Inflation in der Schweiz zieht mit Ölpreisschock an
Die Inflation in der Schweiz hat sich im April wegen steigender Ölpreise auf 0,6 Prozent verdoppelt. Ökonomen erwarten vorerst keine SNB-Zinserhöhung.

Die Jahresteuerung in der Schweiz stieg im April auf 0,6 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) meldet. Im März hatte die Rate noch bei 0,3 Prozent gelegen, berichtet das «SRF».
Der Inflationsdruck nahm damit deutlich zu, nachdem schon im März höhere Energiepreise einen ersten Anstieg ausgelöst hatten. Im Dezember hatte laut «Cash» die Teuerungsrate noch bei 0,0 Prozent gelegen.
Das BFS macht für den Anstieg vor allem teureres Benzin, Diesel und Heizöl verantwortlich. Diesel wurde im Vergleich zum März 15,1 Prozent teurer und liegt nun 19,3 Prozent über dem Vorjahreswert.
Ölpreisschock aus dem Nahen Osten
Im Durchschnitt kosteten Erdölprodukte im April 17,0 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor, so «Cash». Die höheren Ölpreise hätten in der Teuerungsrate deutliche Spuren hinterlassen, kommentiert Thomas Gitzel von der VP Bank.
Nach Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar und der Blockade der Meerenge von Hormus kletterte Brent-Öl rasch über 100 US-Dollar. Derzeit liegt der Preis bei über 110 Dollar pro Fass.
Die Graubündner Kantonalbank hält fest, dass die Schweiz im internationalen Vergleich eine Sonderrolle einnimmt. Gegenüber anderen Wirtschaftsräumen schütze die Schweiz eine geringere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Kerninflation bleibt tief
Die Kerninflation, also ohne Energie, Treibstoffe und saisonale Produkte, sank im April sogar leicht auf 0,3 Prozent, berichtet «Cash». ZKB-Ökonom Kevin Gismondi erklärt, dass die Kerninflation fast alle Preissteigerungen seit Kriegsausbruch ausklammere.
Ausserhalb des Erdöls sei derzeit kaum Inflationsdruck festzustellen, stellt UBS-Ökonom Alessandro Bee fest. Die Firmen hätten nur beschränkte Möglichkeiten, höhere Energiekosten an die Kunden weiterzugeben.

Zudem dämpfen der starke Franken und die verhaltene Konjunkturlage die Teuerung, erklärt die Graubündner Kantonalbank. Die SNB stehe daher nicht unter unmittelbarem Handlungsdruck.
Inflation in der Schweiz: SNB bleibt vorerst ruhig
Was die Geldpolitik betrifft, sehen die meisten Ökonomen kaum Handlungsbedarf für die Schweizerische Nationalbank (SNB), berichtet «Moneycab». Die Inflation liege nach wie vor klar unterhalb der Mitte des SNB-Zielbandes von 0 bis 2 Prozent.
Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch sagt: «Die SNB ist derzeit nicht um die Inflation besorgt.» Und weiter: «Deshalb steht die SNB eher bereit, zu intervenieren als die Zinsen anzuheben.»
Anders beurteilt VP-Bank-Experte Thomas Gitzel die Lage: Eine Zinsanhebung im laufenden Jahr sei «keineswegs abwegig», zitiert ihn «Cash». Der derzeitige negative Saron-Geldmarktsatz passe angesichts einer Teuerung klar über 0 Prozent nicht mehr recht.
















