. übernahm den Posten im Mai 2024. Zuvor war er als Autoverkäufer und Immobilienmakler tätig. 2017 habe er die Prüfung zum Brandschutzfachmann absolviert.
«Wie 85 Prozent der Kandidaten bin ich durchgefallen», sagte er in der Einvernahme. Trotzdem wurde er eingestellt. Er fand laut eigenen Aussagen eine lückenhafte Dokumentation vor und musste zunächst Personal rekrutieren und ein neues Kontrollsystem aufbauen.
Hunderte Kontrollen fehlen
Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, wären jährlich rund 500 Kontrollen notwendig gewesen. Tatsächlich wurden nur 119 Besuche durchgeführt. Dazu gehören auch Neueröffnungen und Nachkontrollen.
Für die betroffene Bar war die nächste periodische Kontrolle erst für April 2026 geplant, obwohl jährliche Überprüfungen vorgesehen sind.
Wie Recherchen der Zeitung zeigen, wurden über Jahre hinweg personelle Engpässe und organisatorische Defizite nicht behoben. Gemeinde und Kanton Wallis schieben sich nun gegenseitig die Verantwortung zu.
Nach der Katastrophe wurden die Kontrollen verstärkt, einzelne Betriebe geschlossen. Dennoch bleibt die Frage, warum die strukturellen Probleme über so lange Zeit bestehen konnten.















