Ein DeLorean aus «Zurück in die Zukunft», ein BMW von 1936, ein Renault R4, ein Porsche 911, ein Mercedes Strich-Acht oder ein Audi A80 - haben eins gemeinsam: Sie sind alt und fahren mit einem Verbrennermotor. Diese Dinosaurier ins Elektrozeitalter hinüberzuretten, hat sich eine ganze Reihe von Unternehmen zur Aufgabe gemacht.
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Ein Oldtimer in Hamburg (Symbolbild) - Pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Einbau eines surrenden Elektromotors schenken sie den röhrenden Oldtimern ein zweites Leben.

«Aus Sicht der Umwelt sind die umgerüsteten Autos unschlagbar, weil die Karosserie ja schon produziert wurde und das Auto elektrisch weitere 20 bis 30 Jahre weiterfahren kann», sagt Marco Lorey. Er gehört zu den Pionieren in der Branche, ist seit 14 Jahren im Geschäft und hat in dieser Zeit rund 160 Fahrzeuge mit Batterien ausgestattet.

Seine Firma Lorey Maschinenbau aus dem deutschen Offenbach rüstet die alten Autos schon für wenige Tausend Euro um. Doch es geht auch teuer: Die britische Lunaz verkauft einen umgebauten Aston Martin DB6 für eine Million Pfund. Die niederländische Voitures Extravert hat einen auf Elekro getrimmten Porsche 911 aus den 60er Jahren für 300'000 Euro (gut 312'000 Franken) im Angebot.

Fortschritte in der Batterietechnik und der Preisverfall haben der kleinen Branche in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom beschert. Gerade seit Ausbruch der Corona-Krise habe die Nachfrage angezogen, sagt Lorey, «ob es daran liegt, dass die Leute Zeit haben, weiss ich nicht». Dazu kommt, dass der Klimawandel immer mehr Autokäufer zu Elektrofahrzeugen greifen lässt und zugleich immer mehr Städte alte Dieselfahrzeuge verbannen.

Eine Vielzahl von Startups versucht, in das Geschäft mit umgerüsteten Autos einzusteigen. «Es ist im Moment ziemlich revolutionär», sagt Mark Roberts, der 30 Jahre lang beim Sportwagenbauer McLaren gearbeitet hat und nun für das britische Startup Charge Cars tätig ist. «Fast jeden Monat erscheinen neue Firmen, und man weiss nicht, wer in einem Jahr schon weg ist oder auf Dauer bleibt.»

Charge Cars will nächstes Jahr 499 elektrische Mustangs aus den 60ern auf den Markt bringen, als Replika, zum Preis von 300'000 Pfund (368'000 Franken) und mehr. Den ursprünglichen Plan, Oldtimer umzubauen, hat das Unternehmen aufgegeben und stattdessen Neuwagen konstruiert. «Traditionelle Hersteller wie Porsche können es sich leisten, auch mal Fehler zu machen», sagt Firmenchef Vadim Shageleev. «Wir nicht.»

Rivale Lunaz, seit drei Jahren auf dem Markt, sieht ebenfalls Klassiker als guten Anfangspunkt. Allein in den USA seien fünf Millionen derartige Autos unterwegs, die eine Umrüstung brauchen könnten. Die Zukunft liegt aber in Nutzfahrzeugen, glaubt das Unternehmen, und baut derzeit eine neue Fabrik in Silverstone in der Mitte Englands, wo mehr als 1000 Müllfahrzeuge pro Jahr mit Batterien ausgestattet werden sollen. «Oldtimer waren die Zündung, um uns auf den Markt zu bringen», sagt Gründer David Lorenz. «Aber wenn man wirklich einen Unterschied machen will, muss man grösser denken.»

In Frankreich denkt Transition-One dagegen eher an Kleinwagen. Ein Elektro-Bausatz, der einschliesslich der staatlichen Förderung nur noch 5000 Euro (5200 Franken) kostet, soll für Fahrzeuge wie den Fiat 500 oder den Renault Clio auf den Markt gebracht werden, die Umrüstung sollen dann Vertragswerkstätten erledigen.

Das typische Auto für einen Umbau in seinem Haus seien der Renault R4 oder die Ente, sagt auch Umbau-Pionier Lorey. «Bei den Autos kommt beim Verbrauch kein anderes Auto in die Nähe.» Zehn Kilowattstunden pro 100 Kilometern seien möglich, das ist deutlich weniger als bei vielen modernen Fahrzeugen.

Angst, dass die umgerüsteten Fahrzeuge schnell altern, müsse man nicht haben, sagt Lorey. Die Autos, die er als erste umgerüstet habe, seien immer noch mit dem ersten Akku unterwegs. In der Oldtimerszene komme der Umbau jedenfalls gut an. «Es ist ein Umdenken in Gang. Wir tun dem Auto ja nichts Böses an, sondern holen es auf die Strasse zurück.»

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