Porträt einer Dragqueen aus Waadtländer Wein-Werbekampagne entfernt
Vor den «Caves ouvertes» im Kanton Waadt wurde eine Dragqueen aus der Werbekampagne der beliebten Weinkeller-Tage gestrichen. Das sorgt für Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Dragqueen wurde aus der Werbekampagne der Waadtländer «Caves ouvertes» entfernt.
- Laut dem Weinamt geschah der Entscheid nach Kritik aus verschiedenen Kreisen.
- LGBTIQ+-Organisationen sprechen von Diskriminierung und fordern Konsequenzen.
Die «Caves ouvertes» im Waadtland sind beliebte Tage der offenen Weinkeller.
Dort öffnen Winzerinnen und Winzer ihre Betriebe für Besucher und präsentieren ihre Weine. Diese Events finden in diesem Jahr am 23. und 24. Mai statt.
Die Kampagne des Office des vins vaudois (OVV), das die Veranstaltung organisiert, zeigte verschiedene Porträts mit Weinbezug und passenden Schlagworten.
Unter anderem waren ein älterer Mann mit Schnurrbart, eine Frau mit Hut oder ein blonder Mann zu sehen. Das Bild einer Dragqueen verschwand jedoch kurz vor der Veröffentlichung.
Wie die Westschweizer Tageszeitung «24 heures» berichtet, seien Plakate bereits gedruckt und Videos produziert gewesen. Die Kampagne sei zuvor von den Verantwortlichen des OVV abgesegnet worden.
OVV spricht von Kritik aus verschiedenen Kreisen
Warum das Sujet entfernt wurde, bleibt unklar. Die zuständige Staatsrätin Valérie Dittli äussert sich nicht direkt zu dem Fall und verweist auf das OVV.
Dessen Direktor Benjamin Gehrig erklärt, der Entscheid sei nach mehreren kritischen Rückmeldungen gefallen. Diese seien unter anderem aus dem kantonalen Departement sowie von weiteren Beteiligten gekommen.
OVV-Präsident Michel Rochat habe deshalb beschlossen, «ein Element» der Kampagne zurückzuziehen.
Das OVV betont zugleich, der Entscheid stelle keine grundsätzliche Haltung zur Debatte dar. Alle Beteiligten seien für ihre Arbeit bezahlt worden.
LGBTIQ+-Verbände sprechen von Diskriminierung
Für die Fédération romande des associations LGBTIQ+ ist der Fall dennoch problematisch. Co-Generalsekretär Florent Jouinot spricht von einer Form der Unsichtbarmachung queerer Menschen.
Er kritisiert, dass offenbar eine LGBT-Person aus einer Kampagne entfernt werden könne, ohne grössere öffentliche Reaktionen befürchten zu müssen. Der Staat dürfe zu solchen Entwicklungen nicht beitragen.
Auch die betroffene Person selbst zeigt sich enttäuscht. Der Darsteller der Dragqueen, der anonym bleiben möchte, sagt, das Konzept der Kampagne habe eigentlich Offenheit und Vielfalt vermitteln sollen.
Dass ausgerechnet dieses Bild entfernt worden sei, sende nun das gegenteilige Signal.
Fall beschäftigt nun die Politik
Der Vorfall dürfte nun politische Folgen haben. Der Grünen-Grossrat David Raedler reichte am Dienstag im Waadtländer Parlament eine Interpellation ein.
Er will unter anderem wissen, welche Rolle die Kantonsregierung beim Entscheid spielte und ob dieser mit dem Diskriminierungsverbot vereinbar ist.















