Wer heute ein Haus will, muss 28 Jahre lang sparen
Wohneigentum ist fast unbezahlbar: Wer heute ein Einfamilienhaus kaufen will, muss ein halbes Leben lang sparen – deutlich länger als noch 2010.

Das Wichtigste in Kürze
- Raiffeisen hat eine neue Studie über den Wohnungsmarkt veröffentlicht.
- Das Horten von Bauland ist problematisch.
- Einfamilienhäuser und Wohnungen rücken für viele junge Familien in weite Ferne.
- Raiffeisen schweben Sanktionen und neue Gesetze vor.
Stell dir vor, du willst ein Einfamilienhaus kaufen – ganz ohne Erbe. Was denkst du, wie lange du sparen musst?
2010 waren es durchschnittlich zehn Jahre. Heute sind es bereits 28! Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von Raiffeisen.
«Für die Mittelschicht ist der Traum der eigenen vier Wände aus eigener Kraft damit kaum mehr verwirklichbar.» Das bilanziert die Bank in dem Bericht.
Es gibt genug Platz
Das Problem: In der Schweiz wird sehr viel Bauland gehortet statt bebaut. Eigentlich wären die bestehenden unbebauten Wohnbauzonen ausreichend, um Wohnraum für bis zu 1,5 Millionen Personen zu schaffen.
Dennoch entsteht weniger als ein Drittel der neu erstellten Wohnungen auf unbebautem Land. Als Hauptgrund nennt Raiffeisen die hohe Attraktivität der Baulandhortung.
Viele Landbesitzer wollen Geld machen
In den vergangenen 25 Jahren hätte mit Horten von Bauland eine Rendite von 592 Prozent erzielt werden können. Und damit deutlich mehr als der Bau und die Vermietung eines Mehrfamilienhauses mit 400 Prozent. Und das bei einem tieferen Risiko, stellt Raiffeisen fest.
Das soll sich ändern
Die Raumplanung setze damit falsche Anreize und führe zu einer künstlichen Verknappung von Bauland. Das treibe die Bodenpreise zusätzlich in die Höhe.
Raiffeisen fordert grundlegende Reformen in der Raumplanung, bei der Baulandmobilisierung sowie im Mietrecht, um den strukturellen Wohnungsmangel zu entschärfen.
Ein halbes Leben lang sparen
Denn: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kostete letztes Jahr 1,3 Millionen Franken. Mindestens ein Fünftel muss aus eigener Tasche finanziert werden, den Rest übernimmt die Bank.
Profitieren kann allerdings nur, wer gemäss dem Hypothekarrechner von Raiffeisen mindestens 229'000 Franken pro Jahr verdient.
Nicht nur Häuser werden immer teurer
Wegen den astronomischen Summen rückt das Eigenheim für viele junge Familien in weite Ferne. Und Besserung ist nicht in Sicht. 2025 verteuerten sich Eigentumswohnungen im Schnitt um 36'000 Franken, Einfamilienhäuser um 55'000 Franken. So werden die notwendigen Eigenmittel grösser als die Sparleistungen vieler Haushalte.
Es könnte noch schlimmer werden
Zwar habe sich der Anstieg der Angebotsmieten 2025 infolge tieferer Zuwanderung und einer leicht rückläufigen Nachfrage abgeschwächt.
Der Wohnungsmangel bleibe jedoch bestehen. Mittel- bis langfristig sei aufgrund strukturell zu geringer Bautätigkeit erneut mit Engpässen und weiterem Aufwärtsdruck auf die Mieten zu rechnen.
Raiffeisen fordert Sanktionen bei Fehlverhalten
Als Lösung schweben Raiffeisen sogar Enteignungen vor: «Wenn ein Grundstück nicht innert einer bestimmten Frist bebaut wird, gibt es aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive keine Gründe, dass dieses nicht entschädigungslos enteignet oder ausgezont wird.»
Das Ziel sollte jedoch sein, dass die «Eigentumsgarantie gewahrt bleibt», so Raiffeisen.












