Fed könnte für stärkere Zinsschwankungen sorgen

    Maja Bojic
    Maja Bojic

    USA,

    Die Fed kommuniziert unter Kevin Warsh zurückhaltender. Das könnte die Schwankungen bei US-Zinsen und Anleihen verstärken.

    Fed
    Die Fed steht vor einem Kurswechsel, der die Finanzmärkte stärker bewegen könnte. (Archivbild) - keystone

    Kevin Warsh hat die Kommunikation der US-Notenbank seit seinem Amtsantritt deutlich zurückgefahren. Besonders die sogenannte Forward Guidance, also Hinweise auf den künftigen Zinskurs, steht dabei im Mittelpunkt, berichtet «Morningstar».

    Bei der FOMC-Sitzung vom 29. Juli blieb die Fed eine ausführliche Erklärung schuldig, warum sie auf eine Zinserhöhung verzichtete. Die Entscheidung kam nicht völlig überraschend, doch eine Zinserhöhung war nur zu 30 Prozent eingepreist.

    Warsh kritisiert die Forward Guidance bereits seit Jahren und sieht darin eine Einschränkung der geldpolitischen Flexibilität. Nach seiner Auffassung können frühere Prognosen dazu führen, dass Notenbanker später zu stark an ihren eigenen Aussagen festhalten.

    Die Fed lernte aus der Inflationswelle 2021/2022

    Die Inflationsentwicklung der Jahre 2021 und 2022 liefert dafür ein wichtiges Beispiel. Ende 2020 hatte die Fed angekündigt, den Federal-Funds-Satz nahe null zu halten, bis die Arbeitsmärkte Vollbeschäftigung erreicht hätten.

    Während der zweiten Jahreshälfte 2021 hielt die Fed daran fest, obwohl die PCE-Inflation über fünf Prozent stieg. Erst im März 2022 begann sie mit Zinserhöhungen, nachdem sich der Preisauftrieb deutlich verstärkt hatte.

    Traust du der neuen Strategie der Fed?

    Warshs These, weniger Kommunikation würde die Märkte zu eigenständigerer Analyse bewegen, überzeugt «Morningstar» historisch nur eingeschränkt. Eine Untersuchung von Sebastian Hillenbrand zeigt demnach eine starke Abhängigkeit der Anleiherenditen von FOMC-Entscheidungen.

    US-Anleiherenditen reagieren stark auf Fed-Entscheidungen

    Zwischen Juni 1989 und Juni 2021 sank die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von rund 8,5 auf 1,5 Prozent. Fast der gesamte Rückgang von sieben Prozentpunkten entfiel dabei auf Veränderungen innerhalb dreitägiger Zeitfenster um FOMC-Sitzungen.

    Diese Zeiträume machten lediglich rund zehn Prozent aller Handelstage aus. Die übrigen 90 Prozent spielten für den langfristigen Renditetrend kaum eine Rolle.

    Die Inflation in den USA lag im Juli bei 3,4 Prozent und damit weiterhin über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Im Juni hatte die Teuerungsrate noch 3,5 Prozent betragen, schreibt das «Handelsblatt».

    Weniger Fed-Kommunikation könnte Märkte stärker bewegen

    Warsh hatte neben weniger Forward Guidance auch eine kleinere Fed-Bilanz und weniger Pressekonferenzen angekündigt. Bisher sei von diesen Reformen vor allem die Abschaffung der Forward Guidance umgesetzt worden.

    Für den Anleihemarkt könnte die veränderte Kommunikation höhere Schwankungen bedeuten. Dadurch könnten die Risikoprämien langfristiger Anleihen etwas steigen.

    Kevin Warsh Fed
    Unter Warsh hält die Fed trotz des politischen Drucks an ihrem Kurs zur Inflationsbekämpfung fest. - picture alliance

    Zusätzlich steht die Unabhängigkeit der Federal Reserve unter politischem Druck. Präsident Donald Trump versucht erneut, Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus ihrem Amt zu entfernen, berichtet die «Cash».

    Trumps Einfluss auf die Fed könnte weiter wachsen

    Cooks Sitz ist strategisch bedeutsam für die Zusammensetzung des Fed-Direktoriums. Mit einem erfolgreichen Austausch hätte Trump vier der sieben Gouverneure nominiert.

    Eine solche Mehrheit würde keine sichere Kontrolle über die Zinspolitik bedeuten. Sie könnte jedoch den institutionellen Einfluss des Präsidenten auf die Fed vergrössern.

    Zweifel an der Fed-Unabhängigkeit könnten die Risikoprämien erhöhen. Dadurch könnten langfristige US-Anleiherenditen auch bei sinkenden Leitzinsen steigen.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Kevin Warsh Fed
    2 Interaktionen
    US-Wirtschaft
    Kevin Warsh
    2 Interaktionen
    Ankündigung
    Fed Warsh Trump
    3 Interaktionen
    Erste Sitzung

    MEHR IN NEWS

    Krawallnacht Zürich
    598 Interaktionen
    Illegale Party

    MEHR AUS USA

    5 Interaktionen
    Washington
    Jeff Bezos KI
    13 Interaktionen
    Keine Doppelverdiener
    RJ Mitte
    Walter White Jr.
    selma blair
    1 Interaktionen
    New York