Eine Glencore-Mine im Kongo macht Anwohner krank, zeigt eine Studie von Brot für alle und Fastenopfer. Die Hilfsorganisationen fordern verbindliche Regeln.
Die Staubbelastung in der Nähe der Kobaltmine von Kolwezi (Kongo) ist weit über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Die Staubbelastung in der Nähe der Kobaltmine von Kolwezi (Kongo) ist weit über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO. - zVg
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Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen einer Staubmine im Kongo leiden Anwohner unter Atemwegserkrankungen.
  • Oft reagiert Betreiberin Glencore nur auf Druck von Nichtregierungsorganisationen.

Im Kongo baut Glencore Kupfer und Kobalt ab. Doch das schadet der Bevölkerung, zeigt eine Studie der Nichtregierungsorganisationen Brot für alle und Fastenopfer. Das Fazit ist happig: «Glencore nimmt seine Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten und Umwelt nur ungenügend wahr.»

Das Problem ist Staub. Viele Menschen werden in der kongolesischen Minenstadt Kolwezi wegen Atemwegserkrankungen behandelt. Vor allem in der Trockenzeit. Verursacher des Problems sind Lastwagen, die über unbefestigte Strassen zur nahe gelegenen Mine Glencore-Tochter Kamoto Copper Company rollen.

Messungen der Nichtregierungsorganisationen machen das Problem deutlich. Im Mai 2018 lag die Staubbelastung zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auf den Zufahrtsstrassen zur Mine gar bei 500 Mikrogramm. Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

Kobalt
Das Hilfswerk Brot für alle kritisiert die Staubbelastung um die Kobalt-Minen. - zVg

Felder verschmutzt

Auch problematisch: In den vergangenen Jahren wurden Felder von Bauern um die Mine wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt, schreiben die Studienautoren. Immerhin: Glencore hat auf Druck der Hilfsorganisationen viele Opfer für den Ernteausfall entschädigt. «Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden», heisst es in einer Medienmitteilung.

Bereits zum vierten Mal wurde die Untersuchung durchgeführt. Die zeigen auch Fortschritte. So wurde ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt. Zudem hat Glencore die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessert und das Einleiten vor Abwässern aus der Mine in den Fluss Luilu unterbunden.

Doch das grösste Unternehmen der Schweiz (Umsatz 202 Milliarden Franken) reagiert meistens erst auf Druck der Hilfsorganisationen. Brot für alle und Fastenopfer halten darum verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen – wie es etwa die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht – für notwendig. 

Glencore wehrt sich

Der Rohstoff-Multi nimmt den Bericht zur Kenntnis: «Enttäuscht haben wir festgestellt, dass die Autoren weitgehend darauf verzichtet haben, auf die Informationen Bezug zu nehmen, die wir ihnen bei mehreren Gelegenheiten bereitgestellt haben», sagt Glencore-Sprecherin Sarah Antenore. So habe das Unternehmen seit 2007 über 6,5 Milliarden investiert, um Altlasten zu beseitigen. «Dadurch hat sich auch die Wasserqualität vor Ort signifikant verbessert.»

Zum Vorwurf der hohen Staubbelastung heisst es: «Gegen die Staubbelastung gehen wir mithilfe von Bewässerung, Strassenunterhalt und dem Pflanzen von Bäumen vor. Glencore ist nicht der einzige in der Gegend tätige Konzern, nimmt aber in diesen Fragen eine führende Rolle ein.»

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