Der US-Notenbankchef Jerome Powell bereitet angesichts erhöhter Inflationsrisiken die Finanzmärkte auf einen strafferen Kurs der Fed vor.
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Jerome Powell, der Chef des Federal Reserve System. (Archivbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Fed-Chef Jerome Powell bereitet die Finanzmärkte auf einen strafferen Kurs vor.
  • Die Preissteigerung könne seiner Ansicht nach noch länger andauern als erwartet.
  • Verfestigt sich die Inflation, reagiere Fed sicherlich und setze ihre Werkzeuge ein.

Angesichts erhöhter Inflationsrisiken bereitet US-Notenbankchef Jerome Powell die Finanzmärkte auf einen strafferen Kurs der Fed vor. Ein Anstieg der Preise und Einstellungsschwierigkeiten nach der Corona-Krise könnten seiner Ansicht nach länger anhalten als erwartet. Dies sagte Powell laut Redetext bei einem für Dienstag geplanten Auftritt vor einem Senatsausschuss.

Falls sich die Inflation verfestigen sollte, werde die Fed «sicherlich reagieren» und ihre Werkzeuge einsetzen, betonte er. Die deutliche Wortwahl bestärkte die Finanzmärkte in ihrer Erwartung. Die Fed soll schon bald den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einleiten und womöglich bereits 2022 die Zinswende vollziehen wird.

Engpässe oder Personalprobleme bei Fed

Der Prozess der Wiedereröffnung der Wirtschaft nach der Pandemiekrise sei beispiellos, erklärte Powell. Dabei könnten Engpässe oder Probleme bei der Rekrutierung von Personal auftreten, die grösser seien und länger dauerten als gedacht. Die Teuerungsrate in den USA ist wie in vielen anderen Regionen der Welt zuletzt kräftig gestiegen. Unter anderem als Folge der Corona-Krise: Waren und Dienstleistungen kosteten im August 5,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Dies liegt weit über dem Ziel der Notenbank, die auf mittlere Sicht einen Wert von zwei Prozent anstrebt. Sie geht in ihrer Prognose davon aus, dass die Inflation dieses Jahr auf einen Wert von 4,2 Prozent steigen wird. Doch bereits nächstes Jahr dürfte sie aus Sicht der Fed auf einen Wert von 2,2 Prozent zurückgehen. Dieser würde damit zumindest im Zielbereich der Notenbank liegen.

Renditen auf höchstem Stand seit Juni

Im Dezember legen die Ökonomen allerdings einen aktualisierten Ausblick vor. Der könnte ein anderes Bild zeichnen, sollten die von Powell beschriebenen Inflationseffekte darin noch stärker Berücksichtigung finden. Die US-Notenbank signalisierte vergangene Woche, möglicherweise die Zinsen im Jahr 2022 zu erhöhen. Und ebenfalls im November ihre monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren.

Seither steigen die Anleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen zogen weiter an und lagen mit 1,5444 Prozent auf dem höchsten Stand seit Mitte Juni. «Das hilft den Banken, aber das ist zu wenig, um den Markt oben zu halten», sagte ein Händler.

Zunehmender Inflationsdruck

Powell hatte nach der jüngsten Zinssitzung gesagt, die Anleihenkäufe seien noch sinnvoll: «Doch es ist an der Zeit sie herunterzufahren.» Mitte nächsten Jahres könnte demnach der Prozess bereits abgeschlossen sein, der im Finanzjargon als «Tapering» bekannt ist. Die Geldspritzen im Umfang von monatlich 120 Milliarden Dollar will die Fed je nach Situation niedriger dosieren.

Der zunehmende Inflationsdruck beginnt derzeit die Anleger nervös zu machen. Dies da der Ölpreis auf ein Drei-Jahres-Hoch geklettert ist und Powell verstärkt auf Inflationsgefahren hinweist. Michael Hewson, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets sagte: «Diese Besorgnis über eine Inflation scheint sich auch weiterhin zu einem durchgängigen Thema in den Äusserungen der Zentralbanker zu entwickeln.»

Überarbeitung der Ethik-Regel

Dieses Thema dürfte auch bei der Senatsanhörung zur Sprache kommen, die für Dienstagnachmittag (MESZ) angesetzt war. Zudem dürfte Powell mit Fragen zu Ethik-Richtlinien der Fed konfrontiert werden. Hintergrund ist der Rücktritt zweier Notenbanker, die in der Hochphase der Corona-Krise Aktiengeschäfte auf eigene Rechnung betrieben hatten.

Die beiden Währungshüter vertreten ihre jeweiligen Notenbank-Bezirke im Offenmarktausschuss der Fed, der über die Zinspolitik entscheidet. Die Rücktritte fallen in eine Zeit, in der US-Präsident Joe Biden entscheiden dürfte, ob er Powell im Amt belassen soll.

Powell hatte als Konsequenz aus der Debatte eine Überarbeitung der Ethik-Regeln für Fed-Führungspersonal in Auftrag gegeben. Diese Forderung war bereits zuvor von der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren erhoben worden, die auch in dem Senatsausschuss sitzt.

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