«Natur braucht Stadt» ist das Motto des Themenjahres 2021 von Botanischem Garten und Stadtgrün Bern.
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Die Stadt Bern. (Archivbild) - sda

Mit dem Motto: «Natur braucht Stadt», beteiligen sich die Kommission Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) mit drei Kunstprojekten, die sich mit dem Thema Biodiversität auseinandersetzen. Den Auftakt macht das Projekt «Nischen» der Konzeptkünstlerin und Autorin Tine Melzer, zu sehen noch bis in den Herbst.

Biodiversität und (Arten-)Vielfalt sind Phänomene, die neben der naturwissenschaftlichen Perspektive auch gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung haben. Das Themenjahr «Natur braucht Stadt» zeigt auf, wie Lebensräume regeneriert oder neu angelegt werden können, in denen Vielfalt der Natur möglich und sichtbar wird. Auf Einladung der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum hat die Kunstschaffende Tine Melzer dazu ein Projekt entwickelt.

Entlang der Stadtspaziergänge des Themenjahrs von Stadtgrün und Botanischem Garten und rund um die Kleine Schanze, den Rosengarten, die Kornhausbrücke, den Helvetiaplatz und in Bümpliz verteilte sie insgesamt rund achtzig Emaille-Schilder. In knappen Sätzen und Wortreihen benennt Tine Melzer darauf seltene und vom Aussterben bedrohte Arten in Bern und setzt sie in Bezug zu den spazierenden Menschen. Die Poesie dieser Eigennamen und oft mehrdeutigen Aussagen erschafft eigene Wortfelder und ruft Flora, Fauna und Pilze in der Vorstellungskraft mitten im Stadtraum hervor.

Die Künstlerin und Dozentin an der Hochschule der Künste Bern nennt ihr Projekt «Nischen». Die Nische bezeichnet in der Biologie die Bedingung, unter welchen sich ein Lebewesen erhalten und fortpflanzen kann. Nischen sind geschützte Stellen, an denen man oft unaufmerksam vorbeigeht: Sie sind leicht zu übersehen, verschiedenartig, an überraschenden Orten. Nischen sind gleichzeitig überall und nirgends, werden gefunden, nicht gesucht.

Die Vielfalt der Nische interessiert die Künstlerin hier in zweierlei Hinsicht: als Biodiversität, aber auch als Vielfalt der Sichtweisen und Deutungen. «Ohne Biodiversität wird der Mensch nicht dauerhaft überleben», sagt Tine Melzer. «Und ohne Mehrdeutigkeit wird sie kulturell verarmen.» Die Bedeutung von Sätzen erschliesst sich allen individuell – und unterschiedlich, zum Beispiel je nach Kontext und Vorkenntnissen. Sie können die Lesenden die Stadt neu und anders sehen und erleben lassen.

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