Roche bleibt im Spannungsfeld zwischen Politik und Forschung
Der Pharmakonzern Roche musste im Geschäftsjahr 2025 einen Spagat zwischen politischem Druck aus den USA und seiner Forschungspipeline meistern. Gerade mit Blick nach vorne spielen diese beiden Faktoren auch für das bereits laufende Jahr eine entscheidende Rolle.

Die Preiseinigung mit der US-Regierung von Donald Trump dürfte wohl das Thema sein, das Investoren am meisten umtreiben wird. Die Fragen dazu: Wie bewertet der Basler Konzern selbst den Deal, was genau bedeutet die Einigung für die Preisgestaltung von neuen Medikamenten in der Zukunft und wie sieht es mit Lancierungen in den Ländern ausserhalb der USA aus? Ob das Management-Team um Roche-Chef Thomas Schinecker diese Fragen alle beantworten kann, beziehungsweise will, wird sich allerdings zeigen.
Zudem hatte sich der Konzern-Chef kurz vor Weihnachten bereits in einem Interview sehr deutlich zu dem Thema geäussert: Sollte die Schweiz dem Referenzsystem der USA nicht folgen, und die Preise für neue Medikamente entsprechend nicht erhöhen, wird Roche laut Schinecker weniger in die Spitzenforschung investieren können. Denn der Konzern würde weniger Umsatz erzielen. Folglich würde Roche «weniger Steuern zahlen und weniger Arbeitsplätze» schaffen. Schinecker fordert zusammen mit dem Novartis-Chef Vas Narasimhan, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz steigen. Sollte dies nicht passieren, werde es wohl zu weiteren Verzögerungen bei Einführungen von neuen Medikamenten kommen.
Analysten wiederum scheinen dieses Thema eher abgehakt zu haben. Wie es etwa bei Barclays heisst, rechnen sie nur mit einem begrenzten Einfluss auf die Finanzen der Konzerne. Stattdessen konzentrieren sich die Experten auf die Forschungspipeline und die Entwicklung der bereits zugelassenen Mittel. Als besonders spannend könnte sich dabei ein Blick auf die Diagnostik-Sparte erweisen. Hierzu hatte sich Bernstein zuletzt sehr zuversichtlich geäussert und die Sparte als klar zu stiefmütterlich behandelt eingeschätzt.
Im vergangenen Jahr allerdings dürfte die Sparte vor allem in China unter der mengenorientierten Beschaffung gelitten haben. Ähnlich wie beim Grosseinkauf werden dabei Diagnostikprodukte zentral und in hohen Mengen beschafft, um deutliche Preisnachlässe zu erzielen. Wie Roche-Chef Thomas Schinecker im Gespräch mit Journalisten im Oktober sagte, dürfte sich dieser Effekt bis ins kommende Jahr bemerkbar machen.
Wie bei allen Pharmaunternehmen dreht sich an sich alles um die Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline. Und Roche zählt hier zu einem der Hochleistungskonzerne – auch wenn sich das Unternehmen zuletzt auf einige Kerngebiete beschränkt hat. Zuletzt hatte der Konzern mit einigen neuartigen Wirkstoffen etwa in der Krebsbehandlung (Giredestrant) oder bei Multipler Sklerose (Fenebrutinib) und der Behandlung von Fettleibigkeit für vielversprechende Schlagzeilen gesorgt.
Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung hatte das Roche-Management erst im Oktober bei der Publikation der Neunmonatszahlen die Gewinnziele für das Gesamtjahr angehoben. So strebt Roche zu konstanten Wechselkursen weiter einen Anstieg der Umsätze im mittleren einstelligen Prozentbereich an. Der Kerngewinn je Titel soll unterdessen neu im hohen einstelligen bis tiefen zweistelligen Prozentbereich steigen (zuvor hoher einstelliger Prozentbereich). Die Gruppe bleibt bestrebt, die Dividende in Schweizer Franken zu erhöhen.
Derweil dürfte der Ausblick auf 2026 wir üblich eher zurückhaltend ausfallen. Roche ist dafür bekannt, zu Beginn des Jahres vorsichtig zu sein.
Die Roche-Bons wiederum haben im laufenden Jahr bisher um rund 7 Prozent zugelegt. Damit entwickelten sie sich besser als der Gesamtmarkt, der im gleichen Zeitraum um knapp 1 Prozent nachgab. Im vergangenen Jahr hatten die Roche-Titel um rund 28 Prozent zugelegt.










