Kommentar: Hat Novartis Schneider-Ammann schon danke gesagt?

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Bern,

    Job-Erdbeben bei Novartis, doch der Rücktritt von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann lenkt davon ab. Wohl zufällig, aber effektiv. Ein Kommentar.

    Johann Schneider-Ammann verlässt den Bundesrat per Ende Jahr.
    Johann Schneider-Ammann verlässt den Bundesrat per Ende Jahr. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Gestern hat Novartis einen Kahlschlag in der Schweiz verkündet.
    • Die Nachricht ging wegen dem Rücktritt von Bundesrat Schneider-Ammann beinahe unter.

    Gestern früh die Horror-Nachricht aus Basel: Novartis streicht in der Schweiz über 2100 Stellen. Ein Mega-Kahlschlag. Der grösste Jobbaubau der letzten Jahre. Grösser als jener bei der Credit Suisse (1600), grösser als bei der General Electric (1400).

    Trotz aller Superlativen: Das Medien-Echo auf den Abbau ist gering. Nicht, weil das Thema nicht wichtig wäre. Doch keine zwei Stunden nach der Ankündigung von Novartis platzte die nächste Bombe: Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) tritt zurück!

    Die Schock-Meldung aus Basel war damit zum Zweitstoff geworden. Die «Tagesschau» schenkte in der Hauptausgabe dem abtretenden Magistraten zwölf Minuten Sendezeit, während über das Job-Massaker in Basel keine vier Minuten berichtet wurde. Heute das gleiche Bild in den Tageszeitungen: Müder Bundesrat ganz gross, Stellenstreichung beim Milliarden-Konzern weniger gross. Auch bei Nau war der Rücktritt des Wirtschaftsministers das Tagesthema.

    Mit blauem Auge davongekommen

    Novartis dürfte das freuen. An jedem anderen Tag wäre der Kahlschlag die Top-Story gewesen. Die Schweizer Presse hätte das Thema breitgeschlagen, der Konzern sich grün und blau geärgert. Das Image hätte gelitten, mal wieder. Erinnerungen an den Weltkonzern, der einst dem Ex-Chef Daniel Vasella unglaubliche 72 Millionen Abfindung zahlen wollte, wären wieder hochgekommen. Stellenabbau trotz Gewinnsprung im Vorjahr? Eine Frechheit! Doch ohne riesiges Medienecho kam die Empörungswelle erst gar nicht zustande. Die Basler sind mit einem blauen Auge davongekommen.

    Eigentlich wollte Schneider-Ammann erst am Freitag seinen Rücktritt verkünden. Da die Information durchgesickert ist, zog er die Ankündigung vor. Dass er damit den Novartis-Kahlschlag von der Bildfläche verdrängt, dürfte ein ungeplanter Nebeneffekt sein. Positiv für den Pharmakonzern ist es allemal. Soll noch einer behaupten, Schneider-Ammann würde sich nicht für die heimische Wirtschaft einsetzten.

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