Lucas trifft zum ersten Mal Andrin in Chur. Doch der Abend verläuft anders, als er denkt. Hier kommt der nächste Blog.
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Das Date mit Andrin verlief nicht wie geplant. (Symbolbild) - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Lucas (Anfangs 20) lebt in der City und nennt sich selbst ein Träumer der Extraklasse.
  • Gerade heraus gibt er einen Einblick in die Extremen der Generation Z und LGBTQIA+-Welt.

Als die Zug-Stimme die Endstation Chur ankündigt, erwache ich wie aus einem Tagtraum. Die ganze Fahrt hindurch spielten sich dieselben Bilder in meinem Kopf ab. Szenen davon, was später am Abend mit Andrin passieren könnte, dominierten meine Gedankengänge.

Der hübsche Bündner und ich flirteten schon seit zwei Wochen heftig miteinander und ich freute mich, ihn endlich kennenzulernen. Vielleicht war ich auch kurz davor, verrückt zu werden, doch irgendwie hatte ich ein speziell gutes Gefühl bei diesem Typen. Für mich war er Boyfriend-Material. Und: Von Fuckboys und Spassdates hatte ich die Nase voll.

Leider haben seine letzten Nachrichten meine Stimmung etwas gekillt. Dass er mich nun plötzlich bei ihm zu Hause und nicht in seiner Lieblingsbar treffen wollte, passte mir gar nicht. Vor Netflix und Chill grauste mir es an diesem Abend, lieber würde ich mich einfach mit ihm lustig unterhalten.

«Nicht allein» mit Andrin

Zum Glück für Andrin war ich bereits im Zug, als er mir das schrieb. In Chur stieg ich also aus und machte mich auf den Weg zu seiner Adresse.

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Lucas hasst die letzten paar Meter Gehweg, bevor man jemanden trifft. (Symbolbild) - Pixabay

Er wartete beim Gartenplatz neben seiner Haustür. Eine Zigarette rauchend, beobachtet mich der schöne Bündner, wie ich langsam unter dem Regenschauer auf ihn zugehe. Ich hasse diesen Moment, speziell die letzten 20 Meter, bis man sich trifft. Soll ich winken, lachen, Hallo rufen oder einfach in mein Smartphone schauen und so tun, als würde ich mit meiner Karten-App den Weg suchen?

Ich entschied mich für ein verschmitztes Lächeln und sagte Hallo. Sofort war es da, dass Million-Dollar-Smile auf Andrins Lippen, welches ich schon auf den Fotos unglaublich anziehend fand.

«Wir sind leider nicht allein», sagt er plötzlich. Wenn jetzt die Eltern kommen, bin ich weg, denke ich mir. «Meine Schwester und ihre beste Freundin sind hier, doch die gehen später aus.» Er schlug vor, in der Zwischenzeit in sein Zimmer zu gehen, um allein zu sein.

Küsse und Enttäuschung

Wer jetzt noch nicht weiss, wohin die ganze Sache führt, ist einfach naiv – genau wie ich in diesem Moment. Erst als wir in seinem Zimmer sind und er sofort die Tür abschliesst, dämmert es mir langsam. Bevor ich meine Schlussfolgerung beenden kann, drückt mir Andrin bereits einen Kuss auf. Ein paar wilde Sekunden später liegen wir beide auf dem Bett und schauen uns an. Ich merke sofort, dass er mehr will.

Ich, währenddessen, weiss gerade nicht mehr, was ich denken soll. Nur etwas ist mir klar: Von meiner Vorstellung eines ersten Dates in seiner Lieblingsbar haben wir uns in kürzester Zeit so weit entfernt wie es nur geht.

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Lucas geht das Ganze zu schnell. (Symbolbild) - Keystone

Ich frage ihn also, ob wir nicht ein anderes Mal weitermachen wollen. Leider kann er die Enttäuschung in seinen Augen nicht verdecken, auch wenn er sagt, es wäre für ihn okay. Er nimmt sein Smartphone hervor und ich tue es ihm gleich. Nach einer Minute fragt er mich, ob wir noch zu seinen Freunden gehen wollen, die sich gerade in der Nähe treffen würden.

Der Abend ist gelaufen

Was dachte er sich eigentlich? Bumsen geht, aber sonst kann er keine Zeit mit mir allein verbringen? Für mich war der Abend gelaufen.

Ich sagte Andrin zwar zu, doch gleichzeitig schrieb ich meinem ältesten Bruder, ob er mich abholen würde – weil ich wusste, dass er auch in der Bündt unterwegs war. «Klar, schreib einfach, wann ich losfahren soll», kam es schnell zurück. Ja, ich habe den besten Bruder!

Andrin wollte noch kurz duschen, bevor wir seine Freunde treffen. «Willst du mitkommen?», fragt er. «Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht», stammle ich. Keine Ahnung, warum ich in diesem Moment nicht klar sagen konnte, was ich wollte.

«Ich fühlte sofort eine Distanz zwischen uns»

Als er zurückkam, fühlte ich aber sofort eine Distanz zwischen uns. Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich Nein gesagt habe. Ich mochte ihn eigentlich, doch das Ganze hatte sich einfach so schnell in eine andere Richtung entwickelt, als ich wollte.

Deshalb und weil ich ein Fan von zweiten Chancen bin, versuchte ich, die Stimmung zu retten. «Wir können das alles ja nächstes Mal nachholen?» Seine Antwort lieferte mir den Grund, meinem Bruder sofort zu schreiben – «fahr los».

Hatten Sie auch schon enttäuschende Dates?

Denn Andrin meinte: «Ich sage jetzt nicht Ja, dass wir uns wiedersehen, aber auch nicht Nein. Wir schauen, wie es kommt». Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich war so baff, dass ich gar nichts dazu sagen konnte ausser zu nicken und gequält zu lächeln.

Ich wünschte, die Geschichte wäre jetzt vorbei, doch leider kommt noch mehr. In einem dritten Teil.

Cya – Lucas

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