Die in Deutschland geforderte Vermögensteuer soll laut neuer Berechnungen der Wirtschaft schaden. Dabei gibt es aber auch Widerspruch.
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Die SPD, Grüne und Linke fordern in Deutschland eine Vermögensteuer. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Berechnungen des Ifo-Instituts schadet eine Vermögenssteuer der deutschen Wirtschaft.
  • Das BIP würde nach acht Jahren um bis zu 6,2 Prozent niedriger sein.
  • Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht die Folgerungen aber als «falsch».

In Deutschland wollen die SPD, Grüne und Linke die Vermögensteuer einführen. Sie soll Vermögende und Unternehmen dazu bringen, eine Extraabgabe beizusteuern. Doch ist sie wirtschaftlich sinnvoll? Nein, sagt das Ifo-Institut aus München.

Das Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München machte zuletzt Berechnungen zu den Folgen der Steuer. Es kommt zum Schluss, dass diese in den nächsten Jahren das Wachstum der deutschen Wirtschaft stark bremsen könnte.

Vermögensteuer senkt laut Ifo-Institut das Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt würde laut Simulationsrechnung nach acht Jahren um bis zu 6,2 Prozent niedriger sein, meint Clemens Fuest. Der Ifo-Präsident wird im «Spiegel» zitiert: «Weil die Steuer nur aufwendig zu erheben und teilweise zu umgehen sein wird, könnte das Aufkommen aus dieser Steuer weit hinter den Erwartungen zurückbleiben.»

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Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts, gibt eine Pressekonferenz. Er warnt vor der Vermögensteuer. - keystone

Könnte die Vermögensteuer aber nicht umgangen werden, «würden Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in Deutschland Schaden nehmen». Dies würde schliesslich den Zufluss aus anderen Steuerquellen senken können. Zudem sei es nicht mehr so attraktiv, Investitionen zu tätigen und Kapital aufzubauen.

DIW-Präsident hält Studie für «unvollständig» und «falsch»

Nicht einverstanden mit den Resultaten ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Präsident Marcel Fratzscher sieht die Studie des Ifo-Instituts als «unvollständig», die Folgerungen seien «falsch».

Wichtig sei, was genau mit den Einnahmen aus der Vermögensteuer gemacht würden. Bereiche wie Klimaschutz, digitale Transformation, Bildung und Innovation würden in Zukunft Geld benötigen: «Somit wird eine Vermögensteuer, die in solche Zukunftsinvestitionen fliesst, viele gute neue Arbeitsplätze schaffen, das Wachstum erhöhen und langfristig den Wohlstand sichern», zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters.

Ungleicheit seit 2007 konstant

Weiter unterstützt Fratzscher die Vermögensteuer, da Vermögen in Deutschland vergleichsweise gering besteuert werden – Arbeit hingegen stark: «Das ist nicht nur ein Problem der Gerechtigkeit, sondern auch ein ökonomisches Problem, da Arbeit sich immer weniger lohnt.»

Bezüglich Umverteilung zwischen Arm und Reich meint Ifo-Präsident Fuest, die Ungleichheit bei Vermögen sei seit 2007 konstant. Da Vermögen aus Renten- und Pensionsansprüchen ausgeblendet würden, werde die Ungleichheit in internationalen Vergleichen oft überzeichnet: «Denn das spielt in Deutschland eine grössere Rolle als in anderen Ländern.»

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