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Raiffeisen-Ökonom: 10-Millionen-Initiative löst Wohnungsnot nicht

Keystone-SDA
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Zürich,

Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile hält die Wirkung der 10-Millionen-Initiative der SVP auf den Wohnungsmarkt für begrenzt. Die eigentlichen Probleme seien Infrastrukturstau, Überregulierung und zu wenig Neubauten, sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP.

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Die Wirkung der 10-Millionen-Initiative der SVP auf den Wohnungsmarkt sei laut einem Raiffeisen-Ökonom begrenzt. - keystone

AWP: Welchen Einfluss hat die Migration auf den Schweizer Immobilienmarkt?

Fredy Hasenmaile: Der ist substanziell, da über 80 Prozent des Bevölkerungswachstums auf die Zuwanderung entfallen. Insofern ist die Zuwanderung ein wichtiger Bestandteil der Bevölkerungsentwicklung und ein wichtiges Element bei der Nachfrage nach Immobilien.

AWP: Ist dies der einzige Grund für die Wohnungsknappheit in der Schweiz?

FH: Die Wohnungsknappheit hat verschiedene Ursachen, aber die Hauptursache liegt auf der Angebotsseite. Es wird schlicht zu wenig gebaut. Wir stellen auch die Problematik der Überregulierung fest, sowie die grosse Anzahl an Einsprachen, die hemmend wirkt. Die Nachfrageseite ist ebenfalls ein Grund, der aber nachgelagert ist. Aber wir hatten in den letzten Jahren eine starke Zuwanderung, beispielsweise durch Flüchtlinge aus der Ukraine. Hinzu kommt, dass derzeit über 100'000 Babyboomer pro Jahr in Rente gehen und offene Arbeitsstellen hinterlassen. Diese Stellen werden hauptsächlich durch die Zuwanderung ersetzt, weil das inländische Arbeitskräftepotenzial zu wenig hergibt.

AWP: Welchen Einfluss hätte eine Annahme der «Keine 10-Millionen-Schweiz!» auf den Schweizer Immobilienmarkt?

FH: Vieles ist noch unklar, zum Beispiel, ob es mit der Initiative überhaupt möglich ist, die Zuwanderung einzuschränken. Der Brexit hat in England auch nicht dazu geführt, dass die Zuwanderung plötzlich viel tiefer war. Die Initiative ist nicht sehr konkret formuliert. Es hat zwar schon auch Punkte drin, die klar formuliert sind, aber sie lässt viele Fragen offen. Von der Zeitachse her wird die Schweiz circa 2031 die 9,5 Millionen Einwohner überschreiten. Ab dann wird es erste Einschränkungen geben, für Flüchtlinge beispielsweise. Um 2040 herum wird die Schweiz die Marke von 10 Millionen Einwohnern überschreiten. Ab dann muss der Bundesrat alle in der Initiative formulierten Massnahmen treffen und ab 2042 müsste er die Personenfreizügigkeit mit der EU kündigen.

AWP: Was wird dann anders sein?

FH: Das Bevölkerungswachstum wird dann aus demografischen Gründen nicht mehr bei rund 1 Prozent liegen, also ungefähr 100'000 Einwohner mehr pro Jahr, sondern noch bei etwa 0,3 Prozent. Das wäre eine Zuwanderung von ungefähr 30'000 Personen, mit der die Schweiz umgehen könnte. Die Problematik wird also in 15 Jahren nicht mehr so akut sein. Die Initiative wirkt somit so spät, dass sie relativ wenig hilft, die Wohnungsknappheit zu regeln. Die Hauptproblematik ist, dass die Infrastruktur nicht nachkommt. Unsere politischen Strukturen sind nicht dafür gemacht, dass wir sehr schnell handeln können, und dies führt zu einem Infrastrukturstau.

AWP: Welche Lösung sehen Sie für die Wohnungsnot in der Schweiz?

FH: Die Wohnungsnot ist auf der Angebotsseite zu lösen, da wir nicht bei der Nutzfläche begrenzt sind. Wir hätten durchaus Möglichkeiten, in die Höhe zu bauen. Man kann auch umzonen und einfachere Baunormen schaffen. Wir haben einen hohen Baustandard, der viel kostet. Das macht Bauen sehr teuer und umständlich. Und dann gibt es das Problem der Einsprachen-Flut. Der Hauptpunkt ist aber, dass die Regulierung dazu führt, dass viele Fehlanreize da sind. Dies zu ändern geht nur, wenn wir früher oder später das Mietrecht reformieren. Die Schweiz verfügt über genügend Wohnflächen, aber diese fliessen wegen der Überregulierung nicht in den Markt. Wenn wir dies ändern würden, könnten alle Haushalte mit ausreichend Fläche versorgt werden und wir hätten zusätzlich 170'000 Viereinhalbzimmerwohnungen zur Verfügung.

Kommentare

User #4287 (nicht angemeldet)

Richtig das Problem löst sich nicht, darum mal auf 10 Millionen Menschen begrenzen. Dann könnten wir in aller Ruhe bauen und haben auch Reserve Wohnungen. Was würde passieren wenn fast alle Wohnungen weg wären und eine grosse Siedlung wegen Umbau, die Menschen raus müssen. Wo sollen die dann hin? Ausserdem muss ein umdenken stattfinden und mehr Mietwohnungen bauen, aber nein man baut noch mehr Eigentumswohnungen die mehrere Jahr leer stehen. Wenn der Boden schon begrenzt ist dann baut auch der Nachfrage und dies wäre Mietwohnungen.

User #6082 (nicht angemeldet)

Logisch ist Raiffeisen dagegen, denn mit immer mehr Menschen im Land können sie wunderbar viele, viele Hypotheken für Wohneigentum verkaufen. Völlig verlogen und am Problem das latent da ist, vorbeigeredet. Wir haben ein Dichteproblem, überrall wo man hinschaut, hat es imme weniger Platz, weil wir ZU VIEL Menschen in diesem kleinen Land ist. Viele haben das immer noch nicht kapiert! Deutschland z.B. ist flächenmässig 8mal (!)grösser, Italien 7mal grösser und Frankreich sogar 15mal (!)gröss als die Schweiz!!! Man rechne.

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