Der Klimastreik Schweiz nimmt in diesem Gastbeitrag Stellung zu Spenden von Superreichen. Er findet, dass diese unserer Demokratie schaden.
Klimastreik Schweiz
Der Klimastreik Schweiz nimmt Bezug zu Spenden von Superreichen. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Klimastreik Schweiz erklärt im Gastbeitrag den Hintergrund von Spenden fürs Klima.
  • Er findet, dass Spenden von extrem reichen Menschen der Demokratie schaden.
  • Ausserdem würden sie das heutige System festigen und nicht Ungerechtigkeiten beheben.

Ihr kennt es bestimmt, in den Medien wird viel darüber berichtet, wenn etwa ein Jeff Bezos Millionen an Hilfsorganisationen spendet. Die mediale Aufmerksamkeit ist gross, die Menschen applaudieren, und alles scheint gut zu sein.

Diese Spenden werden als sehr grosszügig bezeichnet. Was wirklich dahintersteckt und wo das Geld tatsächlich hinfliesst, möchte der Klimastreik Schweiz in diesem Beitrag aufklären.

Besitzer von riesigen Unternehmen werden logischerweise alles Mögliche versuchen, um ihr Image zu erhalten. Sie versuchen, die Öffentlichkeit von den Schäden, die das Unternehmen verursacht, abzulenken. Eine einfache Möglichkeit, das zu tun, sind «wohltätige» Spenden.

Steuerabzüge für wohltätige Zwecke

Wenn wir an den Wert des Steuerabzugs denken, sehen wir meistens die Einkommensteuer vor uns. Falls ich in der obersten Einkommenssteuerklasse bin, dann reduziert meine wohltätige Spende die Steuerbelastung um derzeit 37 Prozent. Für jeden Dollar, den ich spende, trägt der Steuerzahler 37 Cent meiner Spende in entgangene Einnahmen ein.

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Demonstranten protestieren im Namen der Bewegung Klimastreik Schweiz in Basel. - Keystone

Jedoch gilt dies nicht für wohltätige Spenden. Der US-Staat bietet seit langem grosszügige Steueranreize für wohltätige Spenden. Wobei die aktuellen Vorteile bis zu 74 Prozent des Spendenbetrags erreichen. Die Regierung muss sich entscheiden, ob sie diese 74 Prozent zahlt, oder ob der Bürger dies mit Steuern übernehmen muss.

Aufteilung in gemeinnützigen Stiftungen

Der zweite Punkt ist, dass nur 5 % des gespendeten Gelds tatsächlich in die Hilfsorganisation fliesst. Der Rest wird ins Investment Portfolio gesteckt. 95 % des «gespendeten» Geldes fliesst also in die gleichen Dinge, in die das Unternehmen auch sonst investiert hätte: fossile Energien, Waffenproduktion und Firmen wie Nestlé, die für ihr ausbeuterisches Verhalten bekannt sind.

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Der Nestlé-Hauptsitz in Vevey. - dpa

Doch selbst die 5 Prozent, die von dem Geld noch übrigbleiben, sind nicht wirklich für hilfsbedürftige Menschen gedacht. Beispielsweise hatte die Bill & Melinda Gates Foundation im letzten Jahr eine Kooperation mit Coca-Cola. In deren Rahmen wurden in Kenia 50'000 Menschen dazu ausgebildet, für Coca-Cola auf Feldern zu arbeiten. Das selbstverständlich für einen Hungerlohn – alles im Namen der Wohltätigkeit.

Klimastreik Schweiz: Wie Milliardäre der Demokratie schaden

Dadurch, dass sie entscheiden, wohin das Geld fliesst, indem sie Regierungsgelder wegnehmen, gibt man Milliardären eine immense Macht. Es ist ihnen möglich, Einfluss auf die Politik auszuüben, ohne eine demokratische Entscheidung einholen zu müssen, beispielsweise über Lobbying.

Sind Sie derselben Meinung wie der Klimastreik Schweiz, wenn es um Spenden geht?

Superreiche haben sich so in den letzten Jahren einen grossen Einfluss auf die institutionelle Politik aufgebaut. Sie können demokratische Prozesse umgehen. Es wäre also für uns alle deutlich besser, wenn wir kollektiv darüber entscheiden könnten, wohin Geld fliessen soll. Denn «wohltätige» Spenden von extrem reichen Menschen schaden unserer Meinungsfreiheit und unserer Demokratie!

Wir können uns Superreiche nicht leisten

Spenden von Superreichen tragen nicht dazu bei, Ungerechtigkeiten zu beheben. Im Gegenteil: Sie festigen unser heutiges System. Und zwar, in dem wenige Menschen extrem reich sind und dafür viele Menschen nicht einmal ihre Grundbedürfnisse decken können.

Es ist auch nicht anzunehmen, dass Superreiche wirklich etwas an unserem System ändern wollen. Denn sie profitieren ja enorm von der aktuellen Situation. Gleichzeitig ist es der luxuriöse Lebensstil der reichsten Menschen auf diesem Planeten, der die Klimakrise hauptsächlich anheizt: Das reichste 1 % der Weltbevölkerung ist für 50 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Klimastreik Schweiz fordert Systemwandel von hinten

Vor diesem Hintergrund wird klar: Wir können uns extrem reiche Menschen nicht mehr leisten. Um die Klimakrise und viele weitere Krisen unserer Zeit zu lösen, braucht es einen Systemwandel – und zwar von unten.

Wir brauchen eine Welt, in der alle gut leben können, ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. In so einer Welt kann es keine extrem reichen Menschen geben, finden wir vom Klimastreik Schweiz. Denn solcher Reichtum entsteht nur auf Kosten anderer Menschen und unserer Lebensgrundlagen.

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