Schweizer Firmen haben Lobby-Budget in USA stark erhöht
Wer in Washington gehört werden will, muss Einfluss nehmen – auch finanziell. Schweizer Unternehmen haben ihre Lobby-Budgets deshalb stark erhöht.

Das Wichtigste in Kürze
- 2025 floss so viel Geld wie noch nie in politisches Lobbying in den USA.
- Auch Schweizer Konzerne mischen kräftig mit und haben ihre Ausgaben stark erhöht.
- Der Grund dafür ist der verstärkte Druck der US-Regierung auf die Pharmaindustrie.
Ein Treffen im Weissen Haus, ein feuchter Händedruck mit dem Präsidenten oder eben: eine Rolex-Tischuhr und einen Goldbarren.
In Washington hat Einfluss eine eigene Währung. Mit oben genannten Aufmerksamkeiten kann sich für Konzerne plötzlich vieles ändern. Und Schweizer Firmen greifen dafür immer tiefer in die Tasche.
Die politische Macht in den USA konzentriert sich zunehmend stärker auf US-Präsident Donald Trump. Unternehmen reagieren weltweit mit mehr Lobbyarbeit, also gezielter Interessensvertretung.
Neue Zahlen zeigen jetzt: Besonders die Schweizer Pharma-Riesen haben ihre Budgets in Washington deutlich erhöht.
Roche erhöht Ausgaben auf 11,4 Millionen Dollar
2025 floss so viel Geld wie noch nie in politisches Lobbying in den USA, wie die «NZZ» berichtet. Die Zahlen entstammen der amerikanischen Regierung, aufbereitet von der Nonprofitorganisation «Opensecrets».
Insgesamt gaben Firmen, Verbände und Organisationen weltweit rund 5,08 Milliarden Dollar aus, um in Washington Einfluss zu nehmen. Das sind rund 630 Millionen mehr als im Jahr zuvor.
Auch Schweizer Unternehmen mischen kräftig mit. Vor allem die Pharmaindustrie hat ihre Aktivitäten verstärkt.
Der Basler Konzern Roche bleibt dabei der Vorreiter unter den Schweizer Firmen. Zusammen mit seiner US-Tochter Genentech erhöhte Roche seine Ausgaben von 10,8 auf 11,4 Millionen Dollar. Insgesamt waren 115 Lobbyisten im Auftrag des Unternehmens in Washington aktiv.
Auch Konkurrent Novartis hat nachgelegt: Der Konzern gab 7,9 Millionen Dollar für Lobbyarbeit aus – 1,7 Millionen mehr als im Jahr zuvor. In der US-Hauptstadt arbeiteten 78 Interessenvertreter für den Pharmariesen.
Selbst kleinere Player aus der Branche verstärkten ihre Präsenz. Der Augenheilkundekonzern Alcon verdoppelte seine Ausgaben deutlich. Und der Auftragsfertiger Lonza steigerte sein Lobbybudget sogar massiv – von 60'000 auf 320'000 Dollar.
Druck aus Washington treibt Firmen an
Der Grund für die verstärkten Aktivitäten liegt auf der Hand: Die US-Regierung nimmt die Pharmaindustrie stärker ins Visier. Präsident Trump droht mit Massnahmen, um Medikamentenpreise zu senken, notfalls auch mit Zöllen.
Für die Unternehmen bedeutet das: Wer gehört werden will, muss in Washington präsent sein.
Offiziell geben sich die Konzerne diplomatisch. Novartis spricht auf Anfrage der «NZZ» lediglich davon, dass das Gesundheitswesen weiterhin im Zentrum der politischen Diskussionen stehe.
Roche erklärt, man habe die Ressourcen gezielt ausgebaut, um die komplexen politischen Themen besser begleiten zu können.
Auch andere Schweizer Konzerne mischen mit
Doch nicht nur die Pharmabranche investiert mehr Geld in politische Kontakte. Der Versicherungskonzern Zurich erhöhte sein Lobbybudget deutlich, ebenso der Lebensmittelriese Nestlé.
Andere Firmen tauchten sogar erstmals in den offiziellen Lobbyregistern auf. Dazu zählen etwa der Rohstoffhändler Gunvor, der Flugzeugbauer Pilatus oder die Reederei MSC.
Über Lobbyarbeit sprechen die Unternehmen traditionell nur ungern. In Washington jedoch zeigt sich immer deutlicher: Wer Einfluss will, muss investieren. Und zwar mehr denn je.





















