Schwacher Start bei Schokoladehersteller Barry Callebaut erwartet
Beim Schokoladehersteller Barry Callebaut zeichnet sich zum Start ins neue Geschäftsjahr 2025/26 ein schwieriges erstes Quartal ab. Analysten rechnen für die Zeit von September bis November mit rückläufigen Verkaufsvolumen, belastenden Sondereffekten aus einer Produktionsstörung in Nordamerika sowie mit dämpfenden Preiseffekten infolge gesunkener Kakaopreise.

Beobachter erwarten am Mittwoch bei der Präsentation der Umsatzzahlen für das erste Quartal des verschobenen Geschäftsjahrs ein unterdurchschnittliches Ergebnis mit deutlichen Volumenrückgängen in allen drei Geschäftsbereichen. Der weltweit führende Hersteller von industrieller Schokolade leidet weiterhin unter der gedämpften Nachfrage nach den massiven Preiserhöhungen der vergangenen Jahre. Zu den Kunden gehören sowohl kleine Partner im Einzelhandel sowie Branchengrössen wie Nestlé, Kraft, Hershey, Cadbury und andere Konsumschokolade-Produzenten.
Besonders schwach entwickelte sich zuletzt das Kakaogeschäft, doch auch industrielle Kunden sowie das Gourmetsegment verzeichneten rückläufige Absatzmengen. Analystenschätzungen gehen je nach Sparte von Rückgängen im hohen einstelligen bis in den mittleren zweistelligen Prozentbereich aus. Zusätzlich belasteten negative Währungs- und Preiseffekte den Umsatz.
Einen spürbaren Bremseffekt hatte zudem eine vorübergehende Produktionsunterbrechung in Nordamerika. Eine der grössten Barry-Callebaut-Fabriken im kanadischen Saint-Hyacinthe stand rund drei Wochen still, nachdem es zu einem technischen Defekt an einer Röstmaschine gekommen war. Laut Schätzungen von Vontobel sank das Absatzvolumen in Nordamerika um rund 17,5 Prozent, wobei ein erheblicher Teil auf diese Störung zurückgeführt wird. Die Analysten werten den Vorfall zwar als einmaligen operativen Rückschlag, verweisen jedoch darauf, dass sich einzelne Kunden zwischenzeitlich alternative Lieferanten gesucht haben könnten.
Der zuletzt deutlich gesunkene Kakaobohnenpreis bringt dem Konzern kurzfristig ebenfalls keine Entlastung. Zwar hat sich der Preis auf hohem Niveau stabilisiert, im ersten Quartal führt dies jedoch zu einem negativen Preiseffekt auf den Umsatz, da Barry Callebaut niedrigere Rohstoffkosten an die Kunden weitergibt. Mittelfristig sehen Analysten darin allerdings einen klaren Vorteil: Sinkende Kakaopreise dürften den operativen Cashflow verbessern und den Abbau der hohen Verschuldung erleichtern.
Für Investoren steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob der Konzern nach mehreren Prognosesenkungen in den vergangenen Jahren an seiner bestehenden Guidance festhält. Davon gehen die Analysten aus. Eine nachhaltige Erholung der Aktie erwarten sie jedoch erst, wenn sich die Volumen stabilisieren – dafür gibt es bislang nur wenige Anzeichen.
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt erholt. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Kurs um knapp 18 Prozent auf rund 1290 Franken zu. Vom Höchststand im Sommer 2021 ist der Titel jedoch weiterhin weit entfernt. Die jüngste Kursentwicklung verlief weitgehend im Einklang mit den gesunkenen Kakaopreisen.
Gleichzeitig blieb die Aktie sehr volatil. Spekulationen über einen möglichen Rückzug von der Börse sowie Medienberichte über einen Verkauf oder eine Abspaltung der Division Global Cocoa sorgten in den vergangenen Monaten immer wieder für starke Kursschwankungen.










