Es wird wohl ein unterdurchschnittliches Windjahr in Deutschland mit entsprechend wenig Windstrom: Im ersten Halbjahr waren die Windkraftanlagen nur zu einem Fünftel ausgelastet, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte.
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Offshore-Windenergie - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Experte: Stürmischer Herbst kann Rückstand nicht mehr ausgleichen .

Auch ein stürmisches viertes Quartal könne diesen Rückstand bis Jahresende nicht mehr ausgleichen, sagte der Energieexperte von Aurora Energy Research, Hanns Koenig, der Nachrichtenagentur AFP.

«Wir haben ein schlechtes Windjahr, aber das ist auch nichts extrem ungewöhnliches» sagte Koenig. In der Regel seien das erste und das vierte Jahresquartal am windstärksten. Aktuell liege die Windkraftproduktion jedoch so weit unter dem langjährigen Durchschnitt, dass ein Aufholen bis zum Ende des Jahres unwahrscheinlich sei.

Schwankungen von Monat zu Monat und Jahr zu Jahr sind normal. So hatte das Orkantief «Sabine» im Februar 2020 laut Statistischem Bundesamt mit seinen starken Sturmböen dafür gesorgt, dass die Windkraftanlagen in dem Monat knapp zur Hälfte (47,0 Prozent) ausgelastet waren. Im windarmen Juni 2021 lag der Nutzungsgrad dagegen bei nur 9,7 Prozent, das war der schwächste Wert seit Beginn der Erhebung im Januar 2018.

Das aktuell stürmische Wetter und ein windreicher Herbst können die Preise auf dem Strommarkt beeinflussen: «Wenn es gerade windig ist an einem bestimmten Tag, werden weniger Gaskraftwerke benötigt und die Preise sind tendenziell niedriger», sagte Koenig AFP. Über das Jahr hinweg glichen sich diese Preisschwankungen jedoch grösstenteils aus.

Der Anteil von Windstrom in Deutschland soll zur Erreichung der Klimaziele steigen. Im Jahr 2019 sank der Umsatz mit der Herstellung, Installation und Wartung von Windkraftanlagen allerdings um rund ein Viertel im Vorjahresvergleich auf 9,6 Milliarden Euro, wie das Statistikamt weiter mitteilte. Der Bau der Anlagen werde dabei von vielen Faktoren beeinflusst, etwa von Genehmigungsverfahren, Mindestabstandsregeln zwischen Wohnsiedlungen und Windrädern oder auch der Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Umsatz mit Solaranlagen dagegen stieg 2019 laut Statistikamt um 10,3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro an. Die im ersten Halbjahr bestehenden Photovoltaikanlagen hatten demnach von Januar bis Juli einen durchschnittlichen Nutzungsgrad von 10,5 Prozent. Der höchste Grad lag demnach im Juni 2019 mit einem Sonnenstundenrekord bei 19,5 Prozent.

Wetterunabhängig dagegen sind Biogas-Anlagen. Sie erreichten den Angaben zufolge im ersten Halbjahr knapp 57 Prozent der möglichen Volllast.

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